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Für Damen. Die Kunſtblumenfabrik der L. Moſer„zur Flora“, die ſeit vielen Jahren ſich im B. Laffert'ſchen Hauſe in der Herrengaſſe befand, iſt jezt in das Troll'ſche Haus, derſelben Gaſſe, dem Servittengebäu— de gegenüber, verlegt worden. Dieſes Etabliſ— ſement zeichnete ſich von jeher durch die nette— ſten und geſchmakvollſten Arbeiten nach den neueſten Pariſer und Wiener Muſtern ſehr vortheilhaft aus, und manche Dame, die auß Bällen, Soireen, oder ſonſtige Feſtivitäten durch Blumen, Guirlanden, Bouquets de. glänzte, hatte dieſen Schmuk aus der Fabrik der Frau L. Moſer. Es ſteht daher zu erwar— ten, daß ſie in ihrer neuen Lokalität die alte Zufriedenheit zu erhalten wiſſen wird.
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Die Waſſerverkäufer. Der ge— neigte Leſer wird wohl ſchon öfter von ei— nem eindringenden, grellen, kläglich-tonenden Geſchrei:„Waſſer kauft!“ aus dem ſüßen Morgenſchlaf aufgerüttelt worden ſein, und ſo oft er ſich bemühte, halb ärgerlich, halb ſchlaftrunten, ſich von Neuem in Morpheus Armen zu wiegen, wiederholt ſich dieſes mo— notone„Waſſer kauft!“ und alle Verſuche, ſich die Ohren davor frei zu halten, bleiben fruchtlos.— Dieſes Waſſer, das die ambu⸗ lanten Verkäufer ſeil bieten, iſt keiner Quel- le, keinem Brunnen entnommen, es iſt aus dem trüben, gelblichen Wogen des Iſter ge— ſchöpft, und ſo ſchmuzig es iſt, dient es zum Reinigen der ſchmuzigen Wäſche.— Ja die Wäſche! Lieber Leſer, du, der du noch nicht die Wohlthat einer Wäſcherin tennſt, die dir deine Wäſche außer dem Hauſe rei— nigt, welcher Schreken erfaßt dich, wenn dir deine theure Ehehälfte ankündigt, daß ſie heute„große Wäſche“ habe! Die große Wä— ſche, das iſt die periode, wo der Hausherr tein Herr im Hauſe iſt, wo die Hausfrau zur Magd berabſinkt, wo die Mägde die Herr— ſchaft uſurpiren, und wo aus lauter Wirth⸗ ſchaftlichkeit die ganze Wirthſchaft im Hauſe drunter u. drüber geht, und dar um muß man ſich noch täglich von den Waſſervertäu— fern aus dem Schlafe weten, muß man ſich den ganzen Tag hindurch durch ihr wider— liches Geſcheei die Ohren zerreißen laſſen!— Wir möchten dies Alles aber noch dulden, wenn dieſe Leute, ſtatt ihr Materiale zur gro— ßen Wäſche zu liefern, es lieber auf der Stra—
ße ausrinnen ließen, um den ungeheuern Staub zu dämpfen. Wir Männer bezahlten ihnen gerne dafür das Doppelte und Dreifa— che. Aber gegen den Tod u. gegen den Staub iſt bei uns kein Kraut gewachſen. Waſſer will man zwar jezt gegen den erſteren anwen— den; dies iſt wohl vergebens! Warum ſpart man es aber gegen den ungeheuern Staub, wo es ſich gewiß wertſamer zeigen würde 7 — Doch um zu zeigen, was Induſtrie ver— mag, wellen wir etwas Biographiſches über dieſe Waſſerverkäufer hier mittheilen.— Vor vielen Jahren mußten ſich die Hausfrauen ihr Donauwaſſer durch ihre Dienſtboten ſelbſt holen laſſen.— Da ſich aber die Dienſtboten immer mehr von dergleichen Beſchäftigungen emanzipirten, ſo bemerkte man oft einen Mann, im groben, ſatleinenen Kittel, bloß— fußig, eine Waſſerbutte auf dem Rüken, ſich durch einige Straßen keuchend fortbewegen, um viele Häuſer mit Donauwaſſer zu verſehen. Später betrieb derſelbe Mann, auf einem Handkarren mehrere Waſſerbutten führend, dies Geſchäft etwas ausgedehnter und beque— mer. Einige Jahre darauf ſpannte dieſer Waſſermann vor einem größern mit mehr Butten beladenen zweiräderigen Karren einen beſcheidenen Eſel, der nun ſtatt ſeiner keuch— te. Aus dem zweiräderigen Karren war bald ein vierräderiger, und in noch ein Paar Jah- ren verwandelte ſich der Eſel in eine Mähre. Wir gewahrten ihn nun als ſoliden Einſpän— ner mite zehn Waſſerbutten befrachtet durch dle Straßen ziehen. Dies dauerte aber nicht lan- ge, unſer Waſſermann verführte ſpäter ſeine Waare auf einem zweiſpännigen Wagen, die- ſem geſellte er bald noch einen hinzu, hielt ſich Knechte u. Mägde, und gegenwärtig hat er, ich weiß nicht, wie viele Wagen, Pferde, Butten, Knechte, und, wie ich höre, auch Haus und Hof— heißt das nicht Induſtrie? Es lebe die Induſtrie! Wenn nur der Mann und ſeine Leute nicht ſo furchtbaren Lärm machten, und wenn nur die„große Wäſche“ nicht wäre!
Modenbild. Uro. 18.
Paris, 19. April. Neue ſte Früh⸗ lings-Anzüge. Hut von Alexandrine. Kleider von Auguſtine. Vaſen u. Tiſch neue. ſter Art.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


