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Der Spiegel
für Kunſt, Eleganz und Mode.
Dreizehnter Jahrgang.
Halbjähriger Preis 4 fl., mit Poſtverſendung 5 fl. Auf Velinpapler mit erſten Kupferabdrüken 5 fl. u. poſtfrei 6 fl. C. M.— Man pränumerirt im Kommiſſionsamt zu Ofen Feſtung, außerhalb des Waſſerthors), in C. Millers u. J. Wagners Kunſthandl. in Peſth u. ber allem k. t. Poſtämtern.
46. Sonnabend, 6. Juni. 1840. — D i Jer Scharfrichter. (Fortſezung.)
Verächtlich ſah der biedere Mann auf das glänzende Gold.„Haltet Ihr mich für einen zu dingenden Meuchelmörder, Ihr Aus geburten der Hölle, die Ihr mich wie nächtliche Geſpenſter überfallt, und es nicht wagt, Eure Geſichter zu zeigen! Nur nach gerechtem Spruche thut meine Klinge ihre Pflicht, und jezt ſoll ſie gegen Euch mir zur Abwehr und zur Nache gegen Euer ſchändliches Anerbieten blizen?“ Bei dieſen unvorſichtigen Worten ſprang er nach dem an der Wand hängenden Schwerte. Doch die Vermummten mochten ſich vielleicht ſchon deſſen gewärtigt haben, denn im Nu wurde er gepakt, ein Mantel über ihn geworfen und ihm ein Schnupftuch in den Mund geſtekt.—„Glaube,“ rief ihm einer der unheimlichen Gäſte zu,„daß das Urtheil, welches du voll⸗ ſtreken ſollſt, ein gerechtes iſt, weigere dich nicht, ſonſt biſt du des Todes. Du biſt nur das vollſtrekende Werkzeug eines höheren Richterſpruches, dem die Ver antwortung bleibt.“ Bei dieſen Worten ergriff einer der Vermummten jenes alter⸗ thümliche Schwert. Der Scharfrichter wurde nun gänzlich verhüllt, in die Kutſche geſchleppt, und mußte ſich in ſein unbekanntes Schikſal ergeben.


