Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
261
 
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erſtrekt; das Volk kümmert ſich um Einzelnheiten gar nicht, und ohne Ueber treibung darf ich behaupten, daß noch Unzählige glauben, Algier ſei eine bedeu tende Inſel in irgend einem Meere. Die Engländer ſind in der Regel bei Weitem gewiſſenhafter; um ſo mehr fällt es uns auf, daß in the foreign qua- terly reriew folgende Fehler ſtehen geblieben ſind, die allerdings nicht ſo ſtreng gerügt werden können, da es Eigennamen, die ganz und gar korrumpirt worden, ſnd. Unter der RubrikVerlin iſt geſagt, daß Klara Shlick(Wieck) als Pia⸗ niſtin ſich auszeichnet; ferner daß Rume(Prume) ein wakerer Violiniſt und das Drama Albuno und Weckſel(Album und Wechſel) ſehr gefallen habe. Statt Fräulein muß der engliſche Berichterſtatter Franlien geleſen haben und wähnend, daß mit dieſem Worte Robena Anna Laidlaw nicht beläſtiget werden dürfe, läßt er druken: Miß(not Franlien) Robena Anna Laidlaw de.

Von Leipzig meldet dieſer Notizler, daß Madlle.(wahrſcheinlich muß er Mademoiſelle abgekürzt: Molle gefunden und dieſes nun ſogleich zu einem neuen engliſchen Worte umgeſtaltet haben) Murti(ſtatt Meerti aus Rusnut?22) Was ſoll dies heißen. Wo liegt Rusnut guter Engländer?) Die Sängerin, Schloß nennt er nun weder Madlle, noch Fraulien, ſondern ſogar Fraulim. Aus Weimar meldet man ferner, ſei Grillparzer's: Weh' dem, der leigt(lügt)

und Cheland's Mittunacht(Mitternacht) zur Aufführung gekommen.

Anſichten. Urtheile. Begebniſſe.

Theater.

Preßburg.(Ital. Oper.) In Beliſario, der dritten Vorſtellung der Geſellſchaft des Herrn Luigi Merelli, ſollten wir die Koriphäen der Geſell ſchaft kennen lernen. Allein der Succeß war nicht der gehoffte, der gewünſchte. Außer der Primadonna, Sign. Schie roni⸗Nulli(Antonina), waren die Stim men ſämmtlich Beſchäftigter nicht frei von Heiſerkeit, welches wohl von der nur erſt kürzlich zurükgelegten größeren Reiſe, von dem ungewohnten Klima u. der allzurauhen Witterung herrühren mochte. Mad. Nulli, im vollen Beſiz ihrer ſchönen, umfangreichen, großarti gen Stimme, einer ſehr einnehmenden Figur und einer ſprechenden Phiſiogno mie ließ die gewandte, viel gebildete Bühnenkünſtlerin durchaus erkennen. Nach ihr fand die meiſte Anerkennung ihr Gemahl, Sign. Nulli(Beliſario). Obgleich nicht im ungetrübten Beſize

ſeiner Stimme, entwikelte er doch einen reichen Fond derſelben, einen Schmelz, der in der Folge gewiß entzüken wird. Als Sänger und Darſteller ſteht er auf einer ſehr bedeutenden Stufe. Den 12. gab man denBarbier von Se viglia, welche treffliche Oper ganz au ßerordent lich unterhielt, da die Beſchäf tigten im Spiel das Vorzüglichſte, im Geſang theilweiſe Vorzügliches, mitun ter Unübertreffliches leiſteten. Roſine (Mad. Mazza) war im Spiel und Ge ſang naiv, kokett und exzellent. Sign. de Bezzi(Almaviva) vortrefflich. Sign. Paltrinieri(Figaro), bereits der Liebling des hieſigen Publikums, ſang und ſpielte mit einer Laune, ja beinahe Muthwillen, und doch, welche Dezenz, welche Grazie! Sign. Po⸗ lonini(Baſilio) war im Geſang vorzüg lich, doch kann man nicht daſſelbe von ſeinem Spiele ſagen. Sign. Tasca (Vartolo) leiſtete, dünkt mir, was er zu leiſten im Stande iſt. Die Oper ge