Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
285
 
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und er erhielt eine Stelle in einem heiligen Tempel. Eines Tages befahl das Haupt der heiligen Brüderſchaft dem Jünglinge:Reinige den Tempel und thue den Staub hinweg. Und als der Wanderer auf dem Pfade der Frömmigkeit dieſen Befehl vernahm, zing er fort aus dem Tempel, und man ſah ihn nicht mehr. Die Brüder und das Haupt des Tempels meinten, der junge Fakir ſei davongegangen, weil er ſich des niedern Dienſtes geſchämt. Am andern Morgen begegnete ihm der Prieſter einer, und ſagte ihm vorwurfsvoll:Du haſt nicht recht gethan, und kein guter Rath war es, dem du folgteſt.Wußteſt du nicht, eitler Jüngling, daß durch emſigen Dienſt allein die Männer an Würde ſteigen? Da weinte der Jüngling, und rief aus:Ach Vater, Freund und Ernährer meiner Seele, Fakel, die meinen Geiſt erhellt! Weder Schmuz noch Staub ſah ich in dem Tempel; das einzige Unreine in dieſen geweihten Mauern war ich allein. Und deshalb verließ ich ihn, da der Tempel gerei⸗ nigt ſein ſollte. Das iſt das einzige Geheimniß der Größe für den Menſchen: haltet euch gering. Wollt ihr eryoben werden, ſo ſeid demüthig. Nur eine Lei ter gibt es, dieſe Höhe zu erſteigen. Fragt nicht den nach dem Pfade des Glau bens, der aufgeblaſen iſt von ſeinem irdiſchen Glüke. Sucht die Kunde Got tes nicht bei dem, der nur Augen hat für ſich ſelber.

Anſichten. Urtheile. Vegebniſſe.

war ein in allen Theilen ſo trefflich aus gemaltes Kunſtgebilde, daß er in die

Theater.

Peſth.(Neue Opernmitglie⸗ der.) Den Opernfreunden gewährte die Ausührung von Roſſini's großartiger Seria:die Belagerung von Corinth einen wahren Kunſtgenuß; die Exeku tirung war durchgehends ſo vorzüglich, daß nichts zu wünſchen übrig blieb und ſelbſt der ſtrengſte Splitterrichter wird geſtehen müſſen, daß wohl nur wenige deut ſche Bühnen dieſe italieniſche Oper auf ſo effektvolle Weiſe zu beſezen im Stande ſein werden. Neu war Herr Hirſch, als Mahomet, ſo wie Hr. Heim als Kleomenes Lezterer iſt uns be reits durch ſeine früheren Leiſtungen als Othello, Eleazar, Zampa, als ein kunſt gebildeter Sänger bekannt geworden u. bewährte auch an dieſem Abend die von ihm gefaßte vortheilhafte Meinung. Hr. Hirſch beſizt einen kräftigen, klangvol len, markigen Bariton, der, verbunden mit geregelten Kunſtſtudien, die größte Wirkſamkeit erzielt. Sein Mahomet

ſem Parte keinen Rivalen zu ſcheuen hat, und am wenigſten einen in die ſer Parthie unmittelbar vor ihm erſchie nenen primo basso cantante. Der Bei fall war allgemein und Cäſars:veni, vidi, vici findet hier ſeine volle Anwen dung. Unter ſtürmiſchem Applauſe muß⸗ te das Duett mit Pamira wiederholt werden. Mit hinreißender Glut, Kraft und Wohllaut ſang Dem. Carl die Pamira. Die ganze Leiſtung war wie aus einem Guſſe, und ſie feierte den höchſten Triumph in der unver gleichlich vorgetragenen Einlage aus Niobe, deren Wiederholung ſtürmiſch verlangt wurde. Unter der Töne Hoch entzüken wollte ſie uns fühlen laſſen, wie ſchmerzlich ihr Verluſt allen Kunſt freunden ſein werde. Dieſe treffliche Sängerin führt ihre Parthien vom Ve ginne bis zur lezten Note mit gleicher Energie, mit gleicher Friſche durch. Ja man ſieht ſie am Schluſſe ſo gerüſtet,