Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
323
 
Einzelbild herunterladen

323

Salt auf die Reiſe. Während ihrer Fahrt erzählte der Italiener ſeinem Wohl thäter von ſeiner Jugend und ſeinen Schikſalen. Zu Vadua geboren, und der Sohn eines Varbiers, der außer ihm noch dreizehn Kinder hatte, fand Giovanni Vatiſta Belzoni von frühſter Jugend an, das größte Vergnügen an Erzählungen von fremden Ländern und weiten Reiſen, mit denen ihn ein alter Invalide ver ſorgte, der im Rufe ſtand, früher das einigermaßen geſezwidrige Handwerk eines Seeräubers getrieben zu haben. Der kleine Kopf des angehenden Figaro träum te von nichts als Schiffen, Landungen und Abenteuern. Robinſon Cruſoe war das Buch, in dem er leſen lernte, und auch dieſe Lektüre wirkte ſo lebhaft auf ihn ein, daß er zulezt den Entſchluß faßte, eine Reiſe um die Welt zu machen. Um dieſes ſein Vorhaben zu vollführen, ging er mit ſeinem jüngſten Bruder, dee dieſe Expedition mit ihm unternehmen wollte, heimlich auf und davon, und die Beiden wanderten bis zur Einſiedelei von Ortono in der Nähe der Heilquel len von Albano. Als ſie ſo rüſtig ihres Weges fortſchritten, bemerkten ſie zwei Kaufleute, die auf derſelben Straße wanderten; ſie fragten die Knaben, ob ſie nach Ferrara wollten, und als Belzoni, obgleich er in ſeinem Leben nur flüchtig von dieſer Stadt hatte reden hören, gleich bejahend antwortete, ſo boten ihm die Kaufleute mit ſeinem Bruder Pläze in ihrer Kutſche an, bis zu jener Stadt. Der erſte Tag ihrer Reiſe behagte ihnen trefflich; ſie ſaßen in einem bequemen Wagen, und wurden gehätſchelt und geliebkoſt. Aber am folgenden Morgen blie ben die Kaufleute, die ihres Gewerbes herumziehende Kleiderhändler waren, in einem Dorfe, wo ſie guten Abſaz für ihre Waaren fanden, und ließen die bei den kleinen Abenteurer ihren Weg allein fortſezen. Belzoni und ſein Bruder gingen nun wieder heiter und ſorglos, wie Tags zuvor, zu Fuße weiter, und grüßten die Leute in jedem Wagen, der an ihnen vorüberrollte, in der Hoff⸗ nung, es würde ihnen dieſelbe Gaſtlichkeit wieder zu Theil werden. Aber Nie⸗ mand achtete auf ſie, und ſo entſchloß ſich Giovanni, der von Muhammed gele ſen hatte, wie jener zu einem Hügel gegangen ſei, da der Hügel nicht habe zu ihm kommen wollen, endlich auch zu dieſem Auskunftsmittel zu greifen, er re dete alſo einen Vetturino an, und fragte den, ob es ihm nicht genehm ſei, zwei Kindern in ſeiner leeren Kutſche Plaz zu machen. Der Vetturino ließ ſie als bald einſteigen, und Giovanni war hoch erfreut über die Gutmüthigkeit des Fuhrmannes, als der Wagen ſchon in das Thor von Ferrara fuhr. Hier hoffte er noch von deſſen Milde noch ein Abendeſſen, ſtatt deſſen aber verlangte der Vetturino Geld. Giovanni antwortete verwirrt, er habe keines. Da nahm der Elende den Kindern faſt alle ihre Kleidungsſtüke, und ließ ſie halb nakt in den Straßen einer fremden Stadt. Vel zoni wollte dennoch ſeine Wanderſchaft fort ſezen, aber ſein Bruder Antonio fing an zu weinen und zu ſchreien, bis Gio⸗ vannt, um ihn nur zur Ruhe zu bringen, ihm verſprechen mußte, ſie wollten am andern Morgen ihren Rükweg nach Padua antreten. Darauf ſuchten ſie un ter dem Portale eines Pallaſtes eine Schlafſtätte, und ſchlugen am andern Mor gen wieder die Straße ein, die nach ihrer Vaterſtadt führte; Brod, ihren Hun ger zu ſtillen, erbettelten ſie von mitleidigen Wanderern, denen ſie begegneten.

Die harte Züchtigung, welche Giovanni für dieſen ſchönen Anfang ſeiner Fahrt um die Welt erhielt, vermochte ſeine Luſt am Reiſen nicht zu verſcheu chen. Als er achtzehn Jahre alt geworden, ging er mit ſeinem Barbierzeug un⸗ ter dem Arm nach Nom, übte dort ſein Handwerk mit großem GewinnLund