Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
217
 
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S. N N T, 10 f nnn Ws

Der Zpiegel

für Runſt, Eleganz und Mode.

Dreizehnter Jahrgaug. Halbjähriger Preis à fl., mit Poſtverſendung 5 fl. Auf Velinpapier mit erſten Kupferabdrüken

5 fl. u. poſtfrei 6 fl. C. M. Man pränumerirt im Kommiſſtonsamt zu Ofen Feſtung, außerhalb des Waſſerthors), in C. Millers u. J. Wagners Kunſthandl. in Peſth u. bel allen k.k. Poſtämtern.

28. Sonnabend, 4. April. 1840. D.

Eine Londoner Abendgeſellſchaft im Mlittelſtande.

Die Einladungen ſind ſchriftlich ergangen und ſchriftlich beantwortet; der Abend der evening party iſt gekommen, und wenn nach neun Uhr der Thür klopfer zum erſten Male hämmert und der Schall durch das Vorhaus die Treppe hinaufdringt, verläßt die Frau vom Hauſe den Sopha, wo ſie von der lezten Anſtrengung des Lichtanzündens ausgeruht; die Töchter) treten vom Spiegel zurük, werfen einen forſchenden Blik umher, ob Alles in Ordnung, heben raſch die Sophakiſſen auf, ſich zu überzeugen, daß nichts liegen geblieben**), und ſezen ſich in die Poſitur. Alles dies geſchieht mit derſelben Schnelligkeit, mit welcher bisweilen im Theater beim Aufgehen des Vorhangs auf die Bühne nicht Gehörende ſich zurükziehen. 5

Je nachdem die Eingelaſſenen in der hintern Unterſtube, oder in der Vi bliothek, oder im Studlerzimmer, oder wie ſonſt die Frau vom Hauſe das neben

*) Unverheirathete Töchter gehören im Allgemeinen zu den Hauptbedingungen einer evening party.

u) Da auch in England den Sophakiſſen oft Dinge anvertraut werden, die das Licht der Oeffentlichkeit ſcheuen, ſo gilt dort ebenfalls die Vorſchrift guter Sitte, während des Sizens auf dem Sopha die Kiſſen nicht zu rüken.