Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
276
 
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276 angenehm wie wird das noch enden! Alfred preßte beide Haͤnde auf ſein ungeſtüm ſchlagendes Herz. Hubert, der ihn ſtets im Auge behalten, richtete jezt die Rede an ihn:Das Melodram, mein Herr, ſcheint Sie ſehr zu inte⸗ reſſiren; es iſt keineswegs aus der Phantaſie eines Schauſpieldichters entſprun gen, ſage ich Ihnen, denn die Geſchichte iſt wahr; doch Sie werden die Entwiktung ſelbſt ſehen.(Beſchluß folgt.) 2

Unſere Kleidung.

Man ſagt immer, die Welt ſchreite fort und nehme ſtets mehr zu an Weis heit, Geſchmak und dergleichen. Ja doch! Man greife nur auf den Kopf, nehme den Hut ab und beſehe ihn ſich genau. Was iſt das für eine filzige, lederne, geſchmakloſe Figur! Nicht rund, nicht ekig, nicht bunt, nicht ſchekig, hohl und ohne Geſtalt, formlos und ohne Geſtalt, ein hohler, unvollendeter Thurm, ein ungeſchikter, verkehrter Blumentopf, auf welchem die männliche Menſchenblume nach unten herausblüht; ein ſchwarzer, geſchmakloſer Satan, der in allen möglichen Geſtalten doch immer ganz teufeliſch häßlich und geſpenſterhaft formlos bleibt. Man greife an den Hals. Welche Bänder und Bandagen, welche vatermör deriſche Mauern nach der Naſe empor, daß der Menſch drin ſtekt wie eine Hyäne, die kein Gelenk im Naken hat, daß er wie eine Marionette ſteif und ſtarr vor ſich hinſehen und die Augen fürchterlich drehen muß, wenn er rechts und links was ſehen will. Man ſehe ſeine Weſte an. Wozu iſt dieſes Stük Arbeit! Um die Bruſtflanken zu deken? Um die Hoſenträger zu verbergen und die Vorhemdchenbänder? Dazu iſt ja der Rok ſchon da. Aber der Rok, du liebe Erde! Erſtens lauter dunkle Farben, dann zwei ſchwerfällige Flügel, die vorn und hinten an den Beinen herumbaumeln und eine Miene ma chen, als könnten ſie weder leben noch ſterben. Und wie pudelnärriſch, wie bei ſpiellos ſinnverlaſſen ſieht erſt ein ſogenannter Ueberzieher, ein Gehrok aus? Wenn wir nicht ſo daran gewöhnt wären, wir würden vor einer ſolchen Erſcheinung davon laufen, wie vor einem Geſpenſt. Aber Gott ſei Dank, daß Gewohnheit die andere Natur iſt, ſonſt könnt' es kein Menſch in ſeinen Kleidern aus halten, er würde ſogar aus der Haut fahren. Aus dem Roke guken hervor Füße? Dii meliora! Zauns pfähle, Pfahleiſen, ſchnurgrade Tuchſäulen, mit denen der Menſch ſchwarz geſtiefelt ſteif einherwandelt. Er darf dieſe Säulen nicht krumm machen, ſonſt plazen die Sprungriemen, oder das Knie ſpringt aus dem darü ber geſpannten Tuch heraus und die Knieſcheibe wird eine Zielſcheibe des Wizes. Die Frauen und Mädchen? Da hört erſt Alles auf! Wespenartig zuſammen geſchnürt, tallle-tödtende, lungen-verzehrende Schnürleiber, aus denen der Ober leib herausquillt wie eine umgekehrte Flaſche, wie ein auf dem Kopfe ſtehender Jongleur, dem man den Kopf eindrükt. Und alle die Hadern, Fladern und Flat ter-, Flitter-, Flutterbänder und Lappen, die um eine ſo geänſtigte, gezwäng te, gewürgte Seele umherflinkern? Davon fangen wir gar nicht an, denn hier könnte man ein dreißigbändiges Buch ſchreiben, um alle die Thorheiten mit Weis heit zu behandeln. Nehmt wenigſtens dieNuz und Lehr hieraus, daß nur die Kleidung ſchön und geſchmakvoll iſt, die ſich unſerm Körper, der ſchönſten Form auf Gottes Erdboden, anſchmiegt und ihn nicht entſtellt, verdikt, verdünnt, vergrößert, verkleinert und zur Karikatur verzerrt. Kleider machen Leute, ma