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urtbeilen zu können; ſie bietet die glän— zendſten Geſangsſtellen, ſowohl für die Koloratur, wie auch für ein ausdruks— volles Cantabile und eben ſo zugleich die dankbarſten dramatiſchen Momente. Dem. Lutzer wußte durch ihre wun— dervollen Mittel und ihr ſeltenes Ta— lent zu glänzen, die weiche, liebliche Stimme eilte mit wundervoller Leich— tigkeit über und erwarb ſich enthuhaſti— ſche Anerkennung. Sie ward mehrere Mal und am Schluſſe vier Mal geru— ſen.— Indeſſen mußte man ſich geſte— hen, daß die Norma der Dem. Carl auch in geiſtiger Konzeption, ſo wie in dramatiſcher Auffaſſung, ein großar— tiges Ganzes bildet, deſſen Eindruk ſchwer zu vertilgen ſein dürfte.— Dem. Rauch als Adalgiſa ſtand dem gefeier— ten Gaſte nicht ohne Wirk ung zur Sei— te, ſo wie auch Hr. Hirſch als Oroviſt einige treffliche Momente bot.— Als Hugo in Müllners:„Schuld“ gab Hr. Rott neue Beweiſe ſeines glänzenden Talentes; mit erſchütternder Wahrheit und Natürlichkeit war der Charakter hingeſtellt und eiſerne Konſequenz, die Folge eines reifen Studiums, gab ſich in der Durchführung kund; den meiſten Effekt bot die Schlußſzene des 3. Ak— tes. Mad. Kalis(Elvira), ſo wie auch Mad. Grill(Jerta) leiſteten in ihren Rollen Ausgezeichnetes.— Am 28. gab Hr. Rott den Roderich im„Leben ein Traum“ zur ſiebenten Gaſtrolle. Darü— ber nächſtens. Semper idem.
Mignon-Zeitung.
Verlin. Ein Vorfall, welcher ei— ne hieſige ſehr angeſehene Familie be— troffen, macht in dieſen Tagen hier viel Aufſehen. Der Vorfall iſt der Familie des geheimen Kommerzienrathes Hennoch begegnet, eines Mannes, der als einer der unternehmendſten, thätigſten und reichſten Einwohner Berlins bisher in
hoher Achtung ſtand. Er iſt Eigenthü— mer des hieſigen ſehr einträglichen Droſchken-Fuhrweſens und des Bades Gleißen, außerdem aber der Begründer und Beſtzer verſchiedener großartiger Fa— briken. Während er nun kürzlich mit ſeinem Sohne ſich von Berlin abweſend befand, u. ſeine Schwiegertochter nebſt Schweſter allein zurükgeblieben waren, iſt plözlich von Bonn her eine Requiſi— tion zur ſtrengſten Hausſuchung, ſo wie zur Verhaftung der beiden Herren Hen— noch eingegangen, weil ſich der Verdacht herausgeſtellt, daß Beide verſchiedenes Silberzeug von Werth aus der Maſſe eines nahen Verwandten, der dort fal— lirt hat, auf unerlaubte Weiſe an ſich gebracht hätten. In Folge jener Re— quiſition hat man in den ſtrengſten For— men nicht nur die Hausſuchung zum großen Schreken der armen, ſchuzlos zurük gebliebenen Damen, ſondern ſelbſt die Verhaftung der beiden Herren Hen— noch vorgenommen, ja die Damen drei Tage auf's Strengſte abgeſondert in ih— rer Wohnung gefangen gehalten. Die Unſchuld Aller hat ſich ſehr bald her— ausgeſtellt, und man hat nicht nur die Familie Hennoch, ſondern auch einige dort im Hauſe geweſene, auch nicht betheiligte junge Leute, die man eben ihrer zufälligen Anweſenheit halber mit verhaftet, wieder auf freien Fuß geſezt.
Potpourri aus Paris. Die Variſer Buchhändler haben einſtimmig darauf angetragen, auch den kbiterariſchen Werken des Auslandes Garantie u. Schuz zu gewähren. Wie man hört, wird die— ſer Antrag von den Kammern ſowohl als auch vom Kabinet mit Beifall auf— genommen, ſo daß die deutſcheu Litera— ten am Ende bald ſicherer im Auslande ſind, als daheim.— In dem Muſeum in Paris verhaftete man kürzlich einen jungen Maler in dem Augenblike, wo er zwei der ſchönſten Gemälde von Cas— par Netſcher,„Unterricht im Gegen—


