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muthet die Fraze ſeines Todfeindes erblikte; er war durch die Unterbrechung dergeſtalt verwirrt, daß er dem unwillkommenen Gaſt zu öffnen vergaß. Indeſt war die Logenſchtießerin herbeigekommen, die ihm aufſchloß. Der Kouſin trat ein, ohne zu grüßen, und ſagte mit gemeinem Lachen:„Laßt euch doch nicht ſtören, Leutchen, ich bin nur heraufgekommen Viktorinen von einem Unfalle zu unterrichten, der eben geſchehen und ſie des Vergnügens berauben wird, heute den Mordburſchen, den van Amburgh, zu bewundern, der mit ſeinen Beſtien verkehrt, wie ich etwa mit meinen Vatienten. Er wollte ſo eben die famöſe Szene mit der jungen Löwin noch ein Mal einüben, in welcher er, eine Hyäne auf den Schultern, nicht ſehr galant, mit ſeiner Laſt auf dem Wanſte der Lö— win balanzirt. Das königliche Vieh mochte eben nicht in guter Laune ſein— Löwinnen haben ſo gut die ihren als das ſchöne Geſchlecht— es nahm ſich daher die Freiheit, den neuen Daniel in die Wade zu beißen, daß er nun, unfähig ſich zu produziren, ſeinen Beſtien Rekreation geben muß. Ich habe die Wunde unterſucht und bezweifle, daß der Mann ſobald im Stande ſein werde, ſein gefährliches Spiel mit ſeinen beſtialiſchen Schauſpielern zu treiben.“—„Das iſt eine unangenehme Geſchichte,“ ſagte die Wittwe etwas verdrüßlich,„ich hatte mich ſchon gefreut, das ſonderbare Schauſpiel, die Kraft des menſchlichen Geiſtes im Kampfe mit rohen Thieren, zu ſehen;— aber wo wird man ſchnell genug ein Stük finden, um das ungeduldige Publikum zu befriedigen 2—„Ich weiß noch nicht, was die Direktion beſchließet, doch kann ſie darum ſchwerlich ſehr verle— gen ſein, denn ich ſehe alle Heldenſpieler und alle zärtlichen Mütter und jungen Liebhaberinen in der Theaterloge verſammelt, ohne Zweifel iſt es ihr Zwek, Amburgs Darſtellungen zu Kunſtſtudien zu benüzen.— Doch ich eile zu meinem Patienten, hoffe jedoch im Laufe des Stükes Sie nochmals beſuchen zu können, wenn es anders erlaubt iſt!“ ſezte er mit einem höhniſchen Blik auf Alfred hin— zu und verſchwand mit einer Verbeugung. Im Fortgehen vernahm man wie er einen Refrain von Berranger trällerte: 0
Pour ma part, moi, q'en réponds,;
Oui, poulettes, Oui, coquettes, Pour ma part, moi, i'en réponds; Bien heureux sont les chapous!
(Fortſezung folgt.)
Anſichten. Urtheile. Begebniſſe.
mehr recht zuſammen gehalten werden. Die Geſellſchaft ſtöbert nun auseinan— der, wozu wir uns zum Theil Glük
Theater.
Temes var. So wäre denn mit
dem Palmſonntage wieder ein Winter— kours unſeres Theaters geſchloſſen. Der mit ſo vielen Erwartungen begann, en— dete mit eben ſo vielen Täu chungen. Die Maſchine, ein Mal außer Ordnung geſezt, konnte ſeit drei Monaten nicht
wünſchen können. Unter den Verluſten bedauern wir aber insbeſondere, außer Hrn. Thomé, Mad. Roſenſchön, die während ihres Hierſeins ſattſame, aber auch wohlverdiente Beweiſe der Gunſt des Publikums erhielt. Eine gebildete,


