Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
259
 
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Loge zurük. Nachdem er mit einer Art Unruhe nach allen Seiten lorgnetirt hatte, ob man ihn auch hier noch beobachten konnte, verfiel er wieder in tiefe Gedanken. Indeß ging das Vaudeville faſt vorüber, und weder die diſtoniren de Stimme einer untergeordneten Sängerin, die man zu ſolchen Vorſpielen ver wendete, welche einen Theil des Abends ausfüllen, und durch das Klappen der Size und der Logenthüren akkompagnirt werden; noch die frivolen Kouplets der komiſchen Perſon; noch das Gebrälle der beſoldeten Klaqueurs konnte den blaſſen Mann aus ſeinem Nachſinnen erweken.

Ein leiſes Klopfen am Logenfenſter war es, was den Träumer aufſcheuch te. Ein ſeidenes Kleid rauſchte vor der Thüre, er ſah durchs Fenſter und eilte dann ſchnell zu öffnen. Eine ſchlanke, jugendliche, weibliche Geſtalt trat eilig herein.

Nun, hier bin ich endlich, guter Alfred! begann eine ſanfte Stimme, habe ich Sie in Ihrem Kunſtgenuſſe geſtört, durch mein ſpätes Erſcheinen? doch ich glaube nicht, daß Sie dem Vaudeville ſo große Aufmerkſamkeit ſchenk ten, denn ich hatte Sie wiſſen, Alfred, Neugierde iſt ein Grundton des weiblichen Charakters ich hatte, bevor ich klopfte, durch das Logenfenſter geſehen, und wohl bemerkt, wie Sie, ſtatt für die Bühne Aug und Ohr zu ſein, ganz weggekehrt ſaßen und den Schauſpielern den Rüken kehrten.Sie hat ten ganz recht geſehen, theure Viktorine, entgegnete der blaſſe, junge Mann, während er die zarte Hand der ſchönen, blonden Dame mit vieler Zärtlichkeit an ſeine Lippen drükte, welche ihm freundlich zulächelte;dieſe Piece iſt, wie die Journaliſten zu ſagen pflegen, unter aller Kritik, und Sie haben wohl gethan, ſich eine langweilige Stunde zu erſparen.Nun, und welchen Namen führt das fade Vaudeville? fragte die Dame.Ach, gute Viktori ne, ſagte der junge Mann lächelnd, nachdem er etwas nachgedacht,Sie ſe hen, wie wenig mich daſſelbe intreſſirte, da ich den Titel durchaus vergeſſen habe. Ich beſchäftigte mich die ganze Zeit über nur mit Ihnen, meine Gedanken umſchwärmten Sie wie ſüße Träume, und ich zählte die Minuten bis zu Ihrem Erſcheinen, die mir zu lauter Ewigkeiten wurden!Ach, wie Sie wieder ſchwärmen, Alfred, als hätten Sie den Lamartine auswendig gelernt.Ne kerin! aber finden Sie nicht in der That, daß ich zerſtreut bin, da ich jezt erſt bemerkte, daß Sie ſo ſpät und ohne Begleitung gekommen ſind? Iſt Ihre Mutter wieder unpäßlich geworden??Ihre unzertrenntliche Buſen freundin, die liebenswürdige Migräne, hat ihr wieder einen Beſuch gemacht, und nach der Anſicht meines Kouſins, des Doktors machen Sie doch keine ſo furchtbare Miene, als hätten Sie, mit Shakſpeare zu reden, Luſt, eine ganze Armee mit einem Kochlöffel in die Seine zu jagen, wenn ich Huberts Namen nenne alſo nach der Meinung des Arztes dürfte es die ſüße Freundin auf einen längern Aufenthalt abgeſehen haben, er ſchikte daher Mama für den Abend ins Bett und hatte die Gefälligkeit mich ins Theater zu begleiten.

Der junge Mann wandte ſich etwas unwillig von der ſchönen Rednerin ab, ſeine Augen rollten wild umher, als ſuchten ſie Jemand.Pfui, Alfred, wie Sie unartig ſind! ſagte die Dame, ihn mit einem Fächerſchlag ſtrafend, ſtatt, daß Sie für den guten Kouſin einige verbindliche Worte des Dankes haben, daß er Ihnen Gelegenheit verſchaffte, mit mir zuſammen ein trauliches Stündchen verleben zu dürfen, ein Glük, das Sie in Ihren Chanſons über den