Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
316
 
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einem Hute nehmen, wenn die Perſon vor ihm ſteht. Auch mit dem Wuchſe muß

der Hut harmoniren. Der Hut kann die Fehler der Dikköpfigkeit, verdeten. Iſt der Kopf im Verhältniß zum Körper ſehr

Langgeſichtigkeit u. ſ. w.

groß, muß ihn der Hut ſcheinbar verkleinern;

Knurzigkeit,

im Gegentheil vergrößern. Das

ſarkaſtiſche Geſicht Voltaire's bedurfte einen hohen Hut mit breiten Rändern.

Für ein Geſicht mit ſehr langen Geſichtswinkeln eval geſchnitten ſein. Mein nach Anleitung der

muß der Vortheil des Hutes von mir aufgeſtellten Theorie

verbeſſerter Hut ſteht ſomit einerſeits durch ſeine ganze Form mit dem Geſſcht in

Proportion, anderſeits iſt er Leicht, lichen Falls, wenn man ihn in der

ne Paar Ideen, für ſo richtig ich ſie halte,

weich, elegant gebaut und macht erforder Hand führt, eine ganz graziöſe

Figur. Mei⸗ haben freilich nicht den Werth, als

ob der Hut von Neuem erfunden ſei; man wird mir aber hoffentlich die Aner

kennung nicht verſagen,

daß er dadurch veredelt worden. Hat es denn gar nichts

auf ſich, wenn man einem Gewerbe, das nachgerade alt und ſtumpf wird, ein Bischen neues Leben gibt? Hat es denn gar nichts auf ſich, wenn man Geſichter ein Bischen hübſcher macht, die nichts weniger als ganz hübſch ſind?

Jay, Hutmacher.

Jay, Hutmacher! Wie großartig einfach! Er erbarmt ſich des geiſtlo ſen Einerleis der Hüte und ſucht wieder Geiſt und Leben und Charakter in die ſes charakterloſeſte Kleidungsſtük zu bringen. Das iſt wahrhaftig reſpektabel und kein Menſch wird dem edeln Hutmacher die gebührende Anerkennung verſagen.

Anſichten. Theater.

Peſt h.(Zweites Gaſtſpiel der Dem. Jenny Lutzer.)Sie zog mein Leben in ihres hinein ich habe nun nichts mehr lebendig zu ſein! ſo rief mit Goethe ein Kunſtent huſiaſt, als er die Pamira, in RoſſinisVela⸗ gerung von Korinth von der Silber ſtimme der Lutzer gehört. Wenn gleich zugegeben werden muß, daß ſie in ihrer erſten Gaſtparthie, als Adina, weit vor züglicher, weit hinreißender war, ſo muß man doch auch geſtehen, daß, was Schönheit des Geſanges, Leichtigkeit der Koloratur betrifft auch dieſer Part viel Herrliches und Gediegenes aufzuweiſen hatte. Wir wollen über den erſten und dritten Akt unſern Enthu ſiasmus etwas mäßigen, aber über den zweiten können wir uns nicht mehr hal ten. Die große Fioriturenarie deſſelben

Urtheil

e. Vegebniſſe.

mit jenen beſtrikenden Trillern welch herrliches Tongemälde bildet ſie! Woll⸗ ten wir als begeiſterter Referent unſere Feder in die Farbe des Regenbogens tauchen u. unſer Referat mit dem Gold ſtaube von Schmetterlingsflügeln be ſtreuen: ſo würde dieſes doch nur einen matten Abglanz des größten Triumphes des herrlichſten Organes geben. Stür miſch unterbrechender Applaus, Hervor rufungen bei offenem Vorhange u. nach den Aktſchlüſſen lohnten die Künſtlerin. Hr. Heim(Kleomenes) erwies ſich an die ſem Abende als wahrer dramati ſche r Sänger, der durch deklamatoriſchen Vor trag zu effektuiren weiß; auch ihm wur den häufige Beifallsſpenden zu Theil. Hr. Steiner(Neokles) war nicht ganz bei Stimme. Den Mahomet ſang Herr Hirſch wieder mit Geltendmachung ſei ner markigen Stimme. Das übrige En ſemble ging mit lobenswerther Präzi