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lich zu glauben, daß dieſes Frauenzimmer, an dem nicht die geringſten Spuren des Wahnſinnes zu bemerken ſind, Momente haben ſollte, welche ſie zur Mit— ſchweſter dieſer Unglüklichen machen.“— Ohne auf meine Bemerkung zu ant— worten, nahm mein Begleiter eine Kohle vom Kamine und ſchrieb die Buchſta— ben T.[. p. an die Wand, dann nahm er mich ſchweigend an der Hand und führte mich aus dem Salon, den Ausgang am vergitterten Fenſter abzuwarten. Die Narren hatte man ebenfalls entfernt. Es währte nicht lange, ſo ſchlug die Leſende das Buch zu und wollte ſich entfernen, zufällig warf ſie den Blik auf die Wand, und plözlich, wie durch einen Zauberſchlag, veränderte ſich ihr gan— zes ſanftes Weſen, ihre Augen rollten und ſprühten Flammen; ſie wühlte in ihren Haaren, und ſtieß ein Angſtgeſchrei aus, während ſie ihren Kopf verzwei⸗ felnd gegen die Wand rannte, ſo daß ſie ſich denſelben unfehlbar zerſchmettert haben würde, wenn die Krankenwärter nicht ſchnell herbeigeeilt wären, die nur mit Mühe ſie zu bändigen vermochten.— Schaudernd verließ ich die Gemächer des menſchlichen Jammers.— Der Direktor theilte mir gefälligſt die Leidens geſchichte der Unglück lichen mit; es iſt dieſelbe, welche der Leſer bereits aus die— ſen Blättern erfuhr. Jo h. Langer. ——
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Oer Zeit, wo wir in Luſtpokalen Im Weine blüht die Wahrheitsroſe! Manch giftigen Moment ertränkt,[Heiſa, ſtoßt an zur Diagnoſe! Als Debütanten Herzen ſtahlen,
Sei dieſes volle Glas geſchenkt! Wir bringen Troſt in großen Gaben, Ja dieſe Zeit bringt reiche Leſe, Und üben, was erheiſcht die Pflicht, Drum ſtoßet an zur Anamneſe! Wenn Kranke wir gerettet haben,
Wir gleißen mit dem Danke nicht! Bei reicher Praxis Frauenminne, Der Arzt ſei ein Philiſter nie,
Bei den Patientinen Geduld! Bei Theorien noch fünf Sinne!
Bei Todesfälle keine Schuld! So laßt uns, Freunde, feſt umſchlingen Drum, Freunde, nicht viel Federleſens,] Und ſtürzt die Weinesfluth hinab, Und ſtoßet an zum Statuspräſens! Hans Mors ein Pereat zu bringen, Ein Vivat Vater Aeskulap!
Sein Herz iſt ſeine Therapie!
Was kümmern uns die vielen Pathen S 8 E Loe 1Sinfils, imilibng“e, Stoßt an das Glas, das ſkrupelloſ
f 2* ti Pr U Und die, die das Waſſer nur anrathen, Wee e ene Die heilen mit dem Milchgenuß! A ſt z.
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Der demüthige Fakir.
Ein Jüngling von den ſchönſten Geiſtesgaben und von tugendhaftem Her— zen kam über's Meer in einen der Häfen von Roum. Seine guten Eigenſchaf— ten wurden bemerkt, ſeine Demuth, ſein einfacher Sinn blieben nicht verborgen,
) In einem fröhlichen Verein junger Aerzte geſungen.


