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der Tarif des Oetrois die Eingangsge— lühr eines Spanferkels auf 50 C. feſt— ſezt. Dieſes gab vor einigen Tagen zu einem ziemlich ſpaßhaften Abenteuer An— laß: Um dieſer Gebühr von 50 C. zu entgehen, hatte ein Dorfbewohner ſei— nem Spanferkel die Kleidungsſtüke ei— nes kleinen Kindes angezogen; nichts fehlte an dieſer Toilette vom Kamiſol bis zur Müze, ſo daß das kleine Thier das Anſehen eines ſauber gekleideten Säuglings hatte. Die gute Bäuerin ſchikte ſich an, in die Stadt zu gehen, indem ſie das unſchuldige Geſchöpf zärt— lich an ihren Vuſen drükte, als plöz— lich ein beſonderes Geſchrei und ein ver— dächtiges Quaken die Aufmerkſamkeit der Octroibeamten rege machte; einer dieſer Herren näherte ſich, hob die Stül— pe an der Kappe in die Höhe, welche dem Säugling über die Augen hing, und bebte vor Entſezen zurük, als er ein Kind erblikte, deſſen Geſicht auf eine ſo monſtruöſe Weiſe von dem menſchli— chen Antliz abwich. Als die Bäuerin ſah, daß ihre Liſt vereitelt war, ſtimmte ſie mit den umſtehenden Perſonen in ein Lachen ein und entſchuldigte ſich höf— lichſt, indem ſie die Eingangsgebühr die— ſes Kindes neuer Art entrichtete, das vermuthlich Niemand mehr durch ſein ungelegenes Geſchrei verrathen wird.“ — Ein Pariſer Blatt erzählt:„Die neulich zu Gunſten der Polen gegebene Vorſtellung von Flottow's Oper trug 30,000 Franken ein; dagegen verſichert man, für Koſtüm, Orcheſter, Proben u. ſ. w. ſeien von den Theilnehmern an dieſem guten Werke etwa 100,000 Fran— ken ausgegeben worden. Dabei kann man ſich kaum der Bemerkung erwehren, daß, hätte man einfach Gutes gethan, ſtatt das Gute mit etwas Prunk zu thun, den Würdigen, zu deren Gunſten die Aufführung der Oper gegeben wur— de, 100,000 Franken geſchenkt worden wären, während ſie jezt nur 30,000 er—
halten.“— Einer der hieſigen Gerichte höfe wird in dieſen Tagen darüber ent— ſcheiden, ob Türken in dem Gerichtsſaal den Turban abnehmen müſſen, indem ein Türke, welcher als Zeuge eingela— den war, und den die Gerichtsdiener bei dem Eintritt zum Abnehmen des Turbans zwingen wollten, es vorzog, ſich wieder nach Hauſe zu verfügen. London. Der hieſige Verein der Inhaber von Kaffe- und Speiſehäuſern feierte vorgeſtern in der London Ta— verne ſein drittes Jahresfeſt durch ein treffliches Diner, dem über 200 Mit— glieder beiwohnten. Das Unterhausmit— glied, Hr. Ewart, führte den Vorſtz. Er brachte, nach andern Toaſten, auch den auf die künftige Wohlfahrt des Vereins aus, wobei er bemerkte, daß vor noch nicht 30 Jahren das erſte ei— gentliche Kaffehaus in Lon don eröffnet worden ſei, während jezt die Zahl der Kaffe- und Speiſehäuſer bereits über 2000 betrage. Auch ſei insbeſondere die journaliſtiſche Literatur dieſen Inſtituten jezt ſehr verpflichtet, da es Kaffehäuſer gebe, wo 50 verſchiedene Blätter gehalten würden. Der Sekretär verlas hierauf den Vereinsbericht, der ſehr befriedi— gend lautete. Er zeigte an, daß der Verein ſchon im nächſten Juli im Stan— de ſein werde, Penſionen auszuſezen, daß derſelbe jedoch den Gedanken, ein eigenes Abendblatt auf ſeine Rechnung herauszugeben, in Folge eines mit den Eigenthümern des„Globe“ getroffenen Uebereinkommens habe fahren laſſen. Die Eigenthümer dieſes Blattes hätten nämlich eingewilligt, zu dem Wohlthä— tigkeitsfond jährlich 150 Pfd. St. bei— zuſteuern, wenn derſelbe die Cirkulation des Blattes im Beitrage von 400 Exem— plaren vermehre, und für jede weitere 200 Exempl., die es an Mitglieder des Vereins abſeze, die gleiche Summe von 150 Pf. St. zu entrichten. Der Vorſi— zende brachte hierauf der„Londoner u.


