Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
222
 
Einzelbild herunterladen

222

te in einer Tabelle die Dauer ihres Er⸗ ſcheinens und die Abonnentenzahl, ſo weit dieſe zu ermitteln war. Die Zahl der Wochenſchriften beträgt nicht weni ger als 80, von 50 derſelben koſtet das Blatt einen Penny, 5 koſten Penny und 25 koſten 2 Penny. Siebzehn da⸗ von enthalten vermiſchte Gegenſtände, 22 Novellen, Romane und Erzählun⸗ gen, 14 Lebensbeſchreibungen und Me moire, 9 ſind politiſchen, 4 wiſſenſchaft lichen und 2 mediziniſchen Inhalts; 1 vertheidigt die Mäßigkeitsgrundſäze, 4 geben ſich mit Theaterweſen ab, 5 ſind unſittlichen Inhalts und 2 ent hal⸗ ten Lieder. Von der geſammten An zahl ſind 58 mit Holzſchnitten, 1 mit Lithographien, 1 mit Stahlſtichen ge ziert, nur 19 ſind ohne ſolche Zugabe. Ein neuer Zweig der lyriſchen Poe ſie eröffnet ſich in der Wiener Theater zeitung. Hier ſinden wir einStall lied wir glaubten faſt den Stall geruch dabei zu empfinden.

Mignon Zeitung

Berlin. Der Geſellſchafter ſchreibt: Genialität, Originalität, Einfachheit und dergleichen ehemals hochangeſehene Eigenſchaften ſind jezt mehr oder We niger außer Kours gekommen und ſte hen in Mißkredit. Das raffinirte, for cirte, maltraitirte, hyperdreſſirte Ta lent, die mit eiſener Geduld und Ar beit zu ſchwindelnder Höhe getriebene Virtuoſität, die zur höchſten Unnatur verdrehte Naturanlage, die zur über⸗ natürlichſten Fertigkeit eingeſchwizte higkeit, das ſind die Lokſpeiſen des Kunſt⸗ genuſſes. Wenn ſich ſo Etwas hören laſſen will, duellirt man ſich ordentlich um Entreebillets. Vor einiger Zeit ließ ſich in Berlin ein Mann mit einer Dis⸗ kantſtimme hören, in Dresden ſang un längſt Mad. Schenk mit ein- und der⸗ ſelben Kehle Baß, Tenor u. Diskant.

Ihr Zeitungsruhm wird beiſpiellos wer den! An andern Orten ließ ſich ein mu⸗ ſikaliſcher Jongleur bewundern, weil er zugleich Geige ſpielen und Trompete blaſen konnte. Früher haben wir ſchon erwähnt, daß ein italieniſcher Jude auf Papierdüten Muſik macht. Wie enorm theuer wird die graziöſe Virtuoſität, recht lange wie eine Krähe auf einem Beine zu ſtehen, oder ſich wie eine Spindel um ſich ſelbſt herumzuſchleu dern, bezahlt? Wie ward der Mann bewundekt, der mit dreſſirten Flöhen ganz Europa in Erſtaunen ſezte? Wir haben in Berlin jezt einen Rechen⸗ Virtuoſen, über welchen die Voſſiſche Zeitung einen großen Papierkrieg führt. Mittwoch, den 18 März, ſpielte der Lieutenant von Vilguer im Rebenſtein ſchen Leſe-Kabinet drei Partien Schach zugleich, zwei, auf welche er gar nicht hinſah und die Züge nur diktirte, u. ei⸗ ne mit Augen, die er verlor, aber beide ungeſehene gewann er, ſo daß er, wie ein wiziger Herr bemerkte, blindlings Glük hatte. Thalberg macht raſche Sprünge von der Tiefe zur Höhe; Dreyſchock ſpielt, als hätte er drei Schock Hände. Der baieriſche Profeſſor Mohr, der kartenverſtändige Hund, der jezt in Berlin Lorbeeren ſammelt, reiht ſich auch in die glänzende Reihe dieſer Virtuoſen. Hierzu kommt noch die Dreſſur, Reime ſchnell zuſammen zu koppeln, das Talent des Improviſtrens, mit welchem dermalen ſchon ein halbes Duzend Männlein ſich ernähren. Jezt bildet ſich ein Mann aus, der nächſtens durch das Talent, mit den Füßen die ſchönſte, kalligraphiſche Schrift hervor zubringen, während er auf den Händen einen Straußiſchen Walzer tanzt, die Welt in Erſtaunen ſezen will. Was thut der Deutſche nicht um's Geld. Straßburg. Es iſt eine bekla⸗

genswerthe Thatſache, daß die deutſche Sprache in den höheren Klaſſen der hie