Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
272
 
Einzelbild herunterladen

0

Schwank nicht, denn man kann doch ein aus alten Poſtbüchelſpäßen zuſammen geſtop peltes Flikwerk nicht etwa Poſſe nennen?! Alſo was war es denn? Nun ſo ein ſchwankdender Schwank, ohne alles In tereſſe, wobei uns bewieſen werden ſollte, daß ein gewiſſer Magier kein Zauberer ſei. Daß ſich Apparate nachmachen laſſen, wiſſen wir Männer des neunzehnten Jahrhunderts ſehr wohl; He. Zollner zeigte ſich auch ſehr ge wandt in der Handhabung; allein die Manter, der Vortrag, in welchem z. B. Döbler un vergleichlich daſteht, bleibt doch immer eine Hauptſache bei derlei Geſchichten. Der Schwant ward übrigens beifällig aufgenom men. In dem vorhergehenden Quodlibet ex zellirte die Lotalſängerin Mad. Eliſe Zöllner; ihr munteres, humorſprudelndes, char akteri ſtiſches Spiel, ihr lieblicher Liedervortrag, vorzüglich aber das nationelle Jodeln verſchaff ten ihr ſtürmiſchen Applaus. Der falſche Pa thos als Gisperl, ſo wie dle ſchelmiſche Dummheit als Linzerin, waren gleich gelungen. Die Einnahme gehoͤrte zu den ergibigeren; am Schluſſe ward der Benefiziant gerufen. Am 22. d. ging Roſſini'sTanered mit folgender Beſezung in die Szene: Tan cred, Demoiſ. Bothe(als Gaſt); Amenalde Dem. Carl; Orbaſſan, Hr. Roͤtzer; Arſyr, Hr. Unrein. Die Palme des Abends gebührt unſerer trefflichen Carl, die als Königin des Geſanges in höchſter Kunſtvollendung bril lirte. Die eingelegte Bravourarie:Ah tuoi ſrequenti palpiti« aus Pacini's:Niobe ward mit allgemeinem Entzüten gehört und der Schluß ſtürmiſch zur Wiederholung ver langt. Das iſt wahrer Gefühlsausdrut! das iſt künſtleriſche Begeiſterung, ein Verſchmel zen der eigenen Fantasie mit jener des Kom poſiteurs, das iſt jenes muſikaliſche Ideal, was der Italiener mit dem Ausdruke: can tare con amore bezeichnet. Nach jedem Akte ward die Künſtlerin zweimal gerufen, ein Bewels, wie ungern man die Gefeierte ſchei den ſehen würde. Dem. Bothe zeigte ſich als Tancred in einem weit beſſern Lichte, als in ihrer erſten Parthie(Romeo); der Part war ihrer Stimme zuſagender, u. ſie bewies eine löbliche Methode, einen gefühlvollen Vor trag und lebendiges Spiel. Sie erhielt Bei fall und ward wiederholt gerufen. Lobens werthe Momente bot der mit Eifer vorwärts

7

ſtrebende Hr. Unreln. Unter den Enſemble's fand der Vokal- Quartettſaß im Finale des 1. Aktes laute Anerkennung; dad folgende Crescendo war im Tempo etwas zu rctardirt. Semper idem.

Am 23. gab man zun erſten Male die Landfamilie, oder:die neue Iris, Luſtſpiel in 4 A. v. C. W. Koch. Das Stüt hat gefallen. Vorzüglich war Dem. Müller, dann die Damen Deny und Schindelmeiſſer, die H. H. Berg u. Reſenſchoͤn. Nächſtens mehr.

Im ungar. Theater gefallen die ſpa⸗ niſchen Natlonaltänzer, durch Grazie der Be wegungen und große Gelenkigteit, ungemein.

Heute kommt im ungar. Theater eine der beſſern Opern Donizettis:Marino Fa liero zur erſten Aufführung. Wir machen alle Opernfreunde darauf aufmerkſam.

Zum Benefiz des fleißigen u. belleb⸗ ten Schauſpielers Hrn Roſenſchön wird näch⸗ ſteus eine ſehr unterhaltende Lokalpoſſe mit Geſang gegeben, betitelt:Barnabas, oder der unglükliche Mädchenhüter, worin Dem. Calliano, eine junge, talentvolle Lokalſänge rin, zum erſten Male debutlren wird.

Der Maskenball, zum Beſten der durch Ueberſchwemmung Verunglükten in Ita lien, findet Morgen, Sonntag, den 26. d. in den Lokalitäten des Redoutengebäudes ſtatt. Die ganz beſondere Dekorkrung des Saales, die Ausführung der Tänze von Dilettanten, unter der Leitung des Hrn. Abeles, das Or⸗ cheſter unter Morellys Direktlon, die Mit wirkung des Muſikchors des löbl. Infante- rie-Reg. Cecopierie und noch manches Andere ſind zu einladend, als daß nicht Jeder dieſe Gelegenheit benüzen ſollte, um, während er eines beſondern Genuſſes theilhaftig iſt, einen Akt der Wohlthätigteit auszuüben.

Maodenbild. Uro. 17. Paris, 12. April: Feühlings-(Long. champs-) Anzüge. I. Reisſtrohhut mit einer Feder u. ſchottiſchem Sammet geziert. Sbawl von geſtiktem Mouſſelin. 2. Hut von Poult de Soie. Kleid mit Shawl v. gleichem Stof⸗ fe.(Hr. Mindſzenty, bürg. Damen⸗ kleidermacher in Peſth(große Brütengaſſe, Nro. 634), verfertigt die geſchmakvollſten Frühlingskleider nach dieſen u. andern neue ſten Muſtern.)

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.