Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
277
 
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chen aber auch Narren, da jedem Narren nur die Kappe gefällt, welche im Mo de⸗Journal abgebildet iſt.

Eu Berger.

Anſichten. Urtheile. Vegebniſſe.

Korreſpondenz.

Wiener Tabletten. In der Muſikwelt herrſcht jezt eine gänzliche Windſtille wenigſtens ſind wir vor großen Konzertiſten auf einige Zeit wie der geſichert da Ernſt's leztes Kon zert vor einigen Tagen Statt fand. Der muſikaliſche Enthuſiasmus des Pu blikums ſcheint ſich doch endlich ausge wüt het zu haben und die Zeit einer an ſtändigen, für Künſtler und Zuhörer ehrenvollen Beifallsbezeigung iſt in ihre alten Rechte getreten. Ernſt hatte in ſeinen beiden erſten Konzerten noch ſehr mit der Apathie und Unempfänglichkeit eines Auditoriums zu kämpfen, das durch die bei der Anweſenheit Lißt's gemachten Anſtrengungen noch ziemlich abgeſpannt zu ſein ſchien; ſeine erſten Konzerte waren kaum halbvoll, der Beifall auch nur beſcheiden. Erſt im Verfolge ſeiner Produktionen drang er ſo durch, daß

man in Erkenntniß ſeiner Vollendung.

ihm die achtungsvollſte Anerkennung zu Theil werden ließ. Die italieniſche Oper beſchäftigt wieder einen anſehnli chen Theil des muſikaliſchen Publikums durch ihre Vorſtellungen; im Allgemei nen ſcheint ſie auch heuer ſich beſſer zu qualifiziren, als in der vorjährigen Sai ſon. Von den beiden Opern:Le Pri- gioni d'Edimbourg, von Nicci und der Donizetti'ſchen:Lucia di Lammer moor, iſt die leztere unſtreitig die beſ ſere. Von Text ſollte eigentlich in einer italieniſchen Oper gar nicht die Rede ſein, denn bei den meiſten kommt ſer un gefähr heraus, wie ein Spazierſtökchen man braucht's nicht zum Gehen, nicht zum Stüzen, höchſtens zum Spielen;

daher iſt auch hier der Text ziemlich man gelhaft. Die Mitglieder der heurigen Oper beweiſen große Ausgezeichnet heit, beſonders die Männer. Hier lernten wir wieder Badiali, Ropa, Frezzolini ken nen, deren Anhören den alten Enthu ſiasmus beim erſten Empfange ſchon laut werden ließ. Die Meiſten derſelben mach⸗ ten bedeutende Fortſchritte, beſonders was Geſangsausbildung und Ausdruk anbelangt. Die Sopraniſtinen Abbadia, Gabuſſi, Frezzolini ſind durchgehends neue Sängerinen, über deren künſtleri ſchen Werth eine meiner nächſten Berichte detailiren mag. Eine der bedeutendſten Geſangserſcheinungen iſt der Tenor Mo riani, deſſen Auftritt ſtets den jubelnd ſten Beifall in Anregung bringt. So viel als kurze Skizzirung des bis her Ge hörten. Im Burgtheater ergözt ein recht heiteres Luſtſpielchen vom Frei herrn von Braun:Nach Mitternacht betitelt. Ein kurzer, auf wenig Situa tionen beſchränkten Stoff, wie er gerade für ein Vaudeville paßt, bildet die Hand lung; intereſſante, ſchnell wechſelnde, mit Laune und Wiz gewürzte Szenen verfolgen ſich während der kurzen Dauer dieſer Piece, welche als Lükenbüßer ei⸗ nige Viertelſtunden recht fröhlich auszu füllen im Stande iſt. Der Verfaſſer des zu ſo vielen Diskuſſionen Anlaß geben- den Schauſpieles:Leichtſinn und ſeine Folgen, für den man lange Zeit meh rere unſerer bedeutendſten Luſtſpiel dich ter hielt, hat ſich endlich entdekt; es iſt Dr. Römer, der Bearbeiter der Gönnerſchaften und anderer gelunge⸗ ner Bühnenwerke. Im Theater an der Wien erregten nach einander zwei ernſthaftere Dramen einigen Zulauf.