Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
271
 
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ſte, dle er ſich durch ſeine Kunſt um die Geſundheit ſeines Herrn erworben hat, zum Inſpektor der Quarantäneanſtalt zu Trebiſond ernannt worden und be zieht einen jährlichen Gehalt von eini gen tauſend Gulden.

Berlin. In der vorigen Woche hat ſich in unſerer Hauptſtadt folgender beklagenswerther Vorfall zugetragen. Drei Herren, unter denen ſich ein be kannter Virtuos, der Kammermuſikus Pfaffe, befand, traten auf einem Spa⸗ zirgange in ein neu dekorirtes Kaffe haus vor dem Schönhauſer Thore ein. Der Wirth kam auf den unglüklichen Gedanken, ſeine Gäſte auf die eben fer tig gewordene Gallerie für das Orche ſter zu führen. Hr. Pfaffe nahm eine Violine, um eine Probe zu machen, wie ſich die Töne in dem ſchönen großen Saale vernehmen ließen. Kaum hatte er ſein Spiel begonnen, als die Tribu ne einſtürzte. Der Wirth und die bei den andern Herren kamen mit einigen Quetſchungen davon, der Kammermu ſikus aber war ſo unglüklich, dreimal den Fuß zu brechen, und einige Tage ſpäter machte ein Wundfieber im Schlag⸗ fluß ſeinem Leben ein Ende.

Etwas von Allem. Die Be⸗ völkerung von Paris hat ſeit 1814 um 405,000 Einwohner zugenommen, ſie beträgt jezt über eine Million. Das Haus in Paris, in welchem Mo liere ſtarb, wurde kürzlich um 230,000 Franks verkauft, obwohl es nur 150,000 werth iſt. Der Akrobat Averino iſt mit ſeiner Geſellſchaft gegenwärtig in Frankfurt. Am 9. April iſt in der Pariſer großen Oper Donizettis neue ſtes Werk:die Märtyrer mit großem ſzeniſchen Aufwande zum erſten Male gegeben worden; aber die Muſik ſoll nicht angeſprochen haben. Im Thea ter an der Wien gibt man Raupachs Müller und ſein Kind in öſterrei

chiſcher Mundart. Wir glauben nicht, daß man dieſe ſchwindſüchtige Tra gödie in Berlin in preußiſcher Mund art gab. Lanner geht nun wieder nicht nach Prag. Die Vorſtellungen der deutſchen Oper in London ſollten am 20. April ihren Anfang nehmen. Lucia di Lammermoor wurde am 21. d. M. zu Preßburg von den Italienern mit außerordentlichem Beifall gegeben. Lablache ſoll die Direktion der ital

Oper in Paris erhalten. Der be rühmte Ernſt kommt, zuverläſſigen

Privatbriefen zufolge, in der zweiten Hälfte des Mai nach Peſth.

Lokal-Zeitung.

Theatrallſches.Das Abentheuer in Venedig, Drama in 4 Ak. von Carl, am 19. d. zum erſten Male in Peſth gegeben, iſt ein effektvolles Drama, das den franzö ſiſchen Boden, von welchem es der Bearbei ter überpflanzte, nicht verleugnen kann. Eine ziemlich intereſſante und ſpannende Handlung im Alltagsgewande gewöhnlicher hausbakener Proſa durchaus nicht neu in der Erfin dung denn Verwechslungen von Zwillings brüdern haben wir ſchon ſchokweiſe auf der Bühne geſehen ein Gewimmel von Un wahrſcheinlichkelten und eine etwas überſtürz te Löſung des Knotens, das ſind die Vor würfe, die man der Novität machen kann aber ich ziehe doch immer eine kurzweilige Unnatürlichtelt einer langweiligen Natürlich keit vor. Geſpielt wurde mitunter recht brav vorzüglich gebührt dieſes Lob den Damen Grill(welche mite rauſchendem Beifall empfan gen wurde), Kalis und Deny und den H. H. Wagner und Berg. Die weiblichen Rollen wären beſſer zu beſezen geweſen. Das Stük hat mittelmäßig gefallen. Das Theater war, zur Feier des glorreichen Geburtsfeſtes S. M. des Kalſers u. Königs, glänzend erleuchtet.

Am 21. d. wurde zum Beneſiz des Hrn. Zollner zum erſten Male ein Schwank in 1Akte:der falſche Phyſiker gegeben, der eine parodle auf einenbeliebten hier anwe ſenden Künſtler hätte ſein ſollen das war er aber nicht, ſondern nur eine Nachahmung, die wir blos als einen Scherz, nachſichtig auf nehmen wollen. Aber was war eigentlich das Stük? Eine Poſſe? das war dieſer