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So eben erfahren wir, daß Hr. Rott uns noch mit einer Wiederholung des „Richard“, wie mit der Darſtellung des„Macbeth“ beſchenken wird.
Mignon Zeitung.
Wien.(Saphirs Akademie im Hofburgtheater.) Am 3. Mai, um die Mittagsſtunde, fand Saphir's Akademie und humoriſtiſche Vorleſung, zum Vortheil des Inſtitutes der grauen Schweſtern u. der Blinden-Verſorgungs— anſtalt ſtatt, wozu demſelben auf aller— höchſte Anordnung das k. k. Hofburg— theater eingeräumt wurde. Die gegebe— nen Piecen beſtanden aus einer Früh— lings-Parabel:„Das Gewand der Er— de“, geſprochen von Hrn. Korn, aus einer Elegie, komponirt und geſpielt auf der Violine von Hrn. Ernſt, und begleitet auf dem Piano v. Hrn. Geiger, u. aus dem„Liede vom Frauenherzen“ vorgetragen von Julie Rettich, mit me— lodramatiſcher Begleitung der Harfe, des Horns, der Flöte und der Phishar— monika, komponirt von Hrn. Proch und ausgeführt von Melanie und Richard Lewy, den Hrn. Kayll u. Poſtpiſchel— dieſem folgte ein Duett aus„Torqua— to Taſſo“, geſungen von Dem. Lutzer und Hrn. Badiali, u. als Abtheilung: „Selbſtſtudien u. Dek lamationsprobe““, ſzeniſche Drollerie, vorgetragen v. Mad. Fichtner, den Herren Löwe, Lucas und Wilhelmi. Herr Moriani ſang hierauf eine Romanze aus der Oper:„Roſa— munda“ von Lillo; den Beſchluß machte eine humoriſtiſche Vorleſung von Sa— phir. Der Erfolg dieſer Akademie war ſowohl durch ihren Gehalt, als durch die Mitwirkung der ausgezeichnetſten Künſtler, ein ſehr erheblicher und bril— lanter, und obgleich man gewohnt iſt, von Saphir ſtets das Ausgezeichneteſte zu erhalten, und die Forderungen an ihn hochgeſtellt ſind, blieb dennoch das
Gegebene hinter der Erwartung nicht zurük. Vorzugsweiſe fand das„Lied vom Frauenherzen“ die beifälligſte und rauſchendſte Aufnahme, im faſt gleichem Grade die Elegie— auf der Violine, geſungen von Ernſt, und die hu— moriſtiſche Vorleſung, welche manches Zeitgemäße enthielt, u. reich mit Wiz— ſpielen, Sinnblüthen u. Bonmots-Bon⸗ bons bunt durchwirkt war. Alle Mit— wirkenden, ohne Ausnahme, wurden reich— lich mit Beifall ausgezeichnet, und na— mentlich Saphir in Mitten des Gedich— tes vom Frauen herzen und am Schluſſe der Akademie mehrmals enthu— ſiaſtiſch gerufen. Im Saale ſelbſt, der troz der hohen Preiſe gedrängt voll war, hatte ſich die Elite der Reſidenz verſammelt. Saphir hat ſich durch die Veranſtaltung dieſer Mittagsunterhal— tung, welche zum größten Theil aus Blüthen ſeines Geiſtes beſtand, mit welchen er, wenn es ſich um das Wohl der Bedrängten handelt, niemals kargt, ein neues Blatt in den Kranz ſeiner Verdienſte um die Armuth geflochten. J. M. die Kaiſerin-Mutter, dann J. k. k. Hoh. die Erzherzogin Sophie, die Erzherzoge Franz, Carl u. Stephan be— ehrten die Akademie mit Höchſtihrer An— weſenheit. K. Potpourri aus Paris. Die Herzogin v. Orleans hat zu einer Lot— terie, die zu Gunſten des iſraelitiſchen Waiſen-Vereins in Straßburg veranſtal— tet wird, eine werthvolle Arbeit einge— ſendet.— Der franzöſiſche Kriegsmini— ſter hat eine Verfügung erlaſſen, welche für das nach der Beſchreibung vieler Augenzeugen furchtbar vernachläſſigte Medizinalweſens des franzöſiſchen Heeres in Afrika von wohlthätiger Wirkung ſein wird; ſiebenzig junge Chirurgen und dreißig Pharmaceuten ſollen das dort angeſtellte, ärztliche Perſonal ver— mehren. Vis jezt waren in den ſoge— nannten fliegenden Spitälern der afri—


