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tha. Es wird dabei viel geſprochen wer— den, wie dies von Philologen zu erwar— ten, aber der langen Reden kurzer Sinn, wie immer bei dergleichen gelehr— ten Verſammlungen, bleibt:„Verſam— melt Euch, eßt, trinkt, unterhaltet Euch und gehet nach Hauſe!“— Die Lokalſängerin Mad. Thoms hat im Jo— ſephſtädter Theater zu Wien ſehr ge— fallen.— Thereſe Elsler iſt in Wien und Fanny Elsler in New-Pork an— gekommen, um ſich dort zu produzi— ren. Bruder Jonathan iſt auf ihre Pro— duktionen geſpannt; wenn nur die „Geldkriſis“ den großen Sprüngen nicht hinderlich wird!— In St. Petersburg iſt Eduard v. Schenk's„Veliſar“, von Abodoffski in's Ruſſiſche überſezte, ſchon mehrmals mit Beifall gegeben worden. — In der Leiſte u. am Stein in Würz⸗ burg hat man am 29. Mai blühende Trauben gefunden.— Der König von Dänemark iſt Verfaſſer einiger gründli— chen Werke, in denen er ſich hauptſäch—⸗ lich als tüchtigen Geologen, Geogno— ſten u. Mineralogen bekundet.— Dem. Heinefetter iſt nun wirklich bei der Pari— ſer großen Oper engagirt, wird aber erſt in einigen Monaten auftreten.— Die Schauſpielerin Caroline Müller in Wien heirat het einen ungariſchen Edelmann und verläßt die Hofbühne.— Im Ge— werbsblatt für Sachſen lieſt man:„Ue— ber die Quantität des mouſirenden Meiß— ner-Champagner können wir nicht ur— theilen, da die Redaktion nicht im Stande iſt, Champagner trinken zu kön— nen.“ Wir kennen übrigens wohl auch kei— ne trinkende Redaktionen, wohl aber trinkende Redakteure, die in⸗ deſſen nicht ſo gewiſſenhaft ſind, nur das zu beurtheilen, was ſie wirklich ver— ſuchten.— Die 190. Vorſtellung von „Robert der Teufel“ in Paris, trug über 10,000 Fr. der Kaſſa ein.
Lokal-Zeitung. Ernſt's fünftes Konzert
findet heute im Theater ſtatt. Wieder eln Feſt für alle Muſikfreunde!
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Die Peſther Kunſtausſtellung iſt ſeit dem 8. d. M. in dem Redoutengebäu— de eröffnet u. entſpricht durch den Gehalt der Gegenſtände, ſo wie durch die ſinnige und ge— ſchmakvolle Anordnung allen Erwartungen.— Näheres ſpäter.
——— Gaſthof. Wieder iſt in Peſth ein neuer Gaſthof ſeiner Vollendung nahe, der alle an dern an Großartlgkett, Eleganz und Pracht überbieten ſoll. Es iſt dieſes der Gaſthof: „um Tiger“, in der Windgaſſe, deſſen gewaltiger umbau ſchon ſo weit vorgerütt iſt, daß die Eröffnung dieſes Etabliſſements für den nächſten Joh. Enthauptungsmarkt ver— ſprochen wird. Dieſer Gaſthof wird ſich, laut Anzeige des Pächters,„nicht nur in architek— toniſcher Hinſicht als eine der vorzüglichſten Zlerden dieſer an Prachtgebäuden(nicht Pracht— bauten) ſo reichen Stadt, ſondern auch an innerer Ausſtattung und Bequemlichkeit als das hierorts Vollkommenſte erweiſen.“ Er wird 130 Zimmer, zwei große Speiſeſäle, ein Kaffehaus u. ſ. w. u. ſ. w. enthalten. Wir freuen uns aufrichtig über dieſen neuen der Stadt Peſth bevorſtehenden Zuwachs an Zier— den und haben nur gegen die Benennung „zum Tiger“ einiges einzuwenden. Es iſt ſchon längſt aus der Zeit, daß uns bei dem Eintritt in einen Gaſthof irgend eine Thier— geſtalt entgegenſehen müſſe. Das Reich der Löwen, Hirſche, Bären, Tiger u. Ochſen der Hotels iſt vorüber.—— Der Zeitgeiſt hat jezt andere Benennungen erdacht. So klingt z. B. ein Hotel, zur Europa“,„zur Stadt London“„zuden Nationen„zu m Vaterland“ weit poetiſcher, erhabener einladender und vornehmer, als die Namen unvernünftiger Thiere, die nur noch auf den Gaſthäuſern kleiner Städte oder in Vorſtädten prangen; in einer großen Stadt, wie Peſth, und bei einer grandioſen Anſtalt, wie die hier beſprochene, ſollte man auch hinſichtlich der Benennung dem Zeitgeſchmake huldigen. —— Im Peſther Stadtwäldchen ſoll
eine Schweizere l und elne damſt verbun⸗ dene Molkenkuranſtalt errichtet werden.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


