Jahrgang 
Band 1 (1840)
Seite
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ſpiele, die weniger Aufmerkſamkeit er regt haben, als das Geheimniß, in wel ches ſich jene zu hüllen beliebt, ſoll eine Berliner Schauſpielerin ſein, eine Schü lerin und Gehilfin Raupachs. Zu den Romanen des Auslandes, welche der deutſche Büchermarkt regelmäßig in Ueberſezungen liefert, gehörtZeno bia, Königin von Palmyra überſezt von Lindau; Leipzig, bei Kollmann(bis jezt noch unvollendet.) Das Buch iſt mit einer großen Kenntniß des ſpäteren römiſchen Alterthums geſchrieben, die durch Gibbon in England nicht unge wöhnlich iſt. Ein ausführlicheres Ur theil behalten wir uns nach der Voll endung vor. Die Buchhändler Treut tel und Würz in Paris, die das Ver⸗ lagsrecht der ſämmtlichen Werke der Staél⸗Holſtein beſizen, veranſtalten von ihrem ſchönen RomaneCorinna eine Ausgabe mit den jezt beliebten Holz ſchnitten; die Zeichnungen u. landſchaft lichen Skizzen dazu liefern Gérard, Vernet, Gudin, Schnetz, Granet de.

Mignon Zeitung

Potpourri aus Paris. Vor Kurzem ging ein junger Mann ſpät in der Nacht von einer Soiree nach Hauſe und hörte plözlich aus dem Erdgeſchoſſe eines Hauſes ein klagendes Jammerge ſchrei herausdringen:Ach, mache ihn nicht todt! mache ihn nicht todt! Der junge Mann trat an den geſchloſſenen Fenſterladen und hörte eine dumpfe, aber, wie es ſchien, höchſt aufgebrachte Stimme ſagen:Das muß aufhören; er liegt mir lange genug auf dem Hal ſe! Darauf antwortete die weibliche Stimme wieder:Ach, Gnade! Gna de! Bringe ihn nur nicht um! Der junge Mann klopfte an den Fenſterla den, um zu öffnen.Schaffe ihn blos aus dem Hauſe, wenn du ihn einmal nicht länger dulden willſt, ſprach die

Frau. In dieſem Augenblike gab der Fenſterladen unter den Anſtrengungen des jungen menſchenfreundlichen Man nes außen nach, das Fenſter ſchlug auf und ihm an den Kopf wurde ein kleiner kranker Hund geworfen, wäh⸗ rend er gefürchtet hatte, es ſolle in dem Hauſe ein Menſch ermordet wer den, denn er durch ſeinen Beiſtand zu retten gedachte.

München. Der Kunſtreiter Gua rin gab in dem frommen München eine Vorſtellung zum Beſten der Stadtar men. Es fanden ſich aber leider nur ſechs Zuſchauer ein; dieſen wurde das Eintrittsgeld zurükgegeben u. die Vor ſtellung auf eine Zeit verlegt.

Stettin. In der Stettiner Zeitung machte ein Nachahmer Louis Druckers(der Mann hat bereits viele Nachdruker), der Weinhändler Napoleon Herbſt, Folgendes bekannt:

Hier im ird'ſchen Kammerthal Endete nicht Plag' und Qual; Reift' nicht Wein und Hopfen! Hei mir wird drum wieder ſein Sonnabend Muſik und Wein Trautentraubentrankestroſtestropfen! Péle⸗méle aus London. Die rechte Hand der Königin von England iſt ſeit ihrer Vermählung übel daran. Bei und von jeder Deputation, welche am Throne erſcheint, um Glükswünſche darzubringen, muß ſie ſich küſſen laſſen. Von der Univerſität Oxfort allein 200 küßluſtige Profeſſoren, wobei der Uni verſitäts-Kanzler Wellington in der Staatsrobe vorküßte. Die Deputation des Gemeinderaths zu London beſtand

aus 190 Köpfen und die der Geiſtlich- keit war nicht minderſtark. Der Prinz

Albert hat dabei das Zuſehen. Ei⸗ nem Leichenbitter in London war kürz lich ſeine Frau geſtorben, die er ſehr

geliebt hatte. Es ſchien dem trauernden

Gatten eine Entwürdigung ſeiner Ge fühle, wenn er in dem gewöhnlichen

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