Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
260
 
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Beſiz aller irdiſchen und himmliſchen Güter erheben; ſchneiden Sie Geſichter, als ſpielten Sie die Rolle von Molieres eingebildeten Kranken; doch ſehen Sie ihn dort in der Kouliſſe ſtehen, er hat heute Inſpektion. Nehmen Sie den Opernguker zur Hand, dort links, in der zweiten Kouliſſe er ſieht gerade nach unſerer Loge er grüßt. Die Dame winkte mit dem Fächer, der jun⸗ ge Mann ſtarrte ihn mürriſch an.Nun, wahrhaftig! rief Viktorine la chend,Ihre Miene iſt ſo freundlich als wollten Sie ſagen: Lieber Freund! bei erſter günſtiger Gelegenheit werde ich ſo frei ſein, Ihnen den Hals zu bre⸗ chen.Ha! ſagte der Blaſſe,Sie leſen ſehr glüklich in den Geſichtszü⸗ gen, Viktorine, ich dachte in der That etwas Aehnliches warum hat er auch die Frechheit Sie beſtändig anzugaffen! (For tſez. folgt.)

Maria Malibran.

In denBlättern für literariſche Unterhaltung heißt es in einem Ve richte über das von der Gräfin Merlin verfaßte und von Lotz in's Deutſche überſezte Buch:Maria Malibran Garcla, als Weib und als Künſtlerin:

Wie die bloße Virtuoſität gegenwärtig die Völker gejocht und geknechtet und in Blumenketten geſchlagen hat, die aber doch immer Ketten ſind, davon gibt uns das Buch der Gräfin Merlin vielfältige, oft widerliche Beweiſe. Ein Beiſpiel für Viele. In Lucca wurden eines Abends in der Loge des Fürſten Er friſchungen herumgereicht; Maria ſang und der Herzog kam auf den Gedanken, ihr einen Becher Eis zu ſenden; Jedermann ſtrebte nach der Gunſt, es ihr zu bringen; einer der Günſtlinge war der Bevorzugte; als er aber zurükkehrte, ließ der Herzog die Porzellanſchale zerſchlagen und vertheilte die Scherben an die Uebrigen. Gleicherweiſe wurden in Venedig Shawl und Schnupftuch der Sängerin in tauſend Stükchen zerſchnitten und unter der fanatiſchen Menge, welche ſie nach Hauſe mehr trug als geleitete, vertheilt. Ein moderner Macchia⸗ vell hätte haupt ſächlich das Prinzip geltend zu machen: begünſtigt die Virtuoſi tät und die Virtuoſen, wenn ihr euch in eurer Alleinherrſchaft befeſtigen wollt! Maria Malibran war wohlthätig, unterſtüzte verarmte Künſtler und veranſtal tete Konzerte, deren Ertrag ihnen zu gute kam. Wahrlich, damit trug ſie doch nur einen kleinen Theil der Schuld ab, mit der ſie der Menſchheit verpflichtet war. In Mailand bezog ſie für jede Darſtellung 3000 Franks und ein einziger Aufenthalt in England brachte ihr einen Ueberſchuß von 200,000 Franks. Das aber iſt eine ſchlimme Zeit, wo man es als eine große That, als Aufopferung preiſt, wenn eine Sängerin, welche Europa brandſchazt, wie die römiſchen Pro konſuln die unterſochten Provinzen, zu Gunſten eines armen Künſtlers in einem Konzerte eine Arie ſingt! Ein Wort zur rechten Zeit, wie man faſt mei nen ſollte!

Auffallende Drukfehler.

Die franzöſiſchen Zeitſchriften ſind oft wahrhaft liebenswürdig in ihren li terariſchen Unrichtigkeiten, namentlich was in das Gebiet der Geographie ſich