Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
378
 
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Kommandanten heran, und ſeine Rechte grüßend an den Tſako legend, ſprach er: Irre ich nicht, mein Kommandant, ſo ſehe ich dort rechts eine dünne Ra uchſäule aufſteigen. Der Angeredete, durch den Napportirenden aus ſeinen Träumen erwekt, blikte auf, und ſah in der angedeuteten Richtung ein Dach über das Gebüſch hervorragen. Durch den erfreulichen Anblik neuerdings geſtärkt, ver doppelte die Truppe ihre Schritte und ward bald vor dem Gebäude angelangt.

Es war dies ein hohes, weitläuftiges Hintergebäude, welches früher au genſcheinlich zu dem daneben befindlichen, durch die Kriegsfurien in einen Schutt haufen verwandelten Herrenhauſe gehört haben mußte. Die zerbrochenen Fen⸗ ſter und die Todtenſtille, die ringsumher herrſchte, ließen auf gänzliche Unbe wohnheit der Gebäudes ſchließen, hätte nicht ein ſchwacher Lichtſchimmer, der durch eines, der wenigen ganz gebliebenen Fenſterſcheiben durchſchien, vom Ge gentheile überzeugt. Die ermüdeten Soldaten forderten unter Flüchen und Dro⸗ hungen Einlaß; jedoch eine geraume Zeit verging, ehe ſich das Thor öffnete. Die Krieger, deren Geduld durch das lange Warten erſchöpft war, verſuchten, ſich mit Gewalt Einlaß zu verſchaffen. Da öffnete ſich das Thor, und das Licht eines brennenden Kienſpanes beleuchtete grell die ſonderbare Geſtalt der Oeffnen den. Es was dies eine lange, hagere Erſcheinung, in ein graues härenes Ge wand gehüllt, welches um die Mitte durch einen Strik zuſammengehalten wurde. Ihre grauen Haare fielen unordentlich über Schulter und Bruſt herab und ga ben der ganzen Geſtalt ein grauenhaftes Anſehen. Julius warf einen prüfenden Blik auf die Geſtalt, und überzeugte ſich bald, daß nicht das Alter, ſondern irgend ein Kummer ihre Haare vor der Zeit gebleicht hatte. Ihre Augen wa⸗ ren hohl, ihr Geſicht hager und bleich. Ein ſonderbares Lächeln umzog ihren Mund, als ſie die Ankömmlige willkommen hieß, und ihnen ihren Plaz in den Hofraum anwies. Die Krieger hatten ſich bald auf den weichen Grasboden nie dergelaſſen und Julius war, nachdem er noch einen ungewöhnlichen Blik ringe umher geworfen hatte, ſeiner ſonderbaren Führerin gefolgt. Dieſe geleitete ihn in ein halbverfallenes Gemach, deſſen zerbrochene Fenſter auf den Hofraum gingen. Hier angelangt, ließ ihn ſeine Führerin auf einige Augenblike allein, kehrte jedoch bald mit einem Kruge Wein und anderen Erfriſchungen zurük, welche ſie vor ihm auf einen morſchen Tiſch hinſtellte, und ihn mit jenem ſon derbaren Lächeln zum Eſſen einlud. Julius, den ein ſehr unerklärliches Ge fühl beim Anblike ſeiner Wirthin ergriffen hatte, fragte ſie, ob ſie ſich nicht unheimlich fühlte in dieſer düſtern Einöde?Was habe ich zu fürchten, ant wortete ſie ihm troken,ich habe Alles verloren, außer mein Leben und dieſes ſelbſt hat nur geringen Werth für mich. Bei dieſen Worten machte ſie eine leichte Verbeugung und verließ ſchnellen Schrittes das Zimmer. Vald darauß ſah ſie Julius unten, den Soldaten die mittlerweile ein luſtiges Feuer an gemacht hatten mehrere Krüge mit Wein vorſezen. Julius, nachdem er das Zimmer ſorgfältig unterſucht hatte, ſezte ſich nieder und fing mit den gebrach ten Erfriſchungen ſeinen Appetit zu ſtillen an. Ein ahnungsvolles Gefühl jedoch hielt ihn zurük, von dem vor ihm ſtehenden Weine etwas zu genießen. Nach⸗ dem er ſeinen Hunger geſtillt hatte, erhob er ſich und trat zu dem offenen Fen ſter und warf einen Blik auf den Hofraum. Hier hatte ſich die Szene umgeſtal⸗ tet. Das Feuer war im Erlöſchen und die ermüdeten Soldaten lagen ruhig um daſſelbe herum. Sie ſchienen feſt, ſehr feſt zu ſchlafen. Nicht einen At hem