Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
338
 
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Gelegenheit jedesmal eine moraliſche Vorleſung, konnte aber ſelbſt nicht immer als Doctor legens das Lachen verkneifen, weil das luſtige Treiben ihn im Grun de ergözte. Des halb legte ſich aber auch der Neffe, der, bei ſeinem Scharfſinn, die Prinzipien des Oheims bald ausgefunden hatte, wenig oder gar keinen Zwang auf. So geſchah es denn, daß er den Onkel Amtsrath auf ſeinem Gute recht oft beſuchte und zwar ſtets in Geſellſchaft mehrerer guten Freunde, welche ſich ihm aus Sympathie für Lebensgenuß anſchloſſen. Die Zahl der Begleiter ſtei⸗ gerte ſich von Woche zu Woche, ſo auch ihr Appetit, ihr Durſt, ihre Fröhlich keit, die immer zwangloſer und lärmender ward, wogegen die Zeiträume zwi⸗ ſchen den Heimſuchungen immer kürzer wurden. Dieſe Gelage führten dem alten Herrn manche Unannehmlichkeit herbei, indem ſie ſeine gewohnte Ruhe ſtörten und namhafte Koſten verurſachten. Auch gingen bei dem Hausherrn manche Kla gen über ärgerliche Nekereien der Hausgenoſſen durch die Gäſte ein. So hatten die Studenten der Wirthſchaftsmamſell, die oft an Schlafloſigkeit litt, an einem Abend im Wonnemond eine bedeutende Anzahl von Maikäfern in ihr Schlaf⸗ kämmerlein ſpedirt, welche ihr die Nacht hindurch eine Chariwari ſummten, bei welchen ſie den Gegenſaz von Wonne genoß. Julius, der erfahren, daß Mam ſell Apollonia ſich bei dem Oheim über ſeine Soireen beſchwert hatte, entſchul⸗ digte, als der Amtsrath ihm hierüber den Text las, ſeine Kommilitonen damit, daß ſie der ſchlafloſen Jungfrau einen Liebes dienſt zu erweiſen geglaubt hätten, indem ſie ihr bei der Nachtwache eine zeitkürzende Abwechslung verſchafften. On kelchen ſchalt offiziell, lachte aber innen über den tollen Streich und die Defen ſion des ſchlauen Neffen.

Aber es kamen auch mitunter Dinge vor, wobei ihm das Lachen verging. So machten ſich zum Beiſpiel die muntern Gäſte auch über ihn ſelbſt und ſeine bei ihm wohnende Schweſter Suſanne in ſeiner Gegenwart luſtig, daß er und ſeine bejahrte Schweſter ſich nicht nach der neueſten Mode kleideten und drangen ernſthaft in ihn, ſich einen Makintoſh und Suſannen einen Kaſaweika nebſt Krispine zu beſtellen; aber die Geſchwiſter gefielen ſich in den Gewändern der guten alten Zeit und hörten ſich mit Verdruß als Philiſter beſpöttelt. Der ſchlimmſte Uebelſtand aber war folgender: Seit der Jugend des Amtsrat he, als einſtmals der Bliz in einen Baum neben ihm geſchlagen und ihn ſelbſt ohn mächtig zu Boden geworfen hatte, überffel ihn bei jedem Gewitter eine unüber⸗ windliche Aengſtlichkeit; während des Donners mußte es im ganzen Hauſe ſo mäuschenſtill ſein wie im Grabe und der ſonſt gebietende Hausherr verwandelte ſich in einen armen Sünder, der, ſo lange es in den Höhen rollte, den Kopf in die Bettkiſſen ſtekte und daraus nicht eher auftauchte, als bis man an Eidesſtatt verſicherte, daß Alles vorüber ſei. Die akademiſchen Bürger ließen ſich aber bei ihren Kommercen in ſeinem Hauſe durch ſolche Kleinigkeiten wie ein Donnerwet ter nicht ſtören, ihr Treiben war im Gegentheil noch geräuſchvoller als ſonſt. So zog einſtmals an einem ſchwülen Sommerabend ein wohl-konditionirtes Ge witter herauf, während die Akademiker in ſeinem Saale fröhlich und überlaut waren; es ſchien ein Wettſtreit zwiſchen der Geſellſchaft und dem Donner zu ſein, wer mehr Getöſe machen könne; da ließ der Amtsrath in ſeiner Herzens⸗ augſt die Gäſte beſchwören, ihrer Luſt Sordinen aufzuſezen, aber die Humori⸗ ſten entgegneten kek: der Herr Amtsrath ſolle nur zu ihnen kommen, mitſingen