278
Das Schauſpiel:„Zriny“, iſt aus frü⸗ bherer Zeit genugſam bekannt. Das zweite Schauſpiel:„der Diamantenraub zu Paris“, nach Hoffmann's:„Fräulein Scudery“ dramatiſirt, verdient weit weniger eine kritiſche Billigung. Gräß— lichkeiten laſſen ſich leichter leſen als anſchauen.— Im Joſephſtädter Thea— ter jagten die Novitäten einander mit großer Behendigkeit, da im Verlaufe von acht Tagen nicht weniger als drei geboren und wieder begraben wurden. Die erſte,„Zauberſchnellpoſt“ genannt, zum Beſten des ſcheidenden Pantomi— menmeiſters Rainoldi, war unſtreitig die gelungenſte, da ſie blos bekannte Sze— nerien und darunter nur die beliebteſten enthielt. Der Benefiziant begibt ſich nach Prag, wo er von Oſtern angefan— gen, ein lebenslängliches Engagement fand. Novität Nr. 2:„Der Meerfiſch, oder die Aprilnarren“, iſt ſo eigener Natur, ſo aprilmäßig, daß ſie weder recht gelobt, noch gründlich getadelt werden kann. Weder zu lang, noch zu kurz, weder zu luſtig, noch zu traurig, paßt das Stük für alle Köpfe, oder beſſer für alle Mägen— wenn man ge— rade keine reellere Beſchäftigung finden kann.— Die dritte Spende hieß:„Mit oder ohne Zauberei?“ von Turteltaub. Mit Zauberei fiel das Stük gewiß nicht durch und ohne Zauberei ward es mit vieler Beharrlichkeit ausgepfiffen. Die Grundidee:„Soll im Lokalſtüke das Zauberweſen gelten?“ iſt eine kritiſche, keine dramatiſche Aufgabe u. nicht das Publik um iſt der Richter, ſondern die Stimme der Aeſthetik, der dramatiſchen Harmonie, des Zeit geſchmakes, der Le—⸗ bensauſchauung. Senn.
Mignon Zeitung München. Die baieriſchen Schul— meiſter können ſich freuen und bedanken, daß ſich der Abgeordnete von Thon—
Dittmer ihrer ſo waker in der Stän⸗ deverfammlung angenommen hat. Für die nächſten drei Jahre ſind 144,000 fl. mehr zur Beſoldungsverbeſſerung der Lehrer ausgeſezt und verwilligt worden. Für den Ausbau der neuen Bibliothek und des Archivgebäudes zu München wurden 650,000 fl. von den Ständen bewilligt.
Potpourri aus Paris. Hier brennt man die ſogenannten Kikererbſen (pois chiches) wie Kaffe, und gibt den Abguß den Podagra-Kranken mit Er— folg. Viele Aerzte bezeugen dies in den Blättern.— An der Börſe in Bor— deaux äußerte kürzlich ein Kaufmann, daß er ſeine Tabaksdoſe vergeſſen, ſie aber wahrſcheinlich auf dem Kamin zu Hauſe gelaſſen habe. Einige Augenbli— ke ſpäter vermißt er ſeine goldene Uhr; er eilt nach Hauſe, und erfährt von ſeiner Frau, daß ſie ihm Doſe und Uhr miteinander nach der Vörſe geſchikt ha— be. Es war ein Mann gekommen, der die Doſe für ihn geholt, und zu ſeiner Legitimation die Uhr vorgewieſen habe, ſie habe ihm beides gegeben. Der Kauf— mann war doppelt beſtohlen.
London. Zwei Verbrecher, Brown und Vardsley, die wegen Mordes von einem engliſchen Aſſiſenhofe zum Tode verurtheilt worden ſind, werden auf dem Schloſſe York gefangen gehalten, und erwarten die Vollſtrekung ihres Ur— theils, die ein ſonderbarer Zufall um acht Tage ver zögert hat. Jak Bloakes, der Henker, der um eines Verbrechens willen ſelbſt im Gefängniſſe ſaß, iſt ent⸗ flohen. Der Gouverneur des Schloſſes von Pork iſt nun, dem Wortlaute ſei— ner Beſtallung nach, gehalten, für Jak einen andern Henker herbeizuſchaffen, oder an dem Tage, wo die Friſt ver— ſtreicht, an den beiden Verbrechen ſelbſt das Urtheil zu vollſtreken.
Berlin. Das 127ujährige jüdiſche Wunderkind der Rechenkunſt, Dahſe


