Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
223
 
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ſigen Bevölkerung immer mehr verſchwin det; bald wird dort kein deutſcher Brief mehr verſtanden oder geleſen, geſchwei ge geſchrieben werden. Nur in dem Bür gerſtande erhält ſich das Deutſche mit alter Straßburger Sitte. Werden aber nicht auch hier am Ende franzöſiſche Sitte und Sprache eindringen? Ohne Zweifel muß durch die Abnahme der deutſchen Sprache nicht nur der Ver kehr mit unſern überrheiniſchen Nach barn verlieren, ſondern auch die Bil dung des Geiſtes und des Gemüthes. Wechſelwirkung, möglich-vielſeitige Be rührung u. Durchdringung fördert den Genius der Völker, und für gewiſſe Studien, wie Theologie, Philoſophie, Philologie, Aiterthumswiſſenſchaft, Er ziehungs- und Unterrichtsweſſen, Erd und Völkerkunde, wird der Sprach- u.

Bücherſchaz der Franzoſen uns hier noch

kein Aequivalent bieten gegen den Fleiß, den Reicht hum des Wiſſens u. des Ge müthes der Deutſchen(22).

London. Bei der neulichen Be rathung des Militärbudgets im engli ſchen Unterhauſe bemerkte Herr Hume, daß die Königin nicht weniger als ſechs Adjutanten habe; er ſche nicht ein, warum ſechs Kammerfräulein nicht eben ſo gute Dienſte leiſten könnten.

Berlin. Die Lächerlichkeit der Nangſtreites perſifflirt folgende Berliner Anekdote ſehr ergözlich: Eine Butter händlerin und eine Käſehändlerin ſtan den zu Gevattern. Leztere drängte ſich in der Kirche auf den obern Plaz, doch die Butterhändlerin ſtellte ſich mit den Worten vor ſie hin:Butter kömmt vor dem Käſe. *

Etwas von Allem. Ernſt gibt nun ſeine Konzerte im Kärnthnerthor theater vor großem Publikum und bei enormem Beifall. Die Mainzer ſind ent huſiasmirt für die Mad. Stöckel Heineſetter, wenigſtens die Kritiker auf

dem Papiere; ja Einer erhebt ſie über die Lutzer! Die Auswanderungen nach Amerika waren in Rheinheſſen in kei nem Jahre ſo ſtark, wie in dieſem. In München hat der Hofbuchdruker Hr. Rösle ein von ihm benanntes Litho ſtereotype erfunden, mittelſt welchem lithographirte Arbeiten auf jeder Buch drukerpreſſe gleich Holzſchnitten bewerk ſtelligt werden können. Die neue Poſſe: das Trauerſpiel in Krähwinkel von Vary hat im Joſephſtädter Theater nur theilweiſe gefallen. Liszt iſt zwar nicht geſtorben, wie ein Gerücht in Peſth wiſſen wollte; aber es iſt ihm ein anderer Unfall in Leipzig begegnet, wie meh rere Journale theils in räthſel haften, theils in deutlichen Ausdrüken melden. Die Kunſt vereinigt ſich nie mit Arroganz u. je höher die erſtere ſteht, deſto mehr wird ſie durch die leztere entwürdigt. In München hat Adams Oper:die Eintagskönigin ziemlich gefallen. Ebendaſelbſt fängt eine junge Sänge rin, Namens Achiles, an, die Aufmerk ſamkeit zu erregen. Der in Peſth ſo bekannte Pianiſt Lacombe befindet ſich in Paris u. hat auf den 23. März ſein er ſtes Konzert angeſezt. Pariſer Blätter loben ihn ſchon in voraus. Ueber das

ſchon erwähnte Drama Balzac's:Vau⸗ trin ſagt ein Pariſer Blatt:Es iſt gefallen, weil es ſchlecht, und ward verboten, weil es unmoraliſch iſt. Aus München ſchreibt man unterm 21. März:Wir haben vollkommenen Win ter mit Schnee und Froſt. Die Herren Tendler und Schäfer haben in Mailand eine deut ſche Buchhandlung etablit. Liszt gab am 24. März ſein zweites Konzert in Leipzig. Das Kö⸗ nigſtädt'ſche Theater in Berlin ſoll unter die Leitung eines königl. Intendanten geſtellt werden. Ein deutſcher Schau ſpieldirektor, Herr Haake, beabſichtigt mit einer deutſchen Geſellſchaft nach New⸗VYork zu gehen.

Lokal-Zeitung. Theatraliſches. Die ſchon erwähnte Benefizvorſtellung der Dem. Carl ſoll Mon