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ſind wohl Sparkaſſen, ſie zu befördern können ſich Regierungen und Kommu— nalbehörden nicht genug angelegen ſein laſſen.
Paris. Herrn Thorn, der reiche Amerikaner, der die höhere Pariſer Ge— ſellſchaft im Lauf des Winters mit dem glänzendſten Maskenballe erfreute, deſſen ſich die Faſhionablen ſeit lange zu erin—
nern wiſſen, glaubt damit ſeinem Re— nomé, als„ſteinreicher“ Mann, noch keine Genüge gethan zu haben. Er er— läßt jezt oft Einladungen zu kleinern, ungezwungenern, lebhaftern, und wenn der Ausdruk erlaubt ſein darf, häusli— chern Bällen, die ganz den heitern, freundlichen Charakter der Jahreszeit tragen, welche den langen Winteraben— den Stunde um Stunde abringt. Der erſte dieſer Bälle fand am lezten Tage des April ſtatt. Die Säle waren glän— zend erleuchtet, ein reicher Blumenflor ſchmükte alle Gemächer; von einer mit weichen Teppichen bedekten Teraſſe ge— langte man in den Garten, der in ei— nem wahrhaft magiſchen Lichte erſtrahl— te, das ſich aus hunderten von bunt— farbigen Laternen ergoß. Ein ſehr gu— tes Orcheſter füllte die Pauſen zwiſchen den Walzern u. Kontretänzen mit Sym— phonien aus. Alle Damen, welche bei ſolchen Feſten der haute volée beſonders glänzen, Frau von Cour.. Frau von Fiz... waren in leichten und elegan— ten Balltoiletten; Roſenknoſpen und Frühlingsblumen erſezen ſchon in ihrem Kopfpuz die künſtlichen. Die Gräfin Samailoff, die nächſtens abreiſen will, und ſchon ſeit acht Tagen mit Abſchieds— beſuchen bei den zahlreichen Freunden, die ſie ſich zu erwerben gewußt hat, be— ſchäftigt iſt, hat mit dem Grafen von Medem, erſtem Sekretär bei der ruſſi— ſchen Geſandtſchaft, eine Mazurka ge— tanzt; die graziöſe Regelloſigkeit, die oft ſo lebhaften Figuren dieſes Tanzes, an dem zwölf Paare Theil nahmen,
ward ſehr bewundert. Vier Uhr Mor— gens, als die bunten Laternen des Gar— tens verlöſchten, und die Morgendäm— merung allmälig hereinbrach, endete das heitere Feſt.
Koppen hagen. Die däniſche Re— gierung hat befohlen, daß ſämmliche Unterbehörden der Herzogthümer Schles— wig und Holſtein, ſo wie die Advoka— ten in dieſen Herzogthümerm, in ihren Ausfertigungen ſich unnöthiger lateini— ſcher Ausdrüke enthalten ſollen. Dieſe Vor— ſchrift iſt von der ſchleswigſchen Stän— deverſammlung veranlaßt worden, nach— dem einige Zeit vorher in einer vater— ländiſchen Zeitſchrift der Ober-Apella—⸗ tionsgerichtsrath Brinkmann ſich gegen den unnöthigen Gebrauch lateiniſcher Worte und Redensarten, zumal in den Fällen, wo die Beamten und Advoka—⸗ ten mit Nichtjuriſten verhandeln, nach drüklich erklärt hatte.
Rom. Das„Diario di Roma“ be⸗ richtet:„Die Gräfin Napoleona Eliſa Camerata, Tochter der Prinzeſſin Eliſa Vaclocchi und Nichte des Kaiſers Napo—⸗ leon, wolle ihre Oheime gerichtlich be— langen, und von ihnen die Herausgabe des Theils der Kleinodien der Madame Lätitia verlangen, welche dieſe ihr in ihrem Teſtamente vermachte. Dieſer Nach— laß, den zuerſt der Kardinal Feſch an ſich nahm, und der dann auf Joſeph Bonaparte überging, wird auf etwa 2,200,000 Gulden geſchäzt. Auch auf den Nachlaß des Kardinals will die junge Dame ihre Rechte geltend machen.“
Etwas von Allem. In Paris iſt der berühmte Admiral Sir Sidney Smith, in Nizza der famöſe Virtuoſe Paganini und in Philadelphia der Rit— ter von Gerſtner, bekannt wegen ſeiner Bemühungen um die Eiſenbahnen, ge— ſtorben.— Die deutſchen Philologen hal—⸗ ten heuer wieder eine Verſammlung, und zwar im Monat September zu Go—


