Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
301
 
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ne der neueſten Romantik. Würdevoll und majeſtätiſch iſt der Charakter des Propheten durchgeführt. Die Tragö die iſt herrlich geſchrieben, aber ſie paßt nicht für das Lampenlicht der Kouliſſen welt. Hr. Dietrich, zu deſſen Benefiz ſie gegeben wurde, hat immerhin eine ſehr intereſſante Wahl getroffen; er gab die große Kräfte erfordernde Titelrolle mit ergreifender Wirkſamkeit. Ein voll endetes Kunſtgebilde gab die liebliche Dem. Müller als David. Mit Lobe ſind noch die Damen Grill und Kalis, die H. H. Berg u. Roſenſchön zu erwähnen. Hr. Poſinger gab den Quaſim odo nein, was ſagen wir den Moab auf gewohnte Weiſe. Der Beſuch war ziemlich zahlreich, die Aufnahme anerkennend. Semper idem. Fünfkirchen. Wiemohl bereits in Ihrem geſchäzten Blatte eine kurze Ueberſicht der hieſigen deutſchen Schau ſpielergeſellſchaft und ihrer Leiſtungen durch Hrn. Rottmann geliefert wurde, ſo ſoll mich dies nicht abhalten, auch meine Anſichten über das hieſige Thea ter in Ihrer geehrten Zeitſchrift zur Deffentlichkeit zu bringen. Ein Ge nuß ſeltener Art ward uns durch das Gaſtſpiel des Hrn. Rott, Negiſſeur des k. ſt. Theaters in Peſth, welcher in ei ner Reihe von neun Gaſtrollen uns hoch erfreute. Er trat zuerſt als Valentin imVerſchwender, hierauf als Rappel kopf imAlpenkönig, Lorenz in der verhängnißvollen Faſchingsnacht, Flo rian Spizkopf, zwei Mal als Dekel inHutmacher und Strumpfwirker, Michel imverbannten Amor, Elias Regenwurm und als Doppelgänger im Färber u. ſein Zwillingsbruder auf. Vergebens würde ich es verſuchen, Ihnen eine Schilderung des Eindruks zu liefern, welchen die Gaſtſpiele des geehrten Gaſtes hervorbrachten, der En thuſiasmus des ſtets ſehr zahlreich ver ſammelten Publikums war außerordent

lich, und Hr. Rott wurde immer eben ſo ſtürmiſch empfangen, als er auch nach jedem Akt mehrere Mal gerufen wurde. Mehrere Gedichte und Kränze wurden ihm zu Theil, und was an Kunſt bei erſteren vermißt wurde, möge der herz liche Wille, mit welchem ſie geſpendet wurden, erſezen. Sein Erſcheinen brachte auch einige Neuigkeiten auf unſere Bühne, die unſer ganzes Inte reſſe in Anſpruch nahmen, vorzüglich ver dienen davondie verhängnißvolle Fa ſchingsnacht,Florian Spizkopf u. der Färber und ſein Zwillingsbruder genannt zu werden, in welchen unſer geſchäzte Gaſt beſonders ausgezeichnet war. Möge der gefeierte Künſtler ſich oft und freundlich an unſere Stadt er innern, ſo wie wir jene Abende ſtets zu den ſchönſten Stunden eines wahren Kunſtgenuſſes zählen werden. Am 28. v. M. fand die Aufführung der Oper:der Freiſchüz von C. M. We⸗ ber ſtatt, die Ausſtattung war pracht voll und überraſchte das äußerſt zahl reiche Publikum; morgen und nachfol genden Sonntag wird dieſe Oper wie der holt. Wſn. Prag. Leider ſahen wir Herrn Rott nur noch in drei Parthien: Glit tern in TöpfersWaſſerkur, Poſa inDon Carlos undRichard III., und wenn er von der erſten ſeiner Rol len an, hohe Achtung für ſeine Kunſt einflößte, und den Tribut des Beifalls in reichem Maße erntete, ſo ſteigerte ſich dieſer von einer Vart hie zur andern zum Fanatismus, und es ſchien, er habe in froher Ahnung denBeliſar zur er ſten Gaſtrolle gewählt, da er in der lezten als ein wahrer Kunſt-Trium⸗ phator erſchien. Ein ſehr geiſtreicher Mann äußerte ſich nach demRichard alſo:Die Kritik iſt die Elle, womit man die Kunſt mißt. Wo ſich dieſe aber rieſenmäßig emporſchwingt, verſchwin- det Maß u. Elle in Nichts. N. S.