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nal erſcheint.— Man ſchreibt aus Dan— zig: Von dem, was in Polen geſchieht, erfahrt man hier, ſeitdem der dreifache Gränzkordon gezogen iſt, gar nichts. Polen iſt jezt für uns nur eine terra incognita.— Anton Delpuech, der Ve⸗ teran der franz. Armee, iſt zu Saint⸗ Cernin, 120 Jahr alt, geſtorben.— Die ſächſiſchen„Landtagsblätter“ von Philippi und Bacherer haben aufgehört. — In Trieſt ſpielt jezt die Theater— geſellſchaft aus Agram.
Lokal-Zeitung. Döbler.
Ich mag um Schlaf und Ruh Durch Grübeln mich nicht bringen; Allein mit rechten Dingen Geht ſolches Spiel nicht zu. Bürger. Döbler ſpielte zum ſiebenten Male, er ſpielte zum achten Male u. immer das Haus ſo uͤberſchwänglich gefüllt, als wäre es das erſte Mal! Iſt das Hauberel, iſt das Selbſt— Täuſchung der Phantaſie? Welch ein Andrang, welch ein erwartungsvolles Lauſchen u. Har⸗ ren! Er kommt. Ein Knallen des Piſtols ver— ſezt uns in das Reich der Magie. Die Wun— dermappe iſt vor uns aufgerollt; ein unbe— greifliches Räthſelreich offnet ſich unſern Bli— teu, und Schlag auf Schlag folgten ſich jene Künſte, die man vor einem Paar Jahrhun— derte die ſch wa ren nannte, und deren Urheber man dem Scheiterhaufen preis gab. Nun aber leben wir, ob zwar keine Scheiter⸗ baufen mehr brennen, doch in einem Uüch⸗ tern Heitalter und dennoch fragen wir Je⸗ dermann, der Döbler ſah, ob er wohl erklä—
ren kann 1„Wie Alles zugegangen 17 Und wie er's angefangen?“ 0 elbſt die leichtern Produktionen, die wir e andern Eskamoteurs ſchon ſahen, und ei denen ſich die Schürzung des Knotens ſo ziemlich ahnen läßt, gewinnen durch Döb⸗ lers Exequlrung ungemein an Grazie, Friſche und ueberraſchung. Aber erzählen wir etwas von den eben ſo artigen als ſchwer zu löſen— n Problemen, mit denen der Künſtler in der lezten Produktion uns amüſirte.— Ein . den ſich Hr. Döbler auf die delitateſte Weiſe aus den Logen und dem Parterre zuſammengehelt, liegt vor unſern
Augen auf dem geheimnißvollen Zauberpult, eine Minute ſpäter werden zwei Brotlalbe gebracht, und in dem von dem publikum ge— wählten iſt der Schluͤſſelbund einge ba⸗ ken!—— Wenn auf einen Piſtolenſchuß eine Menge, unſerer Taſchentücher in den Souffitten oder Koullſſen hängen blieben, wel— che wir zuvor mit den Augen unter einem Be— cher gehüthet, wäre eben nicht neu; aber nein! mitten am Plafond, über unſern Köpfen, frei von jedem Kouliſſengehelmniß, bängen u. ſchweben ſie, das will doch was ſagen! Dann die Bonbons! Das Kartenſtükchen! Die Vlo⸗ line! und endlich'die unerklärliche Floraſpen— de!—— Doch wir wollen die anziehendern Kunſtſtüke nicht verrathen, denn das verdirbt nur die ueberraſchung. Wir fügen nur hin— zu, daß der artige und galante Künſtler es an Bonbons und Sträußchen nie fehlen läßt, und daß die Art und Weiſe, wie der Geber ſie vertheilt, dem Empfänger ein. doppeltes Vergnügen gewährt. ——
Theatrali ſche s. unſere gefeierte Sängerin Dem. Henriette Carl wählte zu ührer Einnahme, die bald ſtattfindet, Bel— linis Meiſterwerk:„die Puritaner.“ Dieſe Oper, die ſchon lange nicht gegeben wurde, wird, neu in die Szene geſezt, mit erneuetem Fleiße zur Darſtellung kommen, und durch der ſchäzbaren Beneſizlantin, die zum erſten Male darin erſcheint, gewiß hohes Intereſſe gewinnen. Vorzüglich machen wir darauf auf⸗ merkſam, daß einige geeignete Veränderungen des deutſchen Textes in der Parthie der Dem. Carl, dem Originale entſprechender und dem Ausdruke der Muſik angmeſſener, wie vorher, ſein werden.
— Der rühmllich bekannte Baritonſänger Piſchet aus Preßburg wird hier erwartet, um in einer einzigen Gaſtrolle auf dem deutſchen Theater, zum Beſten des Kinderſpitals, zu ſingen.
— Unſer allbeliebter Komiker Hr. Rott begibt ſich auf mehrere Gaſtrollen nach Fünf ⸗ tirchen, wo ihm die vortheilhafteſten Beding⸗ niſſe geſtellt wurden.
— Der Tenoriſt Hr. Heim iſt von Oſtern an bei der Peſther Bühne engagirt worden.
— Auf der Ofner Bühne gaſtirt Herr Windiſch, vom Leopoldſtädter Theater, mit vielem Beifall. Ein einnehmendes Aeußeres und ein routinirtes und bewegliches, war— mes Spiel, ſprechen vortheilhaft für dieſen Schauſpieler.


