Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
340
 
Einzelbild herunterladen

2 getheilt habe. Was thut der Bube? o, ich werde raſend, wenn ich nur daran denke. Du weißt, daß ich bei ungewöhnlichen Natur-Vegebenheiten an einer ge⸗ wiſſen Bangigkeit leide, die ich nicht zu meiſtern vermag. Nun ſieh, auf dieſen Um ſtand hat dein Sohn, der Böſewicht, eine abſcheuliche Schelmerei gegründet. Da ich im Kalender geleſen, daß an demſelben Tage, an welchem der Höllenbrand geboren iſt, diesmal Nachmittags eine ſichtbare Sonnenfinſterniß ſtattfinden wer de, und mich dies beängſtigte, ſo laſſe ich einige Tage zuvor den Gersdorfer Schulmeiſter, den bekannten Wetter- Propheten, zu mir bitten, deſſen Voraus ſagen ſchon oft eingetroffen ſind, und frage ihn wie gewöhnlich, ob es auch wohl mit der Finſterniß ſonſt noch Etwas zu bedeuten habe? Er ſcheint unru hig, kopfſchüttelt freilich, aber zukt auch mit den Achſeln, iſt einſylbig, ja ſo⸗ gar gegen ſeine Gewohnheit wortkarg. Ich, dadurch ſehr geſpannt, dringe in ihn; endlich ſteht er Rede, indem er mir geheimnißvoll zuflüſtert:Kraft mei ner aſtronomiſchen, meteorologiſchen und phyſikaliſchen Erfahrungen weiß ich, daß wir an dem Tage, während der Sonnenfinſterniß oder bald nach derſelben, ein kleines Erdbeben haben werden, wie vor drei Jahren; aber ſchweigen Sie ja, damit die Einwohner nicht furchtſam werden. Sie ſind der Einzige, dem ich es anvertraue; auch hat es übrigens in unſerer Gegend keine Gefahr. Denke dir meinen Schrek! Ein Erdbeben, ſei es auch noch ſo Unbedeutend, iſt doch im mer entſezlich. Zudem iſt mein altes Wohnhaus nicht ſehr feſt, ſeit zehn Jah ren beabſichtigte ich den Ausbau, ſcheute aber die Unruhe und das Haus blieb baufällig. Mit zitternden Gliedern und hochſchlagenden Pulſen frage ich den Propheten, was man wohl für ſeine Sicherheit thun könne? Er urtheilte, das Klügſte ſei, ſich hinaus zu begeben in das freue Feld, wo Einem mindeſtens nichts auf den Kopf fallen könne. Das leuchtete mir ein, ich umarme den Schul⸗Mephiſto dankbar und beſchenke ihn obendrein für den guten Rath. Er droſſeln hätte ich ihn ſollen, denn der Elende war überredet, beſtochen und der Ahitophels-Rathſchlag kam von deinem Höllenbrande. Aber, getäuſcht wie ich war und nichts Arges ahnend, befolge ich die Weiſung, mache an dem Unglüks tage ſobald das Mittagsmahl eingenommen, mit Schweſter Suſanna einen ſoge nannten Spazirgang hinaus in das Blachfeld und ſuche durch Schweigen der Begleiterin die Herzensangſt zu erſparen. g (Beſchluß folgt.)

2

Jer Jücher dieb.

Vor eines der Pariſer Polizeigerichte wurde vor einigen Tagen ein deutſcher Gelehrter, des ſchmachvollſten Verbrechens, des Diebſtahls, angeklagt, geſtellt; er hatte aus einer Leſeanſtalt Bücher entwendet, und ſie als Makulatur an ei nen Krämer verkauft. Der Bücherverleiher Dumont, den er beſtohlen, ſagt aus: Ich bemerkte ſeit etwa einem Jahre, daß mir oft Werke fehlten; zwei bis dreihundert Bände zum Theil der koſtbarſten Werke, wie die Eneyklopädie, die Werke von Merlin u. ſ. w. waren mir weggekommen. Umſonſt verdoppelte ich mit meinen Leuten unſere Vorſicht, endlich in den lezten Tagen des März zeigte mir einer meiner Kommis an, daß er den Dieb ertappt habe, und es war kein anderer, als der Herr da. Mich wunderte das ſehr, und es war auch wirklich