Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
204
 
Einzelbild herunterladen

204

nur mich hat ſie ſtets geliebt. Du kannſt nicht auf Liebe bei ihr hoffen. Mocker, mein Bruder, dieſer Schaz gehört nur mir allein; muß ich auch ſterben, du erbſt nichts davon. Und mein Kind, kann es dir ergeben ſein, wie es an mir hängt, kannſt du ihm Vater ſein, wie ich ihm Vater bin? Gottes Hand ſelber hat uns drei für einander beſtimmt, willſt du Gottes Werk zertrümmern, willſt du ſo viel Glük vernichten, ſo viel Heiterkeit in Trauer verwandeln? Zu dei nen Füßen flehe ich dich an, erbarme dich meiner, deine Knie umfaſſe ich in Thrä nen und bitte dich um Gnade, wahrlich nicht für mich, aber für ſie, für mein Weib, füe mein Kind!! Mocker hob ihn auf:Folge mir zu Zuſanne, bei ihr meine Antwort.

Davidſon folgte ihm, zitternd wie ein armer Sünder, der zum Schaffote muß. Als er in das Speiſezimmer trat, umarmten ihn Suſanne und Mary. Eine junge Frau trat auch auf ihn zu, um ihn zu begrüßen.Davidſon, ſprach Mocker,ich ſtelle dir meine Frau vor.Was ſagſt du?Mei⸗

1

ne Retterin, ihr verdanke ich das Leben, ſie

pflegte mich, als ich unfern von

Neapel in ihres Vaters Wirths hauſe auf den Tod erkrankte. Leiſer fügte er binzu:Ich wäre faſt vor Liebe zu Suſannen geſtorben; Gott ließ mich leben, um in Julia's Liebe mein Glük zu finden.Und der Vertrag in Trough

ton's Taverne?Gilt nichts mehr:

der Menſch denkt, aber Gott lenkt!

Avſicten Urtheile. Fegebriſfe.

Theater.

Mannheim. Oettinger berichtet im deutſchen. Poſtillon Folgendes über die Mannheimer Bühne:Unſer Hof und Nationaltheater hat, nach langer Pauſe, wieder eine Neuigkeit vom Sta pel laufen laſſen. Und was für eine Neuigkeit? Neſtroy'sAffen u. Bräu⸗ tigam. Man erwarte ja nicht, daß ich unſerer Bühne darüber Vorwürfe ma chen, daß ich von Entweihung der Bret terdie die Welt bedeuten und von Entwürdigung der Kunſt reden werde. Denn wozu all' dieſe Jeremiaden? Iſt nicht Alles in den Wind geſprochen? Ich hülle mich in Afche und, weil es noch immer kühl iſt, zur Vorſicht auch in Flanelljaken, und laſe das Krumme ſchnurgerade, das Schwarze ſchneeweiß und das Niedrige hoch erhaben ſein, vielleicht gelingt es mir dann o ban ges Sehnen, ſüßes Hoffen! ein Frei⸗ billet zu erwiſchen. Alſo friſch gelobt!

Die neue Poſſe des mögen ihn die Muſen noch lange erhal ten iſt einzig, himmliſch, göttlich, oder wer es franzöſiſch hören will, uni- que, céleste, divine! Wer damit noch nicht zufrieden iſt, der nehme ein Fi belbuch zur Hand und leſe unter dem Buchſtaben A.

Der Affe ſehr poſſierlich iſt,

Zumal wenn er vom Apfel frißt. Man kann Künſtler und doch nur ein Affe oder Nachäffer und umgekehrt ein Affe und doch ein Künſtler ſein. Das Leztere beweiſt Herr Stöckel, der ſelbſt dem Herrn von Kliſchnigg, welcher be kanntlich ein Affe comme il faut iſt, den Rang und Lorbeer ſtreitig macht. Wie im Learjeder Zoll ein König ſo iſt in Herrn Stöckel jeder Zoll ein Affe, wie er leibt und lebt. Hr. Stöckel hat nicht, wie jeder andere Menſch, Gliedmaßen von Fleiſch und Bein, ſon dern Gliedmaßen von Gummi elaſtikum. Unſer Einer krazt ſich mit der Hand,

Herrn Neſtroy