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ſie wohl zum Dank, daß ſie bei Eurem Feuer es gefunden— Euch in das Ge— wölbe führen. Nehmt dann ſo viel Ihr könnt, und theilet redlich mit dem ar— men Apotheker— gute Nacht!“— Der Kleine wikelte ſich in ſeinen Mantel, und war bald in tiefen Schlaf verſunken, nicht ſo ſein Gefährte— die Nacht war kalt, er blieb ſizen und unterhielt das Feuer. Es mochte um Mitternacht ſein, da raſchelte es in dem dürren Reiſig, das die Vorſorge des Apothekers für das Feuer geſammelt hatte, und eine kleine, ſehr kleine Perſon näherte ſich furchtſam dem Feuer. Es war ein Weib, ſehr ſchlecht gekleidet, ſie trug ein Bündelchen auf dem Rüken. Als ſie nahe am Feuer war, blikte ſie um ſich, da ſie aber nur den ſchlafenden Apotheker bemerkte, wurde ſie kühner und ſtellte ſich dicht an die Glut. Der Andere, dem die Erzählung vom vergangenen Abend lebhaft im Sinne war, ſtarrte mit Furcht und Entſezen auf das kleine fremde Weſen, wie es ſo am Feuer ſtand; ihr Geſicht, von tauſend Runzeln gefurcht, ſchien ihm wohl 300 Jahre alt ſein zu können, ihre kleinen, ſchwarzen Augen ſchienen etwas zu ſuchen, und jezt— ja wahrhaftig, ſtrekte ſie die Hand aus, als wolle ſie einen Feuerbrand aus der erlöſchenden Glut nehmen. Ja es war ſie, es konnte Niemand Anders ſein, es war die Unglükliche, die das Papier ſuchte. Endlich ermannte er ſich, ſprang auf, und rief:„Wer biſt du?“— „Jeſus Maria,“ rief die Kleine, fiel auf die Knie und betete. Der Apotheker, der ſchon lange nicht ſchlief, brach in lautes Gelächter aus,„Bravo!“ rief er, „daß freut mich, das iſt ein köſtlicher Spaß, Ihr fürchtet Euch Eins vor dem Andern.“—„Wer iſt denn das kleine Weibchen?“ fragte ſein Begleiter.—„Es iſt,“ ſprach der Apotheker,„ein Verggeiſt, den ich ſeit vielen Jahren kenne, dem ich bei meinen botaniſchen Wanderungen immer begegnet bin, der mir hilft Kräuter ſammeln, der mir zeigt, wo ich ſuchen ſoll. Es iſt eine arme Dorf bewohnerin, die einige Kenntniß der heilſamen, Kräuter u. Wurzeln hat, und durch das Ein— ſammeln derſelben ihren Unterhalt verdient.— Der kleine Verggeiſt wurde bewir— thet, erhielt einen Plaz am Feuer, leerte ſein Bündelchen, deſſen Inhalt der Apotheker bezahlte, und trennte ſich am Morgen mit Dank und Segenswün— ſchen von den Wanderern, die noch lange mit Lachen des Berggeiſtes dachten. Agnes.
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Moden und Trachten.
Unter dieſem Titel hat H. Hauff„Fragmente zur Geſchichte des Koſtüms““ bei Cotta erſcheinen laſſen, welche eine feine Beobachtungsgabe, liebenswürdige Humoriſtik in Charakteriſirung der Kleidung und Bekleideten zu einer ſehr er— gözlichen Lektüre machen. Beſonders intereſſant ſind die Eintheilung der„Ele- gans“ und die Hutreformations-Pläne des Pariſer Hutmacher Jay, welche mit— getheilt werden. Lezterer ſagt unter Anderem:
„Meine Verbeſſerung bezieht ſich auf das gegenſeitige Verhältniß, das zwi— ſchen dem gutgekleideten Mann und ſeinem Hut, zwiſchen dem Hut und den Geſezen des Anſtandes beſtehen ſoll, auf Grundſäze zurük. Für jeden Kopf gibt es einen beſondern Hut in Form und Faſſung. Der Hut muß ein Abbild der Phyſiognomie ſein. Der Hutmacher muß für jeden Einzelnen einen beſondern Hut nach der Phyſiognomie komponiren. Der Künſtler kann aber nur dann Maaß zu


