Jahrgang 
Band 1 (1840)
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den wird. Das Journal:der Ad ler, wurde ſeit 1. Jäner 1840 in den verſchiedenen Formatgrößen u. nach ein ander zu den Preiſen von 30, 26, 20, 16 und 12 Gulden angekündigt, jezt iſt es ſogar Bogenweiſe à 6 kr. C. M. zu bekommen. In der heurigen Wie ner Kunſtausſtellung befindet ſich Am merlings berühmtes Gemälde vom vori gen Jahr:die Morgenländerin, als Stahlſtich ausgeführt von Mahlknecht. Von Dr. L. Frankl erſcheinen bis zur Oſtermeſſe in Leipzig zwei Bände Gedichte. Nach einem Königsberger Blatte gibt es in Preußen allein über 300,000 notoriſche Trunkenbolde, die jährlich über 224 Millionen Quart ge brannten Waſſers durch die Gurgel ja gen. Nach dem Humoriſten würden Bertolotto's Flöhe, nach dem Wanderer Tſchuggmalls Automaten nach Peſth kom men. Wir glauben, daß beide ſchon ih re Sprünge in peſth machten, aber nicht weit geſprungen ſeien. Der Im proviſator Brecht trifft, laut Humoriſten, in Wien ein. Da werden die Wiener eine Improviſation hören! Die beiden Sängerinen Lutzer und Haſſelt(Mon tecchi und Capuletti) ſind von der Ad miniſtration des Hoftheaters auf meh rere Jahre engagirt worden. Ein neues ſechsaktiges Trauerſpiel von Rau pach:Boris-Godunow hat in Berlin nicht gefallen. Die italieniſche Oper in Paris hat am 31. März ihre dorti gen Vorſtellungen mit denPuritanern geſchloſſen. Die Künſtler wurden von dem Bankier Aguado reichlich beſchenkt. Der Wanderer ſagt:Die Preßburger Oper hat ſich aufgelöſt. Die Hrn. Piſchek u. Chrudimsky ſind in Peſth(2), Dem. Lendvary im ungar. Theater und Herr Draxler am Wiener Hofoperntheater

engagirt. Dem. Hen r. Carl hat abermals einen höchſt ehrenvollen An trag auf Gaſtrollen und Enga ement von der k. k. Hofopernt heater-Admini⸗ ſtration in Wien erhalten.

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Lokal-Zeitung.

Die Schöpfung. Der olänzendſte Succeß krönte die veranſtaltete große Produk tion von Haydn'sSchöpfung, die, zum Be ſten der durch ueberſchwemmung verunglükten Italicner, am lezten Sonntage in dem Pe ſther deutſchen Theater ſtattfand. Dem Kunſt ſinne und dem Wohlthätigkeits-Gefühle der Bewohner beider Städte gebührt gleiche eh renvolle Anerkennung; denn die Ausführung war in den melſten Theilen, ſo weit nämlich die ſo ſchnell bewerkſtelligte Aſſimilirung ſo ver ſchiedenartiger Kräfte es möglich machte, äußerſt gediegen, und das Haus war, ungeach tet der ſo bedeutend erhöheten Eintrittsprei ſe, in allen Theilen ungemein voll. Schon die Arrangirung und Dekorirung der Szene, ſo wie die Beleuchtung und die andern Anord nungen boten einen herrlichen Anblik dar. Der erſte Stadthauptmann, Hr. v. Pati ß, der in ſo kurzer Zeit die nöͤthigen Vorkehrun gen hiezu traf, ſo wie Hr. Direktor Schmid verdienen hierüber den wärmſten Dank. An der Ausführung des Tonwerkes nahmen faſt alle beſſern Kunſttalente Peſths Theil, die zu ſammen eine Zahl von mehr als 500 gaben. Wir erwähnen hier nur die Mitglieder des Ofner und Peſther Muſikvereins, die vorzüglichſten Mitglieder der Theater beider Städte, ſo wie auch die beſſern des ungarlſchen Theaters(mit Ausnahme der Mad. Schodel, die zu ihrer verweigerten Mitwirkung wohl gute Gründe haben mochte), die Muſikbanden der hier gar niſonirenden löbl. Regimenter, denen ſich noch zahlreiche Muſikliebhaber anſchloſſen, die gleich- falls von dem edeln Zwek beſeelt waren. Unter ihnen bemerkte man die einſt ſo be rühmte und noch immer beachtenswerthe Ge ſangsvirtuoſin' Mad. Tor nega. Die mu⸗ ſikaliſchen Arrangements beſorgte der Hochge borne Hr. Grof Leo v. Feſteties. Herr Kapellmeiſter Grill leitete das Ganze, Herr Bräuer die Recitative, Hr. Perla sa das Orcheſter, die reſp. Chordirekteurs u. Sing profeſſoren die Chöre. Unter ſolcher Aegide tonnte man nur Gelungenes erwarten, und wenn wir die Enſembles ziemlich befriedigend nennen, ſo waren faſt alle Soloparthien äu ßerſt gelungen. Die eminenteſte Geſangs-Ce lebrität Peſths, Fräulein Henriette Carl, ſang den Gabriel mit der vollen Kernhaftig teit ihrer ſchönen Stimme und einem, der Haltung dieſer Tondichtung angemeſſenen