Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
341
 
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um ſo ſchlimmer, als der Herr ſich oft mit mir unterhielt, mir von ſeinen An gelegenheiten erzählte, ſeinen Kummer und ſeine Hoffnungen mittheilte, und ich wirklich Antheil an ihm genommen hatte. Was ich auch zuerſt nicht begreifen konnte, war, daß er Bände in Quarto in ſeinem Oberroke hatte fortbringen können. Das fing er aber ſo an: er riß ſie auseinander, und ſtekte ſie dann in eine Art von Taſche, die im Küken ſeines Rokes angebracht war. Die Bücher, um die ich auf dieſe Weiſe gekommen bin, ſind eine ſehr beträchtliche Summe werth; ein Paar davon habe ich wieder kaufen können, die meiſten waren nicht mehr aufzu treiben. Der Krämer, an den der Angeklagte die Bücher verkauft hat, erklärt, derſelbe habe ihm zuerſt alte Zeitungen gebracht, und ſich dann für den Eigen thümer einer Leſeanſtalt ausgegeben, und ſei mehrere Male gekommen, um ihm Bücher zu überlaſſen, die ihm, zerriſſen, wie ſie wären, zu nichts mehr nüzen könnten.

Der Präſident des Polizeigerichts: Es war ſehr unrecht von Ihnen, daß Sie einem Manne, den Sie nicht kannten, Bücher abkauften.

Der Krämer: Ich glaubte ihm, was er mir erzählte, auch wußte ich den Werth der Bücher nicht zu beurtheilen... ich din kein Gelehrter... ich beurt heile die Bücher nur nach ihrem Umfang und nach der Stärke des Papiers.

Der Angeklagte: Meine Abſicht war immer, Herrn Dumont zu ent ſchädigen, ich erwarte ein Paar hundert Franken, und werde mich dann beeilen, ihm Alles zu erſezen.

Der Präſident: Es wurden bei Ihnen auch noch zwei Bände ge funden, die in das Leſekabinet La Tente gehören; wie kommen Sie zu dieſen?

D. A.: Ich war dort abonnirt, und bedurfte dieſer beiden Bände zu ei ner großen Arbeit, welche mich beſchäftigt... Es iſt eine Geſchichte Frankreich's in Liedern... Sie müßten die Geſchichte meines Lebens kennen, um begreifen zu können, wie ich, der bis zu ſeinem vierzigſten Jahre der allgemeinſten Ach tung genoß, dazu gekommen bin, eine ſolche Handlung zu begehen. Der Ver kauf der Bücher hat mir kaum ſieben Franken eingebracht... wer nicht, wie ich, ſtets im unbarmherzigſten Kampfe mit dem Unglük lag, wird, was ich that, niemals begreifen können... Aus Barmherzigkeit, meine Herren, richten Sie nicht meine ganze Zukunft zu Grunde, ich habe ſchon furchtbar gelitten... ich bin ſehr unglüklich ich habe zehn Werke in verſchiedenen Sprachen geſchrie⸗ ben ich ſpreche acht Sprachen und kann darin unterrichten.

Ein Advokat, der ſich des Angeklagten angenommen hat, legte mehrere Briefe vor, in welchem dieſem die günſtigſten Zeugniſſe ertheilt werden, und lieſt einen Brief von Blanqui, Mitglied der Akademie der Wiſſenſchaften an Barthelemy Saint Hilaire, Generalſekretär im Miniſterium des öffentlichen Un⸗ terrichts, und einen andern von Paulin Paris, Direktor der königlichen Biblio, thek, an denſelben Gelehrten. Der Brief des Herrn Blanqui lautet:Mein lieber Bartholemy! Der Ueberbringer meines Briefs hat ſeit zwei Jahren Frank⸗ reich durchreiſt und eine Menge von Liedern von der erſten Zeit unſerer Könige an bis auf 1800 geſammelt. Herr** iſt ein Ausländer, ein wahrer deutſcher Philo ſoph, einfach, ehrlich, fleißig und arm, wie es Philoſophen ſind, ſelbſt wenn man ſie zu Sekretären eines Miniſteriums gemacht hat. Er würde ſeine Samm⸗ lung für drei oder vierhundert Franken, alſo für eine Bagatelle hingeben. Ich dachte, Sie würden wohl dieſe geringe Summe in Ihrer Kaſſe haben, um die