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ausgeſtattete und ſehr billige Ausgabe à 54 kr. C. M. bei Bethge in Ber⸗ lin erſchienen und in Peſth bei Adolf Hartleben vorräthig, welche Vielen ei— ne willkommene Gabe ſein wird, da dieſes Gedicht ſtets Intereſſe behalten muß, indem es das tolle Leben u. Trei⸗ ben der Studentenwelt aus einer frü— heren Periode mit ebenſo originellen, als wahren u. ergözlichen Farben ſchil— dert.— Dr. Halthaus„Album der deutſchen Schriftſteller zur vierten Sä— kularfeier der Buchdrukerkunſt“ iſt er⸗ ſchienen. Es enthält nur kurze Beiträge der namhafteſten deutſchen Schriftſteller. — Ein franzöſiſcher Schrifſteller ſchreibt einem Liebhaber folgende Geſchenke vor, die er der Geliebten machen ſoll:
Pantoffeln der Demuth,
Schuhe des Fleißes,
Strümpfe der Beharrlichkeit,
Strumpfbänder feſter Vorſäze,
Hemde der Ehrbarkeit,
Schnürleib der Keuſchheit,
Schnürſenkel der Trefflichkeit,
Nadel der Geduld,
Beutel der Freigebigkeit,
Meſſer der Gerechtigkeit,
Halsſchmuk der Mäßigkeit,
Ring der Treue,
Gewand des Anſtandes,
Gürtel der Anmuth,
Handſchuhe der Barmherzigkeit,
Kamm der Gewiſſenhaftigkeit,
Bänder der Gottesfurcht,
Roſenkranz der Frömmigkeit,
Kopfpuz der Reue über ihre Fehler,
Umſchlagetuch der Klugheit,
Hut der Hoffnung,
Armbänder edler Geſinnung,
Spiegel der Selbſtkenntniß. Beſſer iſt es freilich, wenn die Geliebte dieſe Gaben dem Bräutigam ſelbſt mit— bringt. Denn wenn ſie alle fehlen, und er ſie ihr erſt ſchenken ſoll, dann muß er ſie gewiß ſehr theuer erkaufen.
Mignon Zeitung
Mannheim. In einem Neben— hauſe eines Bürgers zu Neuhauſen im Badenſchen, worin ein Mann nebſt Frau und einem Kinde wohnten, wurde an Erweiterung und Vertiefung des Kel— lers gearbeitet. Am 18. Mai, früh 4 Uhr, als dieſe Leute noch ruheten, ſtürzte plözlich das Haus ein. Die Bettſtelle und die Wiege verſanken. Die Frau fand man ganz mit Schutt, ins— beſondere auf dem Halſe, bedekt, und ohne Spur des Lebens. Der Mann lag quer über der Leiche der Frau, und war durch einen über den Kopf gelege— nen Balken geſchüzt; er wurde nicht le— bensgefährlich beſchädigt. Das Kind blieb unverſehrt.
Petersburg. Das Curatorium des Petersburger Leihhauſes hat ver— ordnet, daß vom 1. Mai dieſes Jahres an keine Kleidungsſtüke, Wäſche und Pelzwerk mehr in Verſaz genommen werden ſollen. Die wohlthätige Abſicht dieſer Maßregel iſt nicht zu verkennen, es ſoll dadurch dem Leichtſinn der unte— ren Klaſſen geſteuert werden, die oft aus frivolen Gründen, bei Feſtlichkei— ten u. ſ. w. Kleidungsſtüke, deren ſie für den Augenblik nicht bedürfen, auf das Leihhaus tragen, um das dafür ge⸗ löſte Geld zu verpraſſen. Indeſſen iſt oft das einzige, einigermaſſen Werth— volle, was Arme beſizen, ihr Feſttags— kleid und es ihnen verſagen, ſich dieſes als Pfand zu bedienen, kommt gar oft einer gänzlichen Verſagung eines Dar— lehens gleich. Will man alſo einmal Leihhäuſer, und in allen ſtark bevöl— kerten Städten ſind ſie leider nöthig, ſoll nicht dem im Dunkel ſchleichenden Wucher Thür und Thor geöffnet wer—⸗ den, ſo wird es nicht ſtatthaft ſein, die Zahl der Pfandobjekte zu vermindern. Das einzige wirkſame Gegengift des Leichtſinns, der zum Pfandhaufe eilt,


