Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
303
 
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kaniſchen Armee oft Heilkünſtler der ba rokſten Art. Barbiere und Pfuſcher ex perimentirten an den unglüklichen Kran ken, an Arzneimitteln fehlt es oft ganz, und Aderläſſe und Blutegel waren das Einzige, was die Soldaten zuweilen wieder herſtellte, meiſtens aber einem frühen Tode überlieferte. Hr. Vesz⸗ ter Sandor hat in lezterer Zeit auf dem Vaudeville-Theater in Paris eine Reihe von muſikaliſchen Produktionen erekutirt, welchen ein günſtiger Erfolg zu Theil geworden iſt, über den viele Pariſer Journale, wie der Temps, das Siecle, die Gazette muſicale, der Cou rier frangals u. ſ. w., ſich beifällig äu ßern. Die Geſellſchaft wird dieſer Ta ge, auf ihrer Rükreiſe begriffen, wie der nach Frankfurt a. M. kommen, und, wie man vernimmt, im Saale des Ho fes von Holland ſpielen.

Berlin. Der Staub, den der loſe Frühling in den Straßen und im Thiergarten umhertreibt, ſoll durch Er weiterung der Spreng-, Spriz- u. Löſch⸗ Anſtalten für den Sommer gedemüt higt

werden. Man will nicht blos unter den.

Linden und auf dem Wege nach Char lottenburg, ſondern auch die Spazir gänge des Thiergartens ſprengen. Das iſt löblich. O, fände dies auch ander wärts Nachahmung!

München. Ein drolliges Beiſpiel, wie ſehr heutzutage der Luxus und die Ausartung der dienenden Klaſſe über hand nimmt, ergab ſich wieder bei dem jüngſten Dienſtwechſel, indem eine Haus magd mit einer Kommode von Kirſch baumholz und einem großen Kleider hängkaſten in ihren neuen Dienſt ein ſtand. Die Zahl der ſich nach der Re ſidenzſtadt ſehnenden und drängenden Dienſtboten iſt außerordentlich.

Trieſt. Ein malendes Wunder⸗ kind leuchtet in Trieſt auf. Ein neun jähriger Knabe, Giuſeppe Gatteri, zeich net und malt die ſchwierigſten Gruppen

und Gegenſtände mit der größten Leich tigkeit. Nun gibt es ja wohl in allen Künſten Wunderk inder u. Virtuoſen.

Etwas von Allem. Direktor Carl gibt während des Sommers in den Theatern an der Wien und in der Leo poldſtadt lauter neue Stüke. Das Hydro-Orgengasmikroskop des Herrn Schuh, welches in Wien ſo viel Auſſe hen erregt, wandert nun nach Brünn. Kapellmeiſter Reuling reiſt nach Wien, wo er ſeine große Oper: nig Alfred im Kärnthnerthortheater dirigiren wird. Herr Wallner, der bekannte Imitator Raimunds, iſt Thea terdirektor geworden. Künftiges Jahr beginnt der Bau des Leopoldſtädtiſchen Theaters, mittlerweile vertritt eine Arena deſſen Stelle. Der Violinvir tuoſe L. Beriot reiſt dieſen Sommer wieder nach Wien. Ein beliebter Lo kaldichter arbeitet gegenwärtig an einer Parodie von Halm's;ein mildes Ur theil, die ſehr viel Gelungenes ver ſpricht. Der große muſikaliſche Re ferent einer Zeitſchrift, Carlo, dem A. Weillovsky in der eleganten Zeitung ein treffendes Prädikat beilegte, der große, weiſe Carlo ſagt über Bellinis Beatrice di Tenda ein großes, aber ſtrenges Wort; er nennt dieſe Oper un ter Anderm auch eine Martermuſik für die Sänger und auch für den Zuhörer, deſſen größte Qual die Langeweile iſt.Beatrice di Tenda langweilig! Hört, hört! Aber nicht nur für Zu hörer, auch für Leſer iſt Langeweile ei ne Qual, das werden alle Leſer bezeu gen, die je eine Nezenſion von Carlo geleſen. Alphonſe Karr ſagt:Die Herrſchaft Frankreichs iſt in drei konſti⸗ tutionelle Gewalten getheilt, die da hei ßen: Unbeſtändigkeit, Eitelkeit, Unwiſ ſenheit. An einem Franzoſen iſt dieſe Selbſterkenntniß auffallend. Man lieſt im Geſellſchafter:Die Frauen-Eman