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ſon zuſammen. Das Haus war ziemlich voll. Semper idem.
Berlin. Gutzkow's„Richard Sa— rage“ iſt nun auch in Berlin auf der Hofbühne zur Aufführung gekommen. Der Dichter war ſelbſt dort anweſend, um die Probe zu leiten. Das Stük fand lebhaften Beifall; Gutzkow wurde am Schluß gerufen, erſchien aber nicht, ſon— dern ließ ſich durch Seydelmann(Steele) vertreten. Savage wurde von Devrient. Lady Wacclesfield von Mad. Crelinger (Stich) dargeſtellt. Die preuß. Staats— zeitung enthält eine ſehr günſtige Veur— theilung des Stükes. Wenn man ſich erinnert, wie vor wenig Jahren noch das Interdikt gegen die literariſchen Be— ſtrebungen Gutzkow's u. des ſogenann⸗ ten„jungen Deutſchlands“ von Vreu— ßen ausging, wird man das Tempora mu— tantur auch hier ſehr anwendbar finden!
Stuttgart. Am Oſterſonntage trat hier eine franzöſ. Sängerin, Mad. Du lot-Maillard, welche in unſerer Stadt den erſten Anhaltspunkt auf einer Kunſt— reiſe durch Deutſchland macht, in einem zahlreich beſuchten Konzerte auf. Ihre ſchöne, klangvolle Stimme u. ihre treff— liche Methode fanden einen Beifall, wie ihn unſer Publik um ſonſt ſelten zu ſpen— den gewohnt iſt.
Literatur.
Peſt hy.„Weiland Joſ. Em. Hil⸗ ſchers Dichtungen.“ Ueberſe— zungen aus Byron, Moore de. de. Herausgegeben mit einem biographi— ſchen Vorworte v. Ludwig A u⸗ guſt Frankl. Mit dem Portraite des Dichters. Peſth. Verlag von Guſtav Heckenaſt. 1840.
Mit der Anzeige dieſes Buches ma— chen wir auf eine der intereſſanteſten Erſcheinungen in der neueſten belletri— ſtiſchen Literatur aufmerkſam, denn noch ſelten haben alle gewichtigen kritiſchen Stimmen in ihren Lobeserhebungen ſo Chorus gemacht, wie es bei Hilſchers
Dichtungen der Fall iſt. Durch das Vor— wort des würdigen Herausgebers lernen wir den Stand, Charakter u. die Schik— ſale des Dichters kennen, und jeder Le— ſer wird eingeſtehen, daß dieſe Details eben ſo merkwürdig ſind, als ſie unſere Theilnahme in höchſtem Grade in An— ſpruch nehmen. Hilſcher nahm eine Stel— lung in der Geſellſchaft ein, in der man das nicht ſucht, was ſein herrli— ches Talent geſchaffen; er lieferte aber zugleich den Beweis, daß keine Feſſeln den Genius hindern können, in ſeinem ſchönſten Glanze, in ſeiner vollſten Ge— diegenheit an das Tageslicht zu treten. Unſer Dichter war nicht viel mehr als gemeiner Soldat(er ſtarb als Feld— webel am 2. Nov. 1837);„der gemei— ne Soldat,“ ſagt der Herausgeber in dem Vorworte,„konnte nicht aus der Fronte heraustreten, und der gleichge— formte Czako verdekte den blizenden Genius wie andere gewöhnliche Köpfe.“ — Aber„nicht das Exerziren, nicht das Flintenpuzen, nicht das Kommisbrod war ſeinem Aufſtreben ein unbeſiegbares Hinderniß.“— Hilſchers Dichtungen lie— gen vor une, und ſie athmen alle Ori— ginalität, ächten lyriſchen Schwung, poetiſche Begeiſterung u. techniſche Mei— ſterſchaft, ſo daß ſie ſich ungeſcheut den beſten Erzeugniſſen der erſten deutſchen Lyriker anreihen können. Und ſind ſchon die Originalarbeiten Hilſchers ſo preiswürdig, ſo vollendet, ſo ſind deſ— ſen Ueberſezungen eines fremden Klaſ— ſikers faſt eben ſo klaſſiſch wie das Ori— ginal. Vyrons Rieſengeiſt ſchwebt uns in dieſen deutſchen Worten eben ſo mäch— tig ergreifend vor den Sinnen, als drük—⸗ te er ſich in ſeiner Mutterſprache aus, und wir müſſen aufrichtig bekennen, daß uns noch keine Uebertragung des großen Britten ſo zugeſagt hätte. Glüklich iſt er auch mit der Wiedergabe einiger Poe⸗ ſien andere Dichter, engliſcher, franzö— ſiſcher u. italieniſcher Zunge, von Moo—


