Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
348
 
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macht. Nun kroch er zum Keeuze; es thut ihm von Herzen leid, ſagte er, daß wir ſo viel Widriges hätten erdulden müſſen; wenn er voraus wiſſen können, daß es donnern und blizen, ſtürmen, regnen und hageln werde, ſo würde er Alles aufgegeben haben; da er aber geglaubt, ein bloßer Spazirgaug im Freien würde dem lieben Onkel und der guten Tante eher nüzen als ſchaden und da er einmal für das Feſt ſein Ehrenwort gegebenEin ſolches Ehrenwort iſt ein Schandwort! fiel ich ihm heftig in die Rede und diente ihm überhaupt tüch⸗ tig.Komm mir nicht wieder vor die Augen, Böſewicht! ſchalt ich.und dein Vater ſoll Alles wiſſen! Er legte ſich auf's Bitten. Nichts, ich war in debperater Nage. Er mußte fort ſammt allen ſeinen Gäſten, und den verräthe riſchen Wetter-Propheten(den der Held des Feſtes zur Belohnung auch zum Trinkfeſt geladen, der Burſchen-Chor aber zum Bajazzo gebraucht, ihn berauſcht und ihm zulezt zum ſchuldigen Dank mit gebrannten Korkſtöpſeln einen koloſſa len Schnurr-, Kinn- und Vakenbart über das halbe Antliz gemalt hatte) ließ ich durch den Gerichtsdiener aus dem Dorfe transportiren, um doch einige Ge nugthuung zu haben. Das wollte ich dir hiermit melden, auf daß du dich nicht wundern mögeſt, wenn dein Söhnchen etwa bei dir über meine Härte kla gen ſollte.

Aber der Studioſus, der nicht an Geiſtesbeſchränktheit litt, hütete ſich wohl, den ernſten Papa von dem Vorgange in Kenntniß zu ſezen; er wandte ſich lieber an den milden Oheim und beſtürmte dieſen ſo lange mit Bitten, erſt ſchriftlich, dann mündlich, bis der gute Alte dem Bereuenden nach Schil ler zurief:

Allen Sündern ſoll vergeben Und die Hölle nicht mehr ſein!

Sechs Wochen ſpäter ſchrieb der Amtsrath an ſeinen Bruder:Dem Ju⸗ lius habe ich das Geburtstags-Erdbeben verziehen. Der Schelm bat ſo ſchmei chelnd und demüthig und gelobte auch für die Zukunft auf das Feierlichſte voll ſtändige Beſſerung: da konnte ich nicht länger widerſtehen. Eigentlich war ich wohl in der Aufregung zu ſtrenge gegen ihn geweſen, als ich ihm Alles rund abſchlug. Und ferner trug er doch nicht die Schuld, daß der böſe Zufall uner wartet das Gewitter nebſt Zubehör über die Spazirgänger heraufführte. Das ließ ſich nicht vorausſehen. Dazu hatte er einmal ſein Ehrenwort gegeben, das durfte er auf keinen Fall brechen; und im Grunde freut es mich von Herzen, daß er auf Ehre hält, denn Ehrliebe, Herr Bruder! iſt die Mutter alles Schö nen, Guten und Großen. Uebrigens iſt er ein ganz braver Burſche, deſſen Fleiß, Gewandtheit und Geiſt mir Freude gewährt und der einſt ſicher der Familie keine Schande machen wird. Es war ein Jugendſtreich, allerdings ein etwas der ber, aber ich ſelbſt war in ſeinen Jahren auch kein Cato. Alſo abgemacht!

Karl Stein.(-eſellſch.)

* f** Anſichten. Urtheile. Vegebniſſe. Dem. Lutzer zu ihrer ſiebenten Gaſt Theater. rolle Bellini's:Norma. Es iſt dies Ve ſt hb.(Dem. Lutzer. Hr.[eine Parthie, ganz geſchaſſen, um dar⸗ Rott.) Bei übervollem Hauſe ſang nach die Virtuoſität einer Sängerin be