Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
377
 
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Der Spiegel

für Run ſt, Eleganz und Mo de.

Dreizehnter Jahrgang. Halbjähriger Preis à fl., mit Poſtverſendung 5 fl. Auf Velinpapier mit erſten Kupferabdrüken

5 fl. u. poſtfrei 6 fl. C. M. Man pränumerirt im K ommlſſlonsamt zu Ofen Feſtung, außerhalb des Waſſerthors), in C. Millers u. J. Wagners Kunſthandl. in Peſth u. bel allen k.k. Poſtämtern.

48. Sonnabend, 13. Juni. 1840.

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Das Vachtlager in der Sierra- Morena. Eine Erzählung aus dem ſpaniſchen Kriege von K. G.. r.

Es war ein ruhiger, lieblicher Sommerabend, die Sonne ſank allmälig hinter den Vergen der Siera-Morena unter, und warf einen purpurnen Schein auf die Landſchaft zurük. Kein Lüftchen regte ſich und nur die dumpfen, ab gemeſſenen Schritte eines Detachements franzöſiſcher Voltigeurs unterbrach die feierliche Stille. An der Spize des Zuges ritt Julius de St. Paul, der Kom mandant dieſer kleinen Truppe. Die tiefe Stille und die Düſterkeit des Orts ſchienen einen tiefen Eindruk auf den jungen Offizier gemacht zu haben. Wie ein Träumender ſaß er auf ſeinem Apfelſchimmel und ſtarrte in die zuneh mende Dunkelheit hinein. Es war dies ſein erſter Feldzug, und die Gräuel des Krieges hatten das weiche Gemüth des jungen Kriegers mächtig ergriffen. Der Mond war allmälig an dem ſternbeſäeten Himmelsgezelte aufgezogen und beleuch tete mit ſeinem falben Lichte nur ſchwach die düſtere Umgegend. Schweigend war die Truppe fortgeſchritten, und manches Auge mühte ſich vergebens ab, irgend eine menſchliche Wohnung zu entdeken. Da trat ein bärtiger Unteroffizier zum