242 gen in ein Ganzes zuſammen, durchlieſt darauf die Verichte der Polizei, und ertheilt dann einigen ſeiner vertrauten Freunde, jener ihm perſönlich Ergebenen, auf die er ſtets bauen kann, Audkenz. 5
Um fünf Uhr pflegt er, wenn er in Neuilly iſt, einen Spaziergang zu machen; in Paris, wo ihn dieſes unſchuldige Vergnügen perſönlicher Gefahr aus— ſezen würde, macht er auf den Balkons der Tuilerien, die auf den Garten hin— ausgehen, ſeine Promenade, inſpizirt die Bauten, ertheilt Befehle hinſichtlich der auf ſeinen Domainen vorzunehmenden Arbeiten, und kehrt gegen ſechs Uhr in ſeine Gemächer zurük, um ſich anzukleiden. Um ſechs Uhr iſt im Schloſſe die Stunde des Diners, aber die königliche Familie wartet nicht auf ihn. Ein Kam— merdiener meldet ihm, es ſei ſervirt, und dann raſirt er ſich ſelbſt, macht Toi— lette, und kommt erſt zu Tiſche, wenn das Diner faſt zu Ende iſt.
Louis Philipp ſizt bei Tiſche gewöhnlich zwiſchen ſeiner königlichen Gemahlin und der Prinzeſſin Clementine. Vor ihm ſteht die Suppe, von der er ein Paar Löffel voll ißt, dann wird ihm ein in Reis gekochtes Huhn vorgeſezt, das er mit vieler Gewandtheit zerlegt, und faſt ganz ißt, darauf trinkt er eine Taſſe Thee, und ſteht vom Tiſche auf, oft noch mit etwas Obſt, wie es gerade die Jah— reszeit bringt, oder mit einer getrokneten Frucht in der Hand. Man ſieht ihn oft mit einer eingemachten Feige oder einer Weintraube bei den Bauten um her- gehen, und wie der beſte Baumeiſter mit ſeinen Arbeitern vom Handwerk reden. Dann bringt er einen Theil ſeines Abends in ſeiner Familie zu; die Königin und die Prinzeſſinen ſtiken meiſtentheils; Madame Adelarde lieſt oder unterhält ſich mit ihrem Bruder, der ſie ſehr liebt; bisweilen unterhält ſich der König auch mit ſeinen jüngern Söhnen, die noch in die Schule(das College) gehen, über Geographie, Geſchichte, Mathematik, und belehrt ſie über Geologie und Münzkunde. Auch die der königlichen Familie Näherſtehenden ſind oft zuge— gen, die Unterhaltung iſt heiter und ungezwungen; Politik wird gewöhnlich nicht berührt. Um zehn Uhr verläßt der König ſeine Familie, und zieht ſich in ſein Schlafkabinet zurük. Niemand darf es betreten; von dieſem allgemeinen Verbote wurde nur Herr von Montalivet unter den dringendſten Umſtänden und in Angelegenheiten der wichtigſten Art ausgenommen. Hier gehört der König ausſchließlich ſich. ſelber an, und der Famillenvater, der reiche Gutsbeſizer kann hier nach ſeiner Bequemlichkeit von einzelnen Zweigen der Verwaltung ſeines ſo bedeutenden Privatvermögens Einſicht nehmen.
Um Mitternacht beſchäftigt ſich der König wieder mit ſeinen politiſchen Sorgen, ſchreibt, wie man ſagt, eigenhändige Briefe an hochſtehende Perſonen in den wichtigſten Ländern Europa's, und ertheilt den Geſandten und diploma— tiſchen Agenten im Auslande vertrauliche Inſtruktionen. Dieſe Arbeit beſchäf— tigt ihn bis zwei, drei Uhr Morgens. Mitunter überraſcht der grauende Mor— gen ihn noch am Schreibtiſche beim Scheine einer ganz herabgebrannten Wachs— kerze. Dann tritt ein Kammerdiener, der am Eingange ſeines Schlafzimmers wachen muß, ein, und meldet, daß es Schlafenszeit ſei. Ein anderer Kammer— diener hat Befehl, ihn jeden Morgen um ſieben Uhr zu weken. Oft wird aber auch die Zeit des Wekens ſchon um eine Stunde früher beſtimmt.
Da Louis Philipp Nachts nur drei Stunden Ruhe genießt, ſo kommt es oft, daß er am Tage ein oder zwei Stunden einſchläft, im Wagen kann er ſchlafen, wann er will, und die Perſonen feiner Begleitung wiſſen, daß ſie ihn


