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zu ihm und ſprach mit einer Stimme, bei der man es fühlte, daß ſie an keinen Widerſpruch gewöhnt war:„Du ſollſt ein ſtrenges, aber gerechtes Urtheil ohne zu grübeln vollziehen, doch hüte dich, daß deine Kunſt fehle.“ Nach dieſen Wor⸗ ten trat der Vefehlende dicht an den Tiſch, worauf die verdekte Schüſſel ſtand. Jezt öffnete ſich die Thür noch einmal, und mehr getragen als geführt ward eine nicht allzu große Geſtalt, deren Körper förmlich mit einer ſakähnlichen Um⸗ hüllung bekleidet war. Dieſe Umhüllung hatte blos Oeffnungen für die Füße und war über den Schultern bis an die Schlüſſelbeine zugenäht. Den Kopf be⸗ dekte eine ähnliche Hülle, die nur zwei Oeffnungen für die Augen und eine für den Mund enthielt, und unter dem Kinn ſo dicht ſchloß, daß nur der ſchnee⸗ weiße Naken für die fürchterliche Operation frei gelaſſen war. Aus den kleinen Augenöffnungen ſtarrten zwei dunkle, ſchon halbgebrochene Augen der Verſamm⸗ lung entgegen. Die Arme mochten wohl unter der Hülle gefeſſelt ſein.
(Beſchluß folgt.)
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Die Liſten ſchlechter Zahler in Paris.
Zwei Leute, die wahrſcheinlich ſelbſt viel Schulden machten, ſo lange ihnen noch Jemand borgte, ſind jezt auf ein ſeltſames Auskunftsmittel verfallen, ſich nothdürftig zu nähren; ſie geben nämlich eine Art von lithographirter Zeit— ſchrift,„Liſte ſchlechter Zahler“, heraus, welche die Pariſer Kaufleute, und insbeſondere die Schneider, Schuſter und Hutmacher vor Individuen warnen ſoll, die dafür bekannt ſind, daß ſie gern auf Kredit kaufen und dann ihre Rech— nungen zu bezahlen vergeſſen. Dieſe Liſte wird für 12 Franken jährlich den Abonnenten von Monat zu Mongt ins Haus geſchikt; daneben erhalten ſie noch am Schluſſe des Jahres eine Generalüberſicht ſämmtlicher ſchlechten Schuldner; in einer beſondern Abtheilung der Liſte werden die ſchlechten Schuldnerinen auf— geführt, und ſie erfahren nicht allein Wohnung, Namen und Stand, ſondern auch ihr Signalement und oft noch eine ſpöttiſche Biograghie in einer Zeile, ſo daß ſie um ſo beſſer gegen Leute auf der Huth ſein können, die auf ihre Koſten elegant gekleidet ſein wollen. Natürlich iſt mit ſolchen Perſönlichkeiten der wi— derwärtigſte Skandal verbunden. Nachrichten, die man nimmt, woher ſie kom⸗ men mögen, und die meiſtens von einem gereizten Gläubiger ſtammen, können die ehrenwertheſten Männer, die ſo ohne Weiteres unter das Gelichter betrüge— riſcher Schuldenmacher geworfen werden, öffentlich an den Pranger ſtellen, die Notizen, durch welche die Kaufleute gewarnt werden, ſind in dieſer Art:
Herr K.(im Texte ſind alle Namen ausgeſchrieben), ein junger hübſcher Mann, ſehr elegant gekleidet, gibt ſich für einen Advokaten aus, wohnhaft Straße.... Herr D.., ſchöner Mann, mit ſchwarzem Haar und einem gro— ßen Schnurrbarte; Herr P.., Geſchäftsmann, groß und dik, dunkles Haar, ſehr kurzſichtig; Herr Baron von W.., ſchöner junger Blondin, iſt aus neh⸗ mend höflich; Herr B.., Arzt, fein friſirt, hat ein ſehr einnehmendes Weſen; Herr K.., Engländer, iſt mager und blond, hat ſehr dünne Beine; Herr O.. großer und ſchöner Blondin, erſcheint mitunter in Begleitung einer Gräfin.
Ganz im ſelben Style ſind die Damen gleichfalls mit Nennung ihres vol len Namens und ihrer Wohnung geſchildert:


