339 und mittrinken, in ihrer Mitte werde er das Rollen des Donners nicht hören und die Welt mit allen Ungewittern vergeſſen.
Das war dem alten Herrn zu derb; er beſchloß, allem künftigen Lärm ein Ende zu machen und ſein Haus für ſolche Gelage immerdar zu ſchließen; ſein Entſchluß befeſtigte ſich noch, je ſtärker drüben die Muſenſöhne ihr Gaudea— mus brüllten. Als das Gewitter vorüber war, kündigte er dem Neffen mit ern— ſter Strenge an, daß ihm für die Zukunft ſeine Thür verſchloſſen bleibe, ſobald er in Geſellſchaft komme.„Jezt ſage ich es dir ohne Zeugen,“ ſezte er hinzu, „kommſt du aber künftig in Begleitung, werde ich Maßregeln treffen, dich energiſch zurük zu weiſen, ſo energiſch, wie es der unverſchämte Troz verdient!“ Die lezten Worte ſprach er mit einem Seitenblik nach dem Hofe aus, wo die Paker Nero und Sultan an der Kette lagen.
Julius blieb in ſeinem Charakter, das heißt, er fügte ſich mit echt-diplo⸗ matiſcher Ruhe in die vollendete Thatſache, machte gute Miene zum böſen Spiel und verſprach mit Unterwürfigkeit, dem Oheim zu gehorchen.] Auf dem Rükwege nach der Stadt aber ſagte er lachend zu ſeinen Genoſſen:„Onkelchen iſt ſeelen— gut, er kann nicht ewig grollen; allerdings haben wir bei ihm den kizlichſten Punkt berührt; aber ich wette, er nimmt nächſtens die barſche Reſolution zurük!“
Im Sinne dieſer Hypotheſe beſuchte er bald darauf den Amtsrath ganz allein und dachte ihn umzuſtimmen, doch er hatte ſich geirrt.„Sehen Sie, lie— ber Oheim,“ ſprach er,„in acht Tagen iſt, wie Sie wiſſen, mein Geburtstag, ich habe meinen Landsleuten einen brillanten Kommers bei dieſer Gelegenheit zugeſagt; in meiner Kneipe daheim iſt jedoch kein Raum für ein Duzend Gäſte. Erlauben Sie mir nur dies eine einzige Mal noch, meine Freunde auf Ihrem Gute zu bewirthen.“—„Ach ſo,“ erwiderte der Gebetene;„du hälſt mich für einen weichherzig ſchwachen Theater-Onkel, der ſich leicht breitſchlagen läßt. Das iſt aber ein grandioſer Error in caleulo. Nein, nichts da: es bleibt bei meinem Ausſpruch. Und damit Vaſta für immer!“
Schlimm, ſehr ſchlimm für den Akademiker, denn er hatte, im Vertrauen auf des Oheims Gutmüthigkeit, den Genoſſen ſein Ehrenwort gegeben, daß er ſie an jenem Tage draußen auf des Oheims Gute mit einem famoſen Kommers erfreuen wolle und hielt ſich verpflichtet, ſeine Zuſage zu verwirklichen. Aber wie war das nun zu machen? Es kam darauf an, die gegebenen Verhältniſſe ſcharfſinnig auszubeuten.
Bei dem Nachſinnen kam Julius auf eine Idee, die in kluger Aus führung einen günſtigen Erfolg hoffen ließ.„Was uns aus dem Hauſe entfernt hat, muß uns auch wieder in das Haus bringen!“ ſprach er.„Zwar wird der Oheim barbariſch aufbrauſen, aber ſein Zorn iſt weder von Dauer noch von in— nerer Geltung, ſein natürliches Wohlwollen dringt ihm ſicher bald die Verzei— hung ab und am Ende lacht er ſelbſt über den luſtigen Streich!“— und ſo ſchritt er denn zur Bethätigung ſeines Ein falls. Vernehmen wir das Wie? von dem alten Herrn ſelbſt, der ſeinen Bruder am Tage nach dem bewußten Ge— burtsfeſte des Neffen das Nähere in einem Briefe meldete:
„Nein, es iſt zu arg, iſt unerhört,“ berichtete er,„ich ſage mich für im— mer von deinem Sohne, dem Taugenichts, los, ſtreiche ihn in meinem Teſtament aus wie in meinem Herzen. Er will ſein Wiegenfeſt bei mir mit Halloh feiern, ich ſchlage ihm die Erlaubniß dazu aus den Gründen ab, die ich dir bereits mit—


