Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
304
 
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zipation A auch nach Veſth gedrungen, wo die Damen in einem neu etablirten Damen⸗ Kasino Zeitungen leſen, Da men-Cigarren rauchen, dazu trinken u. Billard ſpieten. Nähnadel, Strik nadel, Feuerzange, Kochlöffel ſind der Geſell ſchaft verhaßte Dinge; wer ſich noch da mit abgibt, wird als unemanzipirt aus gelacht. So ſagt der Geſellſchafter, was ſagen aber die Peſther dazu? Be- ne trovato!

Lokal-Zeitung,

Theatraliſche s. Als neu engagirtes Mitglied wurde uns Demoiſelle Buchetmann in der Rolle der Leni in der auf unbegreſfli che Weiſe zu ſolchem Renommee gelangten Poſſe:der Poſtillion von Stadtl-Enzers dorf vorgeführt. Eine nette, angenehme äußere Erſcheinung, durch Befangenheit noch etwas in Feſſeln geſchlagener Humor, unver kennbares Talent dies waren die Reſultate des erſten Debuts der Dem. Buchetmann. Hr. Rott gab den Egydi recht munter, eben ſo waren Hr. Gäde und Hr. Zöllner mitunter recht komiſch, auch das ncue Balletperſonale befriedigt aber ich mag dieſe Poſſe mit den alten Vademetumsſpäßen doch nicht leiden.

Semper idem.

Die Eintrittspreiſe bei den Gaſtſpie len der beruhmten Sängerin Dem. Lutz er werden nun, wie wir vernehmen, denn doch, aber hoffentlich nur die erſten paar Male, erhoͤhet werden. Dem Lutzer erhält für jeden Abend 300 fl. C. M. Honorar.

Hr. und Mad. Kalis unternehmen zu Anfang künftigen Monats eine Kunſtreiſe nach Frankfurt am Maln.

Dobler ſpielte auf allgemeines Ver langen am 7. d. M. noch ein Mal im Ofner Theater, ſo daß er im Ganzen in Peſth und Ofen 20 Vorſtellungen gab.

Die ſpaniſchen Nationaltänzer hatten am 6. d. M. ihr Beneſiz im ungar. Theater, wobei ſich das Haus bedeutend füllte. Gege ben wurde AubersBallnacht. Die Tänzer machten im wahren Sinne des Wortes fu rore. Es iſt nicht nur die ESigenthümllich keit ibrer Produktionen, ſondern auch dieſe Grazie, dieſer Anſtand, dieſe Beweglichkeit, Geſchmeldigkett und endlich dieſe Mimit, die die höchſte Bewun erung erregen. Beſonders iſt es Dem. Manuela, die durch ihre Anmuth,

durch ihr hinreißendes Lächeln u. ihre ſchalk haften Geſten Alles für ſich einnimmt, und man muß geſtehen, daß dieſe Tänze zu den ſeltenſten Genüſſen gehören, die uns je hier geboten wurden. Großer Belfall ward ihnen zu Theil, der ſich am ſtürmiſchſten nach dem ſteyeriſchen Pasdedeux im 2. Akte geſtaltete. Wir rathen dem Publitum, die wenigen Vor ſtellungen, die noch ſtattſinden werden, ja nicht zu verabſäumen, denn ſo was Intereſ ſantes bietet ſich ſobald nicht wieder.

Benefiz.(ungar. Theater.) Künf tigen. Montag, den 11. Mal, wird, zur Ein nahme der hochgeſchäzten Künſtlerin Madame Lendvay, Gutzkows treffliche Tragödie: Richard Savage zum erſten Male in ungariſcher Sprache gegeben. Die Ueber ſezung iſt von Lukacs. Hr. Lendvay wirkt mit.

Muſikſchule. Sonntag, den 10. d., Vormittags, 10 uhr, findet die öffentliche Prufung der Muſikſchule des Hrn. Jock ſch, in der Walzuergaſſe, in dem Hauſezu den drei Grazien, 2. Stok, ſtatt, wozu alle Muſikfreunde höflichſt eingeladen werden.

Auszeichnung. Die k. Frei- und Hauptſtadt Ofen hat an Herrn Lud wia Dobler folgende Dankesurkunde erlaſſen: Wir Bürgermeiſter, subst. Stadteichter und Räthe der koönigl. freien Hauptſtadt Ofen, inverſtändlich mit der erwählten Burgerſchaft, in Erwägung ziehend, daß Herr Ludwig Dobler, Hoftunſtler Sr. Majeſtät des Ko⸗

nigs von Preußen, akademiſcher Künſtler der

konigl. Akademie zu Berlin, Inhaber der gro ßen goldenen Medaille für K unſt und Wiſſen⸗ ſchaft, zu Gunſten der im Lombard.-Vene zianiſchen Königreiche durch die Ueberſchwem mung des Meeres und mehrerer Fluſſe em pfindlich und ſchwer beſchädigten Mitbrüder, im bieſigen Theater eine Vorſtellung gab, und ſomit die Früchte ſeiner Kunſt auf dem Altar der Menſchheit großmuthig und zu dem Ende zum Opfer brachte, damit die hieſigen Ein wohner, die im Jahre l 1sgs aleichfalls das traurige Schitſal der Donau-Ueberſchwem⸗ mung traf, die zu jener Zeit von den Ein wohnern des Lomb. Vene zlaniſchen Königrei ches erhaltenen Spenden mit Dankgefuhl er widern konnen ſinden uns veranlaßt, dem gedachten Herrn Ludwig Dobler fur dieſe aroßmuthige und menſchenfreundliche Handlung, im Namen dieſer Stadt, den innig ſten Dank mit der Verſicherung zu ertennen zu geben, daß ſolcher ſelbſt bei unſern ſpäte⸗ ſten Nachkommen nie erkalten und nle erloö ſchen werde.

Modenbild. Uro. 19.

Paris, 25. April. Hut, Kapote und Klelder von Seidenſtoffen.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.