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den goldenen Inhalt lokend durchſcheinen ließ, hingeworfen auf die Platte des blank geſcheuerten Tiſches.—„Kleidet Euch an und nehmt Euer beſtes Schwert zur Hand, denn Ihr müßt uns augenbliklich begleiten.“
(Fortſezung folgt.)
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Die Unanuehmlichkeiten der Freibillets.
Ein Franzoſe führt nachſtehende poſſirliche Klage:„Die Pariſer Ehemän⸗ ner ſind meiſtens doppelt geſtraft, einmal an ſich, weil ſie verheirathet ſind, und dann, weil ſie eine Frau haben, deren Abgott das Schauſpiel iſt. Am aller⸗ ſchlimmſten iſt aber ein ſolcher dran, deſſen Frau einen Theater-Aktionär kennt, oder einen Schauſpieler oder auch einen Dichter, ja wenn auch nur einen Unter⸗ geordneten der Vaudeville-Fabriken, denn dieſe äußerſt galanten Herren brin— gen— vorzüglich wenn die Frau hübſch iſt— alle Augenblike ſogenannte Frei⸗ billets, mit welchen man das Recht erlangt, ohne Bezahlung des Eintrittsgel— des in das erſehnte Schauſpiel zu gelangen. Sobald eure Frau ein Freibillet beſizt, habt ihr keinen Grund mehr, ſie nicht ins Theater führen zu wollen, außer ihr wäret ein recht mürriſcher Ehemann— und dann wäret ihr gewiß auch bald ein recht betrogener. Nun denn— wie ihr um 5 Uhr nach Hauſe kommt, tritt euch eure Frau mit einem kleinen, ſiegreichen Lächeln entgegen! und ſagt:„Mein Freund! heut Abend gehen wir ins Theater; Herr Eduard hat uns ein Billet ins Ambigü-Theater gebracht. Mach, daß wir zum Eſſen kommen, man fängt heute ſchon um halb ſechs Uhr an. Komm geſchwind zu Ti⸗ ſche; ich habe eine kalte Paſtete kaufen laſſen, damit uns das Eſſen nicht auf⸗ hält... Das iſt dir doch genug— nicht war, mein lieber Freund?- Ich für meinen Theil habe keinen Hunger. Ich bin ſo äußerſt vergnügt, ins Theater gehen zu können!“ Als gut gezogener Ehemann erwidert ihr nichts; ihr begnügt euch, eure kalte Paſtete und eure üble Laune hinunterzuſchluken. Kaum ſizt ihr fünf Minuten zu Tiſche, kommt ſchon die Frau in Hut und Shawl und zieht euch die Servietts weg. Ihr ſtoßt drei Seufzer aus und macht euch auf den Weg ins Freitheater.
Angekommen auf dem Bovlevard Montmartre, lauert ihr ängſtlich dem Omnibus auf, der euch ins Ambigü führen ſoll. Nach 10 Minuten ungeduldiger Erwartung kommt endlich der Wagen— ihr ſchwingt euch auf den Wagen⸗ tritt, aber der Kondukteur ſtoßt euch herunter mit dem Schrei: bereits voll!— Ihr wollt den Wagen erwarten, der in einer Viertelſtunde vorbeikommen ſoll, aber eure Frau macht euch aufmerkſam, daß ihr keinen Plaz mehr im Theater finden werdet, und ihr entſchließt euch, nach vier tiefen Seufzern einen Fiaker zu nehmen, welcher euch ungefähr für 32 Sous hinbringen wird— zum Frei⸗ theater. Jezt beginnt die Reihe der bekannten Plakereien. Alſo— ihr präſen⸗ tirt euch bei der Kontrole mit eurem gelben Billet, und der Kontroleur erſucht höflich, vorerſt ins Supplement⸗Bureau zu gehen und 20 Sous für jeden Plaz zu erlegen. Dies iſt hart, allein es iſt die Abgabe der Armen und ihr könnt nichts dagegen ſagen.— Gut denn!— Nun kommt ihr an die erſten Logen, auf welche euer Billet lautet, und der Logendiener macht euch mehr oder weni— ger begreiflich, daß die erſten Logen der Freibillets ſich im zweiten Logenrange


