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Herr Stöhel krazt ſich mit dem Fuß hinter die Ohren, er ſpreizt die Beine wie ein Gliedmann aus einander und legt ſich wie ein Taſchenmeſſer zuſam— men. Wenn das Herr von Kliſchnigg ſähe, er würde erſtaunt die Beine über den Kopf zuſammen ſchlagen und wie Alexander vom Diogenes ſagen: Wenn ich nicht Kliſchnigg wäre, möchte ich Herr Stöckl ſein!.“
Hamburg. Am 22. Februar wurde (wie im Spiegel ſchon erwähnt) Gutz— kows:„Werner, oder: Herz u. Welt“, bürgerliches Schauſpiel in 5 Akten, zum erſten Male auf dem Hamburger Stadt— Theater gegeben. Die Theater-Chronik behauptet, das Stük ſei von Hrn. Uffo Horn, und Gutzkow hätte nur daran gefeilt. Das wird wohl wieder eine ſo edle Erfindung ſein, wie die der ele— ganten Zeitung, welche den„Richard Savage“ zu einer Ueberſezung machen wollte. Oder es iſt eine Satyre auf Herrn Uffo Horn, daß Gutzkow ſich mit deſſen Federn habe ſchmüken wollen.— „Werner“ ſoll viel frappanter und noch mehr künſtleriſch ſzenirt ſein, als„Sa— vage.“
London. Die ehrenvollſte und anſtändigſte Auszeichnung für vorzügli— che Schauſpieler findet in England ſtatt. Erſcheint dort ein Heros der Kunſt auf der Bühne, ſo wird er nicht durch wil— des, disharmoniſches Händeklatſchen em— pfangen, ſondern das ganze Auditorium ſteht augenbliklich, ſtillſchweigend, von ſeinen Sizen auf. Die Damen wehen dazu mit den Tüchern, und man ſezt ſich nicht eher nieder, als bis der Lieb— ling durch eine Verbeugung oder einige Worte ſeinen Dank ausgeſprochen hat.
Literatur.
Literariſches Portfolio. A. Weill, der unermüdliche Korreſpon— dent, hat„eine Reiſe in den Mond“
herausgegeben. Das Büchlein enthält eine in franzöſiſcher Sprache verfaßte Vorrede:„La jeune Allemange et la jeune France“, welche neben vielen Irr— thümern manche gute Bemerkung ent— hält.— Eine Auswahl von Pfeffels Fabeln in franzöſiſcher Ueberſezung iſt in Paris herausgekommen. Der Druk ſoll ein typographiſches Meiſterwerk ſein. Die Uebertragung wird ebenfalls ſehr gerühmt.— Bekanntlich gibt es viele Schriftſteller, die ſelbſt und durch ihre Freunde in Journalen ungeheuern Lärm von ſich machen, deren Schriften aber, troz der Arroganz der Verfaſſer, dem Publikum nicht behagen. Hat nun ein Verleger ein ſolches Werk herausgege— ben, ſo wird es ihm größtentheils von den Sortimentshändlern wieder zurük— gegeben; es liegt dann in guter Ruh iu der Pakkamer u. dem Verleger ſchwer auf dem Herzen Doch er kann ſich helfen. Nach Jahr u. Tag läßt er einen neuen Titel druken, ſchikt das Werk als eine zweite Auflage, oder wenn er noch ſchlauer iſt, eine zweite Ausgabe(ein Buch kann man ja zwei Male ausge— ben, wenn es auch nur ein Mal gedrukt iſt) wieder in die Welt; vielleicht blei— ben dann wieder einige Exemplare kle— ben.— Es ſind eben von zwei Werken des Herrn Dr. Theodor Mundt:„Ma— donna“ u.„moderne Lebens wirren“ neue Ausgaben erſchienen. In der Ankündi— gung heißt es:„Dieſe Werke würden jezt in dieſen neuen Ausgaben das dau— ernde Intereſſe aller Gebildeten anſpre— chen.“ Welch beſcheidenes Bekenntniß von dem ſpurloſen Vorübergehen der erſten Ausgaben. Uebrigens iſt das In— tereſſe der Leſer ein eigenſinniges Mäd—⸗ chen. Von Vielen, die ſich ihm mit ke⸗ ker Arroganz aufdrängen und es mit aller Gewalt anſprechen wollen, wendet es ſich ärgerlich ab und zeigt ihnen völ⸗ lige Nichtachtung.— Die räthſel hafte Dame A. V., Verfaſſerin mehrerer Luſt—


