Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
245
 
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Titel, wir haben ja genug Titel ohne Drama. Beſagtes Drama hat in den erſten drei Akten ſchrekliche Längen, iſt aber in den beiden lezten höchſt ſpannend. Geſpielt ward trefflich. Der Zettel nennt die Namen der Verdienſtvollen. Mad. Birch-Pfeiffer ſchikte unsOnkel und Nichte, ein gewöhnliches Strumpf produkt, das bei unſern Kritikern ſon derbarer Weiſe Gnade gefunden. Mit Cosmars24 Stunden Bedenkzeit machte das Publikum kurzen Prozeß. Von neuen Schriften ſind bei Medau in Leitmeritz, der im Herbſte in Prag auch eine Buchdrukerei etabliren wird, eine Sammlung gemüthlicher u. beleh render Erzählungen für die Jugend, unter dem TitelSonnenblumen, von Dr. Gruber, u.der Anſtands-Nathge ber, oder Anweiſung, ſich in allen ge ſellſchaftl. Lebensverhältniſſen angemeſ ſen zu bewegen, von F. Schönefeld, in einer ſplendiden Ausſtattung erſchie nen. Die Ausfälle eines Prager Refe renten in einem dortigen Blatte, auf unſer geachtetes JournalOſt u. Weſt, haben hier allgemeine Indignation er regt, da man hier zu ſehr die Motive dieſes Gekläffes kennt, ſo wie die leider wahre Darſtellung des hieſigen Skrib ler-Treibens von Douglas an jene Men ſchen erinnert, die über ihre eigenen Glaubensbrüder ſchimpfen, um nicht er kannt zu werden. Der Korreſpondent, demOſt u. Weſt ſeine Spalten ver weigert, iſt ein Geiſtesverwandter mit dem Verfaſſer der Prager Artikel in denRoſen.* 5

Mignon-Zeitung. Mein Ausflug nach Wien.

Freude, hoher Götterfunken, Tochter aus Elyſtum!

Dieſe Verſe ſchrieb ein gewiſſer Schil ler, der Daum's Elyſium in Wien nicht geſehen hatte und Daum ſchien

ſie beherzigt zu haben, denn er hat ein düſtres Kellerlokale zu einem wahren Tempel der Freude, zu einem Aſyle des Frohſinns umgeſchaffen. Ich war zwar nur 36 kurze Stunden in meiner lieben Kaiſerſtadt, wo mir der ehrwürdige Stephansthurm als alter Bekannter den erſten Willkomm bot. Doch meines Miniatur-Aufenthaltes ungeachtet ver ſäumte ich nicht, das vielgeprieſene Ely ſium im Anna- Keller zu beſuchen, den ich vor zwei Jahren als Tunnel kennen gelernt. Es war am 2. April 1840 ein recht ſchöner, etwas froſtiger Früh lingsabend da wurden alle meine Sinne in meinen Ohren ſummten noch die lezten Akkorde von Ricci's: Le prigione d' Edimburgo durch die verſchwenderiſche Pracht, durch die viel fach gebotenen Ueberraſchungen des neuen Elyſiums geblendet; ich ſah das üppige Aſien mit ſeinen lieblichen Be wohnerinen, ſah das herrliche Europa in lokender Doppel geſtalt, im gemüth lichen Gewande ländlicher Einfalt und im eleganten Soireetone der hôte volée, erquikte mich im ſtolzen Afrika, in den brennenden Südwüſten mit herrlichem Gefrornen; fuhr in Amerika auf der Ei ſenbahn bei Rio Janeiro, beim rauſchen den Niagara vorüber, über meinem Haupte bildeten Palmen ein ſchirmen des Laubdach, auf welchem Eichhörnchen, Affen, Papagey's und feurige Schlan gen ſich nekiſch herumtrieben und Alles dieſes war das Werk weniger Mi⸗ nuten! Kaum konnte ich noch Zeit ge winnen, meinen lieben Freunden in Stierböks großartigem Kaffehauſe Lebe wohl zu ſagen, da hieß es: eins, zwei, drei, Eilwagen herbei! u. ich bin wie der in Peſth und erfahre ſo eben die Trauerkunde, daß die Naturſängerinen Marie und Nina uns verlaſſen haben! Gewiß ein ſchwerer Schlag!

Semper idem.