Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
286
 
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als ginge ſie erſt ans Werk. Welche ſel tene Eigenſchaft! Wer wird uns dieſes Talent erſezen! Hr. Steiner darf den Neocles zu ſeinen beſſern Leiſtungen zäh len, das elegiſche Grundelement ſeines weichen Organes iſt für dieſe Klagetö ne ganz geſchaffen. Hr. Rötzer ſang ſei Parthie recht brav. Das ziemlich zahl reiche Auditorium zeigte ſich allgemein befriedigt. S Braunſchweig.(8. April.) Die Anweſenheit des gefeierten Kompo niſten Meyerbeer belebt alle Elemente unſerer Oper, um die Aufführung der Hugenotten, welche der berühmte Mei ſter ſelbſt dirigiren wird, vorzubereiten. Die Proben dazu folgen ſich ſeit einiger Zeit ununterbrochen und ſehen wir der erſten Aufführung, wozu ſchon alle Plä ze in Beſchlag genommen ſind, binnen acht Tagen entgegen. Wir haben einen großen Genuß zu erwarten, da die Mit tel unſerer Oper ſich mit denen der größ ten Hofbühne meſſen dürfen. Die Mu nificenz unſeres kunſtliebenden Fürſten hat die Hoftheater-Intendanz, welche von dem Hrn. Kammerherrn v. Münch hauſen mit großer Umſicht geleitet wird, in den Stand geſezt, die beſten Sänger Deutſchlands dauernd für die Oper zu gewinnen. Mit Stolz nennen wir die HH. Schmetzer, Pöckh, die Damen Fi ſcher-Achten, Methfeſſel und Mejo die Unſern. Der Chor iſt unter der Lei tung des Hrn. Partſch zu einem der vortrefflichſten herangediehen und unſer Orcheſter, welches ſo viele Künſtler von Ruf in ſich ſchließt, behauptet unter der Direktion des Kapellmeiſters Meth feſſel, dem die Dirigenten Müller und Freudenthal würdig zur Seite ſtehen, ſein altes Renommee. In dieſen Tagen ging Lortzing's OperCzar und Zim mermann zweimal über die Bühne, ohne die Theilnahme zu finden, welche wir von der mit vielem Talente ent

worfenen Partitur erwarten durften.

London. Auf den hieſigen Thea ter wird ein gegen die Mäßigkeitsver⸗ eine gerichtetes Luſtſpiel:the tempe- rance emigrants, mit Beifall gegeben. Der Dialog iſt ein wenig, was die Eng länder ſo charakteriſtiſch milk and wa- ter nennen, aber die Erfindung wird als originell gerühmt.

Mignon Zeitung.

Berlin. Das Buchdrukerfeſt wird nun beſtimmt am 24. Juni in unſrer Hauptſtadt be gangen. Die Buchdruker und Sezer, welche dazu bereits über 2000 Nthlr. geſammelt haben, werden ſich an dieſem Tage unter den Linden aufſtellen, und unter Muſikbegleitung feierlich nach der Singakademie ziehen, wo Feſtreden gehalten und eigends da zu verfaßte Lieder abgeſungen werden ſollen, dem dann ein frohes Mahl fol gen wird.

Breslau. Hier wollte man dem Publik um das Pfeifen, Pochen u. Ziſchen über ſchlechte Theaterſtüke abgewöhnen. Es ward ſtreng unterſagt und gedroht, daß jeder Pfeifer ſofort aus dem Thea ter entfernt und exemplariſch beſtraft werden ſolle. Da war man denn genö thigt, umgekehrt pfiffig zu ſein. Man klatſchte nämlich über das Schlechte un unterbrochen Beifall, ſo daß Niemand ſein eigenes Wort hören und das ſchlech te Stük nicht zu Ende geſpielt werden konnte. Es war auch eine Ueberſezung aus dem Franzöſiſchen. Dieſchleſiſche Zeitung eifert gegen Beifallbezeugun gen ſowohl als gegen die Zeichen der Unzufriedenheit. Aber darf man dem Volke dieſe einzige Art, ſein öffentli ches Leben zu beweiſen, dieſe Pairs⸗ kammern und Parlamente verſchließen? Es geht gewiß nicht!

Ludwigsburg. Es wird hier gegenwärtig die große, für die Peterskir che in St. Petersburg beſtimmte Orgel