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Titel“, wir haben ja genug Titel ohne Drama. Beſagtes Drama hat in den erſten drei Akten ſchrekliche Längen, iſt aber in den beiden lezten höchſt ſpannend. Geſpielt ward trefflich. Der Zettel nennt die Namen der Verdienſtvollen. Mad. Birch-Pfeiffer ſchikte uns„Onkel und Nichte“, ein gewöhnliches Strumpf— produkt, das bei unſern Kritikern ſon— derbarer Weiſe Gnade gefunden. Mit Cosmars„24 Stunden Bedenkzeit“ machte das Publikum kurzen Prozeß.— Von neuen Schriften ſind bei Medau in Leitmeritz, der im Herbſte in Prag auch eine Buchdrukerei etabliren wird, eine Sammlung gemüthlicher u. beleh— render Erzählungen für die Jugend, unter dem Titel„Sonnenblumen“, von Dr. Gruber, u.„der Anſtands-Nathge— ber, oder Anweiſung, ſich in allen ge— ſellſchaftl. Lebensverhältniſſen angemeſ— ſen zu bewegen“, von F. Schönefeld, in einer ſplendiden Ausſtattung erſchie— nen.— Die Ausfälle eines Prager Refe— renten in einem dortigen Blatte, auf unſer geachtetes Journal„Oſt u. Weſt““, haben hier allgemeine Indignation er— regt, da man hier zu ſehr die Motive dieſes Gekläffes kennt, ſo wie die leider wahre Darſtellung des hieſigen Skrib— ler-Treibens von Douglas an jene Men— ſchen erinnert, die über ihre eigenen Glaubensbrüder ſchimpfen, um nicht er— kannt zu werden. Der Korreſpondent, dem„Oſt u. Weſt“ ſeine Spalten ver— weigert, iſt ein Geiſtesverwandter mit dem Verfaſſer der Prager Artikel in den„Roſen.““* 5
Mignon-Zeitung. Mein Ausflug nach Wien.
Freude, hoher Götterfunken, Tochter aus Elyſtum!
Dieſe Verſe ſchrieb ein gewiſſer Schil— ler, der Daum's Elyſium in Wien nicht geſehen hatte und Daum ſchien
ſie beherzigt zu haben, denn er hat ein düſtres Kellerlokale zu einem wahren Tempel der Freude, zu einem Aſyle des Frohſinns umgeſchaffen. Ich war zwar nur 36 kurze Stunden in meiner lieben Kaiſerſtadt, wo mir der ehrwürdige Stephansthurm als alter Bekannter den erſten Willkomm bot. Doch meines Miniatur-Aufenthaltes ungeachtet ver— ſäumte ich nicht, das vielgeprieſene Ely— ſium im Anna- Keller zu beſuchen, den ich vor zwei Jahren als Tunnel kennen gelernt. Es war am 2. April 1840— ein recht ſchöner, etwas froſtiger Früh— lingsabend— da wurden alle meine Sinne— in meinen Ohren ſummten noch die lezten Akkorde von Ricci's: Le prigione d' Edimburgo— durch die verſchwenderiſche Pracht, durch die viel— fach gebotenen Ueberraſchungen des neuen Elyſiums geblendet; ich ſah das üppige Aſien mit ſeinen lieblichen Be— wohnerinen, ſah das herrliche Europa in lokender Doppel geſtalt, im gemüth— lichen Gewande ländlicher Einfalt und im eleganten Soireetone der hôte volée, erquikte mich im ſtolzen Afrika, in den brennenden Südwüſten mit herrlichem Gefrornen; fuhr in Amerika auf der Ei— ſenbahn bei Rio Janeiro, beim rauſchen— den Niagara vorüber, über meinem Haupte bildeten Palmen ein ſchirmen— des Laubdach, auf welchem Eichhörnchen, Affen, Papagey's und feurige Schlan— gen ſich nekiſch herumtrieben— und Alles dieſes war das Werk weniger Mi⸗ nuten! Kaum konnte ich noch Zeit ge— winnen, meinen lieben Freunden in Stierböks großartigem Kaffehauſe Lebe— wohl zu ſagen, da hieß es: eins, zwei, drei, Eilwagen herbei! u. ich bin wie— der in Peſth und erfahre ſo eben die Trauerkunde, daß die Naturſängerinen Marie und Nina uns verlaſſen haben! Gewiß ein ſchwerer Schlag!
Semper idem.


