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Mimen und über ſeine Stellung in der Kunſtwelt; herzlich gerne ſtimmen auch wir ein in das allgemeine Lob— denn gleich das erſte Erſcheinen ließ uns den denkenden Künſtler, den vollendeten Schauſpieler in der wahren Bedeutung des Wortes erkennen. Sein Hamlet war ein ganz dem Shakſpeare'ſchen Nieſen— geiſte entſprechendes Charaktergemälde; jede Bewegung ſchien ſorgſam überdacht, jede Rede mit richtigem Ausdruke vor— getragen; die Szene mit dem Geiſte, das überraſchende:„geh' in ein Kloſter, Ophelia!“ das weltberühmte:„Sein oder Nichtſein“, die Szene mit den Schauſpielern— ja fürwahr wir wüß— ten nicht, welcher wir den Vorzug ein— räumen ſollten und dieſes Embarras iſt natürlich, wenn wir angeben, daß ſich das ganze Kunſtgebilde wie aus einem Guße vollkommen herausſtellte. Oftma— liges Hervorrufen gab den Beweis einer allgemeinen Anerkennung der beachtens— werthen Leiſtungen dieſes trefflichen Künſtlers, deſſen ferneren Gaſtſpielen wir mit Intereſſe entgegenſehen. Eine vorzügliche Ophelia war Mad. Kalis— Padjera.— Noch ſind die Herren Berg und Dietrich mit Lobe zu erwähnen.— Bei ſeinem zweiten Gaſtſpiele gab Hr. Rott den Walter, in Dr. Raupach's: „Bettler“ und den Glittern im„rei— chen Mann.“ Raupach's einaktiges Dra⸗ ma gehört in die Klaſſe jener Rühr— ſpiele, die, ohne auf höhern Werth An— ſpruch zu machen, blos Epiſodenſzenen bietend, bei weichen Herzen den Augen einige mitleidsvolle Thränen entloken ſollen. Walter iſt die Titelrolle und wurde von Hrn. Rott mit einer Lebens— wahrheit und treuherzigen Gutmüthig— keit dargeſtellt, daß das„Etwas für meine Armen!“ oft bei den kontraſti— rendſten Szenen, ſo ergreifend fleyent— lich vorgebracht, ſeine Wirkung nie ver— fehlte.— Trefflich waren auch Olle.
Müller(Klara) und Hr. Berg(Hu⸗
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bert).— Als Kommerzienrath Glittern, in dem zweiten der obbenannten Stüke gabder geſchäzte Gaſt einen Beweis ſeiner Vielſeitigkeit, ſeines tiefen Charakter— ſtudiums. Es war ganz der in ſeinen Geldſäken hungernde, unzufriedene, rei— che Mann mit dem armen Herzen, wie ihn ſich der Dichter gedacht, und wie— der, wie launig, friſch und lebensfroh nach überſtandener Waſſerkur! Stürmi— ſcher Veifall u. oftmaliges Hervorrufen lohnte jede Leiſtung.— Hr. Dietrich gab den Waſſerdoktor wieder ganz köſt— lich; Auguſt war Hr. Kalis und über— flügelte wieder ſeinen Vorgänger in die— ſer Rolle.— Hr. Roſenſchön ſpielte ſehr wahr und wirkungsvoll.— Hr. Thoméèé war befriedigend in ſeiner un— dankbaren Rolle. Die liebenswür— digſte Erſcheinung war Dlle. Müller, durch ihre unſch uldsvolle Naivität Aller Herzen gewinnend.— Das Theater war voll.
Semper idem. Mailand. Man lieſt im„Echo“: „Es iſt nun mehr als ein Jahrzehend, als ſich ein Paar Abenteurer, von dem Maeſtro Cordella auf die Bühne des k. k. Theaters alla Cannobjiana einge⸗ führt, herumtrieben; ſie machten wenig Glük. Nicht zu begreifen iſt es, wie es der Unternehmung der Scala beifallen konnte, dieſe Jammergeſtalten jezt wie— der aus wohlverdienter Vergeſſenheit zu beſchwören u. ſo der Frühlings-Fiaschi⸗ Sammlung einen neuen Zuwachs zu be— reiten.— Mad. Alberti war verurtheilt, in dieſem Machwerke die Rolle der Pri— madonna zu geben; in dem Vortrage der Cavatine wußte ſie ſich dennoch klat— ſchende Anerkennung zu erwerben; dies war der einzige Lichtpunkt am ſtürmi⸗ ſchen Horizont. Die beiden Galli ſan⸗ gen diesmal nicht— ſie krähten.“
Mignon Zeitung Potpourri aus Paris. Man lieſt im„Courrier du Pas-de-Calais“: „St. Omer, 22. April. Man weiß, daß


