Jahrgang 
Band 1 (1840)
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wie ſchön ich ſchreiben will, aber zur Belohnung dafür mußt du mich auch oft, recht oft küſſen. Davidſon gebrach es an Kraft zu antworten; oft drükte er Mary an ſeine Bruſt, er glaubte, das Herz müßte ihm zerſpringen.

Du ſiehſt, wie vernünftig ſie iſt, ſagte Suſanne.Ja, ſie iſt aber auch kein Kind mehr, ſie iſt bald ein großes Fräulein, und in acht Jahren müſ ſen wir daran denken, einen Mann für ſie auszuſuchen.Glaubſt du? fragte Davidſon, der nur mühſam ſeine Thränen zurük hielt.Gewiß... oder willſt du, daß ſie eine alte Jungfer werden ſoll? Warum ſollte ſie denn des Glükes entbehren müſſen, das du und ich in ſo vollem Maße genießen. Gewiß, gewiß ſoll ſie heurathen, und wenn es möglich, ihre Hochzeit an dem heutigen Tage feiern, der uns einander gegeben.Ja, wenn das möglich iſt, meine liebe Suſanne.Das wird möglich ſein, rief die kleine Mary, denn ich will ſchon meinem Bräutigam ſagen: Papa und Mama ſehen das gern... und ich, ich will, daß es ſo ſei.

Eine Magd trat ein und machte der Frau ein verſtohlenes Zeichen:Das Eſſen ſteht auf dem Tiſche, ſagte Suſanne. Die beiden Eheleute gingen in das Speiſezimmer, während ſich Mary leiſe in das verſchloſſene Zimmer ſchlich. Davidſon war überraſcht, als er den Tiſch für viere gedekt fand.Haſt du Jemand eingeladen? fragte er ſeine Frau.Ja, antwortete dieſe lächelnd, und noch dazu, ohne deine Einwilligung, verzeihſt du mir das?Ich hät te gewünſcht, heute mit dir und Mary allein zu ſein, heute, an dieſem feſtlichen Tage.Wir werden auch allein ſein, denn unſer Gaſt iſt kein Fremder. Wer iſt es denn, dein Vater?Nein, du weißt ja, er iſt nicht in London.Aber, wer kann es denn nur ſein, Suſanne? Dieſe klatſchte in die Hände, die verſchloſſene Thür ging auf und Mocker trat ein, an ſei ner Hand die kleine Mary. Davidſon ſtieß einen dumpfen Schrei aus, und ſtürzte ohnmächtig zu Boden.

Als er wieder zu ſich kam, lag er in ſeinem Bette, Mocker ſaß ihm zu Häupten und hatte ſeine Hand gefaßt.Mocker, ſtammelte Davidſon müh ſam,biſt du es?Ja, ich bin es, dein alter Freund, der gekommen iſt, dir zu dem heutigen Feſte Glük zu wünſchen; aber du haſt mich ſonderbar em pfangen.Wo iſt Suſanne, wo iſt mein Kind? ich will ſie ſehen, ehe ich ſterben muß. Noch gehören ſie mir, noch iſt der Tag nicht zu Ende, bis Mit ternacht habe ich das Recht zu leben.Du haſt alſo unſeres Vertrages in

Troughtons Taverne gedacht?Deffne jenen Schrelibtiſch.

Mocker öffnete den Tiſch und fand dort zwei geladene Piſtolen und einen

* ua geſiegelten Brief mit der Aufſchrift:an die Wittwe Davidſon.

Das iſt recht, ſagte Mocker,ich liebe die Männer von Wort und rechtſchaffene Freunde, aber ſtehe auf und komm' mit mir, deine Frau und dein Kind zu beruhigen, die voller Angſt unſer warten.Im Namen des Him- mels und unſerer Freundſchaft,ſchrie Davidſon, und warf ſich vor ihm auf die Knie,höre mich Mocker... habe Mitleid mit mir, mit Suſanne, erbarme dich unſeres Kindes, unſeres armen Kindes... Entbinde mich des fürchterlichen Eides, den ich geſchworen. Zeitlebens will ich es dir danken. Die beiden Engel, deren Liebe mir gehört, ſollen zu Gott eifrig für dich beten, daß du des Glü

1 mehr finden ſollſt, als wenn du mir befiehlſt zu ſterben. Suſanne liebt mich,