Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
244
 
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Auſichten. Urtheile. Begebniſſe.

Korreſpondenz.

rag, 7. April. Die heurige Konzertſaiſon eröffnete Ihr gefeierter Landsmann Liszt der in einem Zeit raume von acht Tagen ſechs Konzerte gab. Es iſt viel und Vieles über den großen Virtuoſen geſchrieben worden, es iſt bei dieſer Gelegenheit viel Enthu ſiaſtiſches, Unſinniges, Bombaſt u. lee res Stroh zu Tage und zum Druke befördert worden, ich begnüge mich da⸗ her mit der einfachen Wahrheit, daß der Beifall und die Einnahme bei die ſen Konzerten gleich groß waren u. ſich nicht ſobald wiederholen dürften. Die Scheideſtunden waren für den liebens würdigen Künſtler, wie für die Pra ger unangenehm und führten zu ei nigen verdrüßtichen Debatten. Von Liszt erſcheinen nächſtens hier bei Hoff⸗ mannungariſche Variationen, gewid⸗ met Ihrer königl. Hoheit, der Erzher zogin Hermine, undVariationen über ein Huſſittenlied, dedizirt S. Exzel⸗ lenz, Karl Grafen von Chotek, Oberſt burggrafen in Böhnen. Nach Liszt kamen die Wohlthätigkeits-Konzerte an die Reihe und faſt jede Woche brachte uns derlei Akademien zwei bis drei, die größtentheils ſich einer lebhaften Fre⸗ quenz erfreuten. Zu den intereſſante ſten dieſer Konzerte gehört jenes, das zum Beſten des iſrael. Hoſpitals ſtatt fand und in welchem die Damen Pod borsky und Binder, ſo wie die Herren Demmer, Emminger u. Strakaty, das Orcheſter- und Chorperſonal des Thea ters mitwirkten. Eine junge Pianiſtin, auf welche Liszt bei ſeinem hieſigen Auf enthalte vorzüglich aufmerkſam machte, iſt die eilfjährige Riſchawy, die aus dem Prockſchiſchen Muſikinſtiſtute hervorging, und in einem Konzerte die ſchönſten Proben ihres Vorwärtsſchreitens auf der

Künctlerbahn an den Tag legte. Außer zwei Geſangsnummern von Fräulein Herrmann, hörten wir Tittlsnächt liche Heerſchau, die ſtürmiſch zur Wie derholung verlangt wurde. Der Schö⸗ pfer dieſer genialen Tondichtung, die in Bälde in Wien zur Exekutirung kommt, iſt am 29. v. M. nach Wien gereiſt, um als Kapellmeiſter des Jo ſephſtädter Theaters ſeinem neuen Be rufe zu folgen. Die muſikaliſchen Pra ger ſehen ungern den Liedermeiſter ſchei den, der ein würdiger Nachfolger Schu berts, ein phantaſtereicher Gärtner deut ſchen Sanges iſt. Jezt iſt in unſerer Mitte ein wohlrenommirter Violinvir tuoſe und Komponiſt, der unſer Lands mannziſt u. aus dem Prager Muſikkon ſervatorium bervorging. Es iſt der zu Berlin lebende Konzertmeiſter Kalliwo da, der bereits am 4. d. M. konzertirte und eine brillante Aufnahme fand. Im Theater hörten wir Reiſſinger's Felſenmühle, die nicht ſehr anſprach. Die Muſik iſt ein Konglomerat aus Lie dern bekannten franzöſiſchen, italieni ſchen und deutſchen Opernmotiven, oh ne Einheit und dramatiſchen Charakter. Die Exekutirung war gelungen zu nen nen u. Mad. Podhorsky u. Dem. Trie benſee nebſt den Herren Kunz, Dem mer und Emminger erwarben ſich ge rechten Beifall. Mehr Glük machte die neu in die Szene geſezte Oper:Ma rie, von Herold. Auch die Ausführung dieſer leichten Tondichtung geſchah mit ungemeiner Präziſion u. löblichem Flei ße. Dem. Großer hatte die Titelrolle, und die übrigen Parthien waren in den Händen der Mad. Podhorsky, der Dem. Triebenſee und der Herren Emminger, Demmer und Beck. Hr. Demmer, ein Spieltenor comme il faut mußte das Liedchen im 3. Akte wiederholen. Einen pikanten Titel hatdas Drama ohne