324 verliebte ſich in ein Mädchen, das ihn hinterging. Darüber gerieth der junge Sohn Padua's in große Verzweiflung, beſchloß, den Eitelkeiten dieſer Welt und dem Raſiren zumal Lebewohl zu ſagen, und trat in ein Kapuzinerkloſter. Seine freie Zeit verwandte er hier darauf, Hydraulik gründlich zu ſtudiren, und war gerade Willens im Hofe ſeines Kloſters einen mechaniſchen Brunnen nach ſeiner Erfindung bauen zu laſſen, als die Franzoſen Rom beſezten. Das Kloſter, dem Giovanni angehörte, ward aufgehoben, der arme Kapuziner mußte zu ſeinem alten Handwerk greifen, und ſich den Bart abſchneiden, und wanderte dann in Begleitung von Meſſern und Beken nach Holland. Ein unbequemer Geſellſchaf— ter, der Mangel, verließ ihn dort nicht. Er ſchiffte nach England über, aber in
England ließen die Dampfmaſchinen dem Italiener keine Hoffnung, liſchen Verſuche würden Anerkennung finden,
ſte treiben,
ſeine hydrau— und ſo mußte er gymnaſtiſche Kün—
wo ihm ſein günſtiges Geſchik Salt zuführte. Als dieſer mit ſeinen Schüzlingen in London angekommen war,
führte er
Belzoni zu dem Direktor von Aſtley's Cirkus. Dieſer erkannte gleich, welchen
Vortheil er aus des
Paduaners Goliathgliedern ziehen könne. Er ließ eigens
für ihn ein Stük:„Die zwölf Arbeiten des Herkules“ ſchreiben, und Salt der auf ſeinen Schultern und Armen „über denen ſeine Frau, als Cupido gekleidet, eine rothe (Beſchluß folgt.)
konnte darin Giovanni Belzoni ſehen, zwölf Männer trug Fahne ſchwang.
Anſichten. Urtheile. Begebniſſe.
Theater.
Pe ſſt h.(Olle. Lutzer, ale Amina.— Hr. Rott, als Ham⸗ let dc.) Bellini's wunderherrliche Semi— ſeria:„die Nachtwandlerin“, mit ihren beſtrikenden, ſüß ſchmeichelnden Melo— dien bot in dem Parte der Amina un— ſerem liebenswürdigen Gaſte Gelegen— heit, den Freunden der Kunſt und na— mentlich den Verehrern italieniſcher Mu— ſik einen Abend voll Genuß, voll Ent— züken zu bereiten. Olle. Lutzer wählte ſich in dieſem Parte ein treffliches Vor bild, die hochgeprieſene Tadolint, eine Geſangs-Celebrität, an deren echt italiſche Geſangsmethode ſich die liebliche, wei— che, zum Herzen ſprechende Stimme mit ihrer bewundernswerthen Volubilität, wit ihren bezaubernden Rouladen auf die effekt vollſte Weiſe ſchmiegt. Das Pu— blikum ſpendete der Olle. Lutzer en⸗ thuſtaſtiſchen Beifall, u. beſonders bei
dem ſchönen effektvollen Finale:„Ah non giunge!“ mit jenem freudenvollen, unnachahmlichen Gefühlsausdruke:„mi abbraccia!““— welches die Künſtlerin mit italieniſchem Texte ſang— wollte das Forarufen nicht enden; die Wiederho— lung wurde unter ſtürmiſchem Applauſe verlangt. Wir müſſen bedauern, daß an dieſem Abende das übrige Enſemble ſo gänzlich unter die Mittelmäßigkeit her— abſank.— Hr. Steiner(Elwin) ließ im Geſange ſo Manches, im Spiele Alles zu wünſchen übrig; Hr. Hirſch(Rudolf) verwendete mehr Sorgfalt auf das Agi⸗ ren mit der Reitgerte, als auf ſeinen Vortrag; Chöre und Orcheſter ſchwank— ten.— Ein zweiter, höchſt bedeutender Gaſt, der k. preuß. Hofſchauſpieler, Hr. Moritz Rott, eröffnete am 16. d. M. als Hamlet den Cyklus ſeiner Gaſtrol— len. Wahrlich, die oft nur zu geſchwä— zige Journal fama hatte nicht zu viel gepoſaunt über die Leiſtungen dieſe—


